Heimische Wildblumen in den Mittelpunkt stellte Referent Reinhard Witt. Rechts: Bund-Kreisvorsitzender Olaf Rautenberg. Foto: otto Hartl

Bund Naturschutz beschäftigt sich mit brauner Vergangenheit

Landkreis - Wie kann man die Verdienste eines Gründungsmitgliedes würdigen und dabei nicht seine Nazi-Vergangenheit ausklammern? Vor diesem Spagat stand die Kreisgruppe des Bund Naturschutz bei der Jahreshauptversammlung in Grafing.

Vorsitzender Olaf Rautenberg begrüßte knapp 30 Teilnehmer. Nach seinem Tätigkeitsbericht über das abgelaufene Jahr 2013 entwickelte sich erwartungsgemäß eine lebhafte Diskussion zum Thema „Hans Sponholz“, dem Gründer und 1.Vorsitzenden der Kreisgruppe vor 40 Jahren.

Zum Jubiläum „40 Jahre Kreisgruppe Ebersberg“ war erstmals eine 16-Seiten umfassende Broschüre aufgelegt worden, die gleichzeitig die Einladung zur Mitgliederversammlung sowie Berichte über Artenschutz, Kindergruppe, Flächenversiegelung und Wanderprogramm enthält.

Auf der Rückseite der Broschüre wird in einem Aufsatz von Olaf Rautenberg der Gründer Hans Sponholz als 1.Vorsitzender der Kreisgruppe erwähnt, jedoch kein Wort über seine vor einem Jahr aufgedeckte NS-Vergangenheit.

Hans Sponholz war ehrenamtlich Kreisnaturschutzbeauftragter, Ehrenvorsitzender des BUND Naturschutz, Träger des Bundesverdienstkreuzes, Träger der Naturschutzmedaille und als „Retter des Ebersberger Forstes“ bekannt geworden, außerdem war er jahrelang Redaktionsleiter der Ebersberger Zeitung.

Sponholz sah nach dem Krieg seine Aufgabe vorrangig darin, die Landschaft vor einer Zersiedelung zu bewahren und „nicht zum Objekt hemmungsloser Profitgier“ werden zu lassen. Darin hat sich für seine Nachfolger nicht viel geändert. Soweit die Würdigung des damaligen 1. Vorsitzenden durch den aktuellen Vorstand Olaf Rautenberg.

Die Ebersberger Zeitung hatte im Oktober vergangenen Jahres ausführlich über die NS-Vergangenheit von Sponholz berichtet und auch darüber, welche Schriften er im Dritten Reich verfasst hatte, die ihn über weite Strecken als Verehrer der NS-Ideologie erkennen lassen.

Rautenberg stellte dazu in der Diskussion im Heckerbräu fest: „Wir haben keine dunkle Vergangenheit in unserer 40-jährigen Geschichte!“ Das sieht Hubert Weiger, der Vorsitzende des Bund Naturschutz Deutschland ein bisschen anders. Weiger hatte Anfang Mai noch öffentlich eingeräumt: „Wir haben auch dunkle Seiten in unserer 100-jährigen Geschichte“ und: „Diese dunklen Seiten haben wir von drei Historikern aufarbeiten lassen.“

Rosemarie Will, Bund-Kreisgeschäftsstellen-Leiterin und Schatzmeisterin erklärte, dass die Informationen über Hans Sponholz seit 2011 im Internet zu finden waren und seine redaktionellen Äußerungen in der NS-Zeit als „verwerflich“ bezeichnet werden müssen. Deshalb habe der Ebersberger Stadtrat, in dem sie Mitglied sei, auch die Rücknahme der Straßenbezeichnung nach Hans Sponholz veranlasst.

Günther Ettenhuber, aktueller Naturschutzbeauftragter der Stadt Grafing, äußerte sich empört darüber, wie „schäbig und scheinheilig“ man heute über den verdienten Naturschützer Sponholz „herziehe“, obwohl viele andere Nazis nach dem Krieg sehr schnell in hohe politische Ämter geschlüpft sind und dort unbehelligt geblieben sind.

Uwe Peters, 2. Kreisvorsitzender, entwickelte den Vorschlag, eine Jugendgruppe auf das Thema anzusetzen, um den Sachverhalt kreativ und konstruktiv aufzuarbeiten und für die Öffentlichkeit zu dokumentieren.

Heinz Vierthaler, ebenfalls 2. Vorsitzender, äußerte, der Bund-Kreisgruppe sei kein Vorwurf zu machen, da zum Zeitpunkt der Gründung vor 40 Jahren niemand von der NS-Vergangenheit gewusst habe, auch nicht die Heimatzeitung, die Hans Sponholz als Redaktionsleiter eingestellt habe. „Hans Sponholz wollte vielleicht vieles wieder gut machen, was ihn aus der NS-Zeit belastete“, vermutet Vierthaler. Abschließendes Statement von Olaf Rautenberg: „Ich bin weder bereit, noch fühle ich mich verpflichtet, weitere Kapazität in die Aufhellung der Vergangenheit zu investieren, die inzwischen mehr als 70 Jahre zurück liegt.“

Jahresschwerpunkte der Kreisgruppe des Bund Naturschutz wurden an diesem Abend ebenfalls thematisiert: „Die richtigen Weichen für ein zukunftsfähiges Bayern“ und die „Bewahrung der natürlichen Lebensgrundlagen“ durch die Rettung der Bürger-Energiewende und des Atom-Ausstiegs. Der Bund will sich außerdem für Gentechnikfreiheit und den Schutz von Umwelt und Verbraucher vor einem Konzern-Freihandelsabkommen einsetzen sowie den ökologischen Hochwasser-, Gewässer- und Auenschutz voranbringen.

Die Mitgliederzahl der Kreisgruppe beträgt derzeit 2853 Personen. Zudem unterstützen die Kreisgruppe 370 Förderer. Die Vereinskasse ist gut geführt und gut gefüllt. Gesucht werden vor allem aktive Mitglieder und Personen, die Verantwortung in der Führung übernehmen wollen.

Im Anschluss an die Mitgliederversammlung referierte Reinhard Witt, Fachbuchautor, Journalist und Naturfotograf zum Thema: „Heimische Wildblumen - mehr Mut auf öffentlichem Grund“.

Otto Hartl

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