Die Nachfrage nach Stellen im Altenpflegebereich ist gering. Fotolia

"Bufdis" wollen, dürfen aber nicht

Landkreis - Die Wehrpflicht ist ausgesetzt. Damit gehört auch der Zivildienst der Vergangenheit an. Allerdings: Die Sorge der sozialen Einrichtungen, keine jungen und vor allem billige Arbeitskräfte mehr zu finden, war unbegründet.

Das Budget für den neu geschaffenen Bundesfreiwilligendienst (BFD) reicht deutschlandweit für rund 35 000 Stellen. Diese sind bereits fast alle vergeben, trotz großen Interesses gibt es aktuell einen Einstellungsstopp. Auch in einigen Landkreiseinrichtungen ist das ein Problem.

Rund 30 Zivis hatte das Betreuungszentrum (BZ) Steinhöring jeweils in den vergangenen Jahren. Jetzt sind es 15 „Bufdis“, wie die BFDler in vielen Einrichtungen liebevoll genannt werden. Bewerber wären - auch wegen bereits erfolgter Stellenausschreibung - noch immer vorhanden. Durch den Einstellungsstopp des Bundes seien dem BZ aber momentan die Hände gebunden, erklärt Ines Melhorn, zuständig für das Personalwesen. „Wenn wir 20, 25 oder 30 Stellen genehmigt bekämen, die Leute würden wir sofort aufnehmen können.“ Das größte Problem sei momentan die Planungsunsicherheit. Die meisten BFD-Verträge laufen Ende August aus, wie es danach weitergeht, ist aktuell ungewiss.

Als „sehr ärgerlich“ bezeichnet Elisabeth Seibl-Kinzlmaier, Bereichsleiterin Soziales beim Kreisverband des BRK, die aktuelle Situation: „Wir wurden angeprangert, dass wir selbst werben und für Ersatz für die Zivildienstleistenden sorgen sollen. Und jetzt kommt dieser Einstellungsstopp.“ Man selbst habe momentan fünf „Bufdis“, könnte aber doppelt so viele gebrauchen. Den Aderlass gegenüber der Versorgung mit Zivis fange man derzeit mit Ehrenamtlichen auf, gleichzeitig müsse man BFD-Bewerber vertrösten.

Keine Klagen kommen hingegen vom AWO-Kreisverband. Geschäftsführerin Ulrike Bittner erklärt, man habe aktuell drei BFDler. Viele junge Leute, so die Erfahrung Bittners, würden lieber ein Freiwilliges Soziales Jahr machen. Auch hier sind aber Grenzen gesetzt, denn bayernweit müssen sich BFD und FSJ/FÖJ (Freiwilliges Ökologisches Jahr)-Stellen die Waage halten.

Während große Einrichtungen und Verbände teilweise Bewerber abweisen müssen, haben andere sogar noch Stellen frei. Im Glonner Marienheim beispielsweise ist nur eine „Bufdi“-Stelle vergeben. „Wir könnten noch ein oder zwei weitere verkraften“, meint Heimleiter Fritz Schwarz. Die Nachfrage im Bereich der Altenheime sei wohl allgemein eher gering. Man habe die Möglichkeit des BFD an der Caritas-Einrichtung wohl nicht ausreichend beworben, fasst sich Schwarz an die eigene Nase. „Bei den Zivis hat das halt noch über Mundpropaganda funktioniert.“

Von Johannes Markmann

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