Historisch schlechtes Ergebnis

CSU tobt nach Wahl-Debakel gegen Laschet und CDU - „In Teilen hirntot“

  • Katharina Haase
    VonKatharina Haase
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Die Union hat bei der Bundestagswahl ein historisch schlechtes Ergebnis eingefahren. Auch in Bayern, wo die CSU ebenfalls schlecht abgeschnitten hat, wächst die Kritik.

Ebersberg - Es war ein bitterer Abend für die CSU*. Die Schwesterpartei der CDU in Bayern musste bei der Bundestagswahl* das schlechteste Ergebnis seit über 70 Jahren hinnehmen. Zwar erhielten die Christsozialen die meisten Direktmandate aus den insgesamt 46 Wahlkreisen im Freistaat, doch bei den Zweitstimmen reichte es am Ende des Abends für gerade einmal 31,7 Prozent. Noch schlechter hatte die CSU lediglich bei den Wahlen 1949 abgeschnitten. Bereits 2017 hatte die CSU deutliche Verluste eingefahren - doch der jetzige Stimmenverfall ist noch einmal drastisch.

Nach herben Verlusten bei der Bundestagswahl: CSU und CDU in Bedrängnis - Suche nach Schuldigen

Viele sehen die Hauptschuld bei der CDU* und ihrem Vorsitzenden Armin Laschet*, der sich erst wenige Monate vor der Wahl gegen Ministerpräsident Markus Söder* im Kampf um die Kanzlerkandidatur durchgesetzt hatte. Auch die CDU lieferte ein historisch schlechtes Ergebnis ab. Der Berliner Politikwissenschaftler Oskar Niedermayer sprach in einem Interview mit dem Handelsblatt bereits von einer „politischen Kernschmelze“ und sein Kollege Heinrich Oberreuter aus Passau vermutet, dass „heftigen innerparteilichen Diskussionen über eine personelle und inhaltliche Neuaufstellung“ geführt werden müssten.

Armin Laschet und Markus Söder: Die Parteichefs von CDU und CSU auf dem CSU-Parteitag kurz vor der Bundestagswahl 2021.

Söder, der kurz nach seiner Niederlage gegen Laschet noch keine Gelegenheit ausgelassen hatte, gegen den CDU-Vorsitzenden zu sticheln, stellte sich in einer Pressekonferenz am Montag, 27. September, hinter seinen Bündnis-Partner, betonte jedoch, es sei „eine sehr ernste Zeit für die Union.“ Laschet selbst gab sich weitaus weniger selbstkritisch und hält noch immer an der Möglichkeit einer sogenannten Jamaika-Koalition (Schwarz, Grün, Gelb) unter seiner Führung fest.

Bundestagswahl 2021: Union mit historisch schlechtem Ergebnis - Laschet zeigt wenig Einsicht

Diese Uneinsichtigkeit angesichts der obsoleten Wahlniederlage ist allerdings vielen CSU-Politikern ein Dorn im Auge. Landräte-Chef Christian Bernreiter, stellte ein Jamaika-Bündnis infrage. „Da habe ich extreme Bauchschmerzen, wenn ich an den Preis denke, den man zahlen müsste“, wird Bernreiter von Zuhörern der CSU-Vorstandssitzung zitiert. Bayerns Junge-Union-Chef Christian Doleschal nannte ganz konkret Laschet als Hauptgrund für das Versagen der Union bei der Wahl. Der Kanzlerkandidat habe „bis zum Wahltag jedes Fettnäpfchen mitgenommen“.

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Heftige Kritik aus eigenen Reihen: CSU-Abgeordneter nennt Union hirntot

Besonders drastisch formulierte es nun Andreas Lenz, CSU-Abgeordneter und Bundestagsmitglied aus dem Wahlkreis 213 Erding-Ebersberg, auf Twitter. Dort schrieb er am Montagnachmittag: „Die #Union wirkt in Teilen hirntot - es gibt viel zu tun!“ Welche Vorkommnisse genau Lenz zu dieser Aussage gebracht haben, lässt dieser offen. Unter dem Post wird indes heftig darüber debattiert, ob die CDU ihren Regierungsanspruch innerhalb einer Jamaika-Koalition festigen oder doch in die Opposition abrücken sollte. Zudem wird die Frage aufgeworfen, ob eine solche Koalition, sollte sie entstehen, von Laschet geführt werden sollte. Als Alternativen werden Markus Söder oder gar Norbert Röttgen, der die Wahl zum CDU-Vorsitzenden im Januar gegen Laschet verloren hatte, genannt.

Letztlich wird die Union noch einige harte Gespräche führen und personelle Fragen klären müssen. Zeit dafür bleibt ihnen noch ein bisschen. FDP-Chef Christian Lindner kündigte an, sich zunächst mit den Grünen besprechen zu wollen, ehe man in mögliche Koalitionsgespräche mit der Union oder der SPD trete.

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Rubriklistenbild: © CHRISTOF STACHE/AFP

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