Landrat Robert Niedergesäß im Impfzentrum.
+
Landrat Robert Niedergesäß im Ebersberger Impfzentrum.

Familien an der Belastungsgrenze

Landrat übt scharfe Kritik an Corona-Maßnahmen: „Nur auf die Inzidenz zu schauen ist falsch“

  • Michael Acker
    vonMichael Acker
    schließen

Die Familien können nicht mehr! Das sagt Ebersbergs Landrat Robert Niedergesäß. Er stellt klare Forderungen an die Regierung und spart nicht mit Kritik an den Corona-Verordnungen.

Ebersberg - Landrat Robert Niedergesäß (CSU) geht davon aus, dass die Sieben-Tage-Inzidenz im Landkreis Ebersberg demnächst wieder einen Wert von über 100 erreichen könnte. Das liege nicht nur an den Mutanten, es hänge auch mit der verstärkten Diagnostik des Coronavirus zusammen, „die grundsätzlich richtig ist“, sagte Niedergesäß am Dienstag gegenüber der Ebersberger Zeitung.

Kritik an Corona-Maßnahmen: „Fokussierung auf Inzidenzwert ist falsch“

Die Fokussierung nur auf den Inzidenzwert der Infektionszahlen als Maßstab für erneute Einschränkungen betrachtet er „als falsch, denn sie beruht lediglich auf positiven PCR-Tests“. Wissenschaftliche Studien immerhin der WHO hätten ergeben, dass ein positiver PCR-Test nur ein Teil der Diagnose sein könne, aber dadurch nicht abschließend eine Covid-19-Erkrankung bzw. -Infizierung bestätigt sei. Niedergesäß: „Wo viel getestet wird, entstehen eben mehr Fälle. Insofern brauchen wir auch eine Relation zur Anzahl der gemachten Tests, die fehlt noch! Das würde ja sonst zu wenigeren Tests motivieren, um die Inzidenz im Zaum zu halten.“

Indikator für eine Notbremse sollte deshalb nach Meinung des Landrats nicht nur die – undifferenzierte – Inzidenz sein, sondern die Anzahl der wirklich Erkrankten und die Belastung des Gesundheitssystems. Diese sei während der Pandemie zwar in Teilbereichen, aber nicht insgesamt gegeben gewesen. Auch der Schutz der alten Menschen müsse in die Gesamtbewertung einfließen: „Wir haben die über 80-Jährigen in unseren Heimen längst geimpft, wir haben aktuell keinen Fall in den Heimen mehr. Das ist ein Erfolg!“

Corona-Maßnahmen in Bayern: Landrat fordert auch Betrachtung der Folgeschäden

Niedergesäß will festgestellt haben, dass die Gesellschaft generationenübergreifend inzwischen unter den dauerhaften Einschränkungen leide, über diese Folgeschäden spreche man viel zu wenig. „Ich bin stark dafür, die Schulen wenigstens im Wechselunterricht zu beschulen, die Belastungen für die Familien werden zu groß und die Kinder leiden zunehmend unter der Situation, sie brauchen die Schule, die Mitschüler und die Lehrer für ihre Entwicklung, Homeschooling darf keine Dauerlösung werden.“

Landrat übt Kritik an Corona-Maßnahmen: Vor allem Impfstoff-Beschaffung schiefgelaufen

Man brauche die Wirtschaft für die Zukunft des Landes, man müsse z.B. nun schnell mindestens die Außengastronomie erlauben, bei guten Hygienekonzepten auch die Innengastronomie. „In Supermärkten dürfen wir uns sorglos tummeln, aber im restlichen Einzelhandel mit guten Hygienekonzepten droht dann die Gefahr, das macht doch keinen Sinn“, kritisiert der Landrat die Maßnahmen von Bund und Ländern. „Alles, was im Freien möglich ist und auch die sportlichen Aktivitäten müssen wir wieder mit Vernunft zulassen.“

Die Alternative zu pauschalen Lösungen sind in seinen Augen ein verantwortungsvoller und differenzierter Umgang mit dem Virus und die Impfungen. „Hier sind wir viel zu langsam, unser Impfzentrum wäre von Anfang an in der Lage gewesen, rund 6000 Impfungen die Woche zu stemmen. Es liegt am nicht vorhandenen Impfstoff – ein großes Versäumnis von Brüssel und Berlin“, so der Landrat.

Hier bleiben Sie auf dem Laufenden, was die Entwicklung der Corona-Pandemie im Landkreis Ebersberg angeht.

Ebersberg-Newsletter: Alles aus Ihrer Region! Unser brandneuer Ebersberg-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus der Region Ebersberg – inklusive aller Neuigkeiten zur Corona-Krise in Ihrer Gemeinde. Melden Sie sich hier an.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare