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Bund Naturschutz funkt dazwischen

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Landkreis Ebersberg - Bei ihrem Widerstand gegen den Aufbau beziehungsweise die Inbetriebnahme des digitalen Behördenfunks (BOS) hat die Initiative Diagnose-Funk mit ihrer Aßlinger Landesvorsitzenden Trudi Christof einen gewichtigen, prominenten Mitstreiter bekommen: den Bund Naturschutz.

Seit Sommer 2009 wird im Landkreis am digitalen Funknetz für Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) im Tetra-Standard gearbeitet. Der Landkreis gehört zu den bayerischen Pilotprojekten. Anfangs glich die skeptische Trudi Christof mit ihrer Aßlinger Initiative „Mobilfunk mit Grenzen“ eher einer einsamen Ruferin in der Wüste. Inzwischen gibt es laut Christof, die auch Sprecherin des Landesverbands von „Diagnose-Funk“ ist, bayernweit 140 Gemeinden, die ihren Widerstand gegen Tetra in 47 Landkreisen formuliert haben, 70 Kommunen haben mindestens einen Tetra-Standort abgelehnt.

In 20 Kommunen gebe es offizielle Ratsbeschlüsse zur Forderung nach einem Moratorium, den digitalen Behördenfunk solange auf Eis zu legen, bis dieser zuverlässig funktioniert, sich als gesundheitlich unbedenklich herausstellt und zudem in einem tragbaren finanziellen Rahmen aufgebaut und betrieben werden könne, so Christof.

Wie sie hat jetzt auch der Bund Naturschutz (BN) Position bezogen. „Landesweit sind viele Bürger sehr besorgt, aber die Behörden ignorieren Gesundheitsrisiken und negieren das Vorsorgeprinzip. Es ist unerträglich, dass Innen-Staatssekretär Gerhard Eck den Digital-Funk als ,ist in keinster Weise gesundheitsgefährdend‘ bezeichnet, aber die WHO im Frühjahr 2011 Mobilfunkstrahlung als potentiell krebserregend einstufte“, sagt Helga Krause. Sie ist Leiterin der Arbeitsgruppe Mobilfunk beim bayerischen Bund Naturschutz.

„Die Wirkungen auf Schwangere, Föten, Kinder und Implantat-Träger sind bei Mobilfunktechniken nicht ausreichend geklärt, es sind Schäden durch Langzeitwirkungen zu erwarten. Die Belastung ist bereits jetzt durch die flächendeckende Versorgung mit Mobilfunk und die enorme Zunahme drahtloser Geräte im täglichen Leben sehr hoch. Im flächendeckenden Tetra-Netz werden die Antennen zudem, im Gegensatz zum analogen Behördenfunk, rund um die Uhr senden. Dabei dürfte die Pulsung der Strahlung biologisch besonders wirksam sein - im negativen Sinne“, so Krause. Auch die Gesundheit der Mitarbeiter von „Blaulichtorganisationen“, die häufig in unmittelbarer Körpernähe mit den Handgeräten arbeiten müssen, solle nicht gefährdet werden. Das Vorsorgeprinzip müsse auch hier eingehalten werden, so Krause weiter.

Der stellvertretende BN-Landesvorsitzende Sebastian Schönauer, der als langjähriger zweiter Bürgermeister der Spessartgemeinde Rothenbuch bei Aschaffenburg mit den Bürgerprotesten und Fragen besorgter Bürger befasst ist, kritisiert darüber hinaus die Vorgehensweise der Staatsregierung: „Nun heißt es, dass die Einführung längst beschlossene Sache, die Flächen für die Funkstationen gefunden und die Funkmasten gebaut seien. Damit werden demokratische Strukturen außer Kraft gesetzt.“ Zentrales Anliegen von Bund Naturschutz und Diagnose-Funk sei ein von Lobbyinteressen der Industrie unabhängiger Gesundheits- und Umweltschutz bei Funktechnik. „Die Zusammenarbeit soll zu mehr Demokratie und Schutz zugesicherter Grund- und Schutzrechte beitragen“, erläutert der stellvertretende BN-Landesvorsitzende Schönauer. Eine erste Zusammenarbeit zwischen Diagnose-Funk und BN gab es schon 2010, als der BN die „Petition für Gesundheitsvorsorge und Einbeziehung der Bürger und Kommunen beim Aufbau des BOS-Funks“ von Diagnose-Funk unterstützte. Ein weiterer Schritt war im Herbst 2011 der Flyer „Mobilfunkstrahlung - Ein besonderes Risiko für Kinder und Jugendliche“. Im Ebersberger Kreistag soll der Behördenfunk auf Antrag von Grünen und ÖDP im Januar Thema werden.

Von Eberhard Rienth

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