Sie diskutierten auf dem Podium (v.l.): Josef Vogl (Kripo Erding), Florian Pöhlmann (JU-Kreisvorsitzender), Berndt Lohmüller (Arzt), Andreas Lenz (Bundestagsabgeordneter), Florian Alte (Rechtsanwalt), Sebastian Schlagenhaufer (Kabarettist) und Ingo Pinkofsky (Suchttherapeut). jro

"Cannabis ist wie ein Flächenbrand"

Kirchseeon - Podiumsdiskussion von CSU und Junger Union zum Umgang mit der Droge im Eglhartinger Jugendzentrum.

Mit der Frage „Cannabis - Genussmittel oder Einstiegsdroge?“ haben sich der CSU-Ortsverein Kirchseeon und der Kreisverband der Jungen Union (JU) in einer Podiumsdiskussion im Eglhartinger Jugendzentrum beschäftigt. Rund 40 jugendliche und erwachsene Besucher waren gekommen. Anlass war das Volksbegehren „Ja zur Legalisierung von Cannabis in Bayern als Rohstoff, Medizin und Genussmittel“, das vom Cannabis-Verband München initiiert wurde.

Dessen Vertreter Wenzel Cerveny betonte: „Ich selbst kiffe nicht, mir geht es um die Freiheitsrechte.“ Seiner Meinung nach seien Schwarzmarkt und Verunreinigungen das Gefährlichste an Cannabis.

„Probleme mit Cannabis sind sprunghaft angestiegen, das ist wie ein Flächenbrand“, berichtete Ingo Pinkofsky, Suchttherapeut bei der Caritas-Fachambulanz in Grafing. „Teilweise ist Cannabis leichter zu bekommen als Alkohol, gerade für Jugendliche.“ Das bestätigte der JU-Kreisvorsitzende Florian Pöhlmann: „Cannabis spielt eine immer größere Rolle bei Jugendlichen.“ Er selbst kenne einige Konsumenten, nur zwei davon hätten aber wirklich Probleme: „Die haben relativ jung angefangen und es mit dem Konsum übertrieben. Die meisten anderen rauchen Cannabis nur ab und zu ganz gezielt.“ Josef Vogl, seit 25 Jahren bei der Kripo Erding in diesem Bereich tätig, sieht eine Legalisierung kritisch: „Es gäbe dann ja wie beim Alkohol eine Altersgrenze. Dealer würden sich folglich verstärkt auf die Jugendlichen konzentrieren, die Cannabis nicht legal bekommen können. Und das ist doch genau das, was wir überhaupt nicht wollen.“

Eine dosierte Abgabe könne er sich höchstens im medizinischen Bereich vorstellen. Dem entgegnete Berndt Lohmüller, Arzt für Psychiatrie: „Für Schmerzpatienten gibt es viele zugelassene Medikamente, die sehr gut helfen. Eventuell wäre Cannabis bei Multiple Sklerose und Spastiken wirksam, aber die Medizin wartet nicht wirklich auf die Zulassung von Cannabis.“

Der CSU-Bundestagsabgeordnete Andreas Lenz, der die Diskussion moderierte, wollte von Kabarettist Sebastian Schlagenhaufer wissen, ob Cannabis die Kreativität fördere. „Ich selbst kiffe nicht, sondern trinke nur ab und zu mal etwas. Aber die Ideen, die unter Alkoholeinfluss entstanden sind, funktionieren nüchtern betrachtet nicht mehr, für mich hat das also keinen guten Einfluss auf die Kreativität. Natürlich kenne ich aber einige Künstler, die kiffen, zum Teil auch ganz öffentlich. Cannabis als Einstiegsdroge? Ganz ehrlich, die Leute, die ich da treffe, die sind ganz weit weg vom Einstieg!“

Rechtsanwalt Florian Alte erläuterte, dass das Betäubungsmittelgesetz die unkontrollierte Ausbreitung von Drogen verhindern solle. Auf den Einwand, dass dieses Ziel ja wohl nicht erreicht worden sei, entgegnete er: „Wir sind uns sicher einig, dass der Staat bestimmte Dinge verbieten muss, zum Beispiel Heroin oder Kokain. Aber wo sollen wir die Grenze ziehen?“ Der beste Schutz vor Drogenmissbrauch sei Aufklärung, waren sich alle Diskussionsteilnehmer einig. Die Prävention beginne in der Familie: „Wir müssen unsere Kinder offen, kritikfähig und mit Selbstvertrauen ausgestattet auf den Weg bringen“, meinte Vogl und Pinkofsky ergänzte: „Man kann Kinder nicht vor allem schützen, aber muss ihnen beibringen, vernünftig mit Gefahren umzugehen.“

Susanne Edelmann

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