Der Helfer Andreas Baumgartner (51) von der Hilfsorganisation Navis vor der Nationalen Direktion für Trinkwasserversorgung in Haiti.

Bürokratie, Plünderungen, Überfälle

Helfer vor großen Hindernissen

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Grafing/Port-au-Prince - „Die Situation hat sich erheblich verschärft“, berichtet der Grafinger Andreas Baumgartner (51) aus dem Katastrophengebiet in Haiti, wo nach dem verheerenden Wirbelsturm „Matthew“ jetzt eine Choleraepidemie droht.

Die Menschen haben kein sauberes Trinkwasser mehr. Es gibt bereits viele Tote, und noch viel mehr Choleraverdachtsfälle. 

Baumgartner brach am Montag vor einer Woche zusammen mit der Ärztin Heidi Bauer und dem Techniker Florian Schweiger vom Münchner Flughafen nach Haiti auf (wir berichteten). Alle drei gehören der Organisation Navis an, die ehrenamtlich und erfolgreich humanitäre Einsätze in aller Welt unternimmt und aus der Münchner Berufsfeuerwehr am Flughafen hervorging. 

Teamchef Baumgartner und seine Begleiter sollen auskundschaften, wo auf der schlimm von dem Sturm betroffenen Halbinsel Tiburon ein Feldlazarett aufgebaut und eine Trinkwasserversorgung installiert werden könnte. „Wir könnten mit unserem Equipment 100 000 Liter innerhalb von 24 Stunden herstellen. Da muss aber genügend Wasser vorhanden sein“, berichtet er. Soweit ist es aber trotz großer Seuchengefahr noch nicht, und das Problem dabei ist ein mehrfaches. 

„Inzwischen wurden schon Konvois von bewaffneten Gruppen überfallen. Es gibt Plünderungen“, schildert der Grafinger die derzeitige Sicherheitslage. „Ohne Armeebegleitung werden wir dort nicht hinfahren. Am liebsten wäre es mir, die Army würde uns mit dem Hubschrauber dort absetzen und nach zwei Tagen wieder abholen“, sagt der Grafinger, der als Teamchef die Sicherheit seiner Leute gewährleisten muss. Das zweite Problem, das der Navis-Crew zu schaffen macht, sind die bürokratischen Hürden, mit denen die Hilfsorganisationen trotz der prekären Lage zu kämpfen haben. „Die Regierung lässt am Tag gerade mal zehn Flieger mit Hilfsgütern ins Land“, sagt Baumgartner. Immer wieder müsse umständlich verhandelt werden – und das in Französisch. „Wenigstens sind die Meetings in Englisch.“ 

Die Solidarität und der Kontakt unter den Hilfsorganisationen bis hinauf zu den Vereinten Nationen seien jedoch großartig. „Wir sind von allen gut aufgenommen worden.“ Baumgartner hofft, dass sich die Lage schnell beruhigt, so dass Navis mit den eigentlichen Hilfeleistungen beginnen könne. Er selbst ist übrigens noch nicht gegen Cholera geimpft. „Das ist aber kein Problem, das ist nur eine Schluckimpfung“, sagt er und denkt daran, die wertvolle Hilfsfracht auf dem Seeweg nach Tiburon zu bringen. Möglicherweise wird die Navis-Mannschaft auch durch Angehörige der holländischen Navy unterstützt.

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