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Corona macht immer mehr Kinder depressiv

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Von: Raffael Scherer

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Der Lockdown verlangt Kindern und Jugendlichen viel ab. Nicht wenige werden depressiv.
Der Lockdown verlangt Kindern und Jugendlichen viel ab. Nicht wenige werden depressiv. © Waldhäusl

Immer mehr Kinder- und Jugendliche entwickeln Ängste und Depressionen wegen des Lockdowns. Die Kinder- und Jugendpsychologen im Landkreis Ebersberg sind ausgebucht.

Landkreis - Die Grafinger Psychotherapeutin Annina Hentschel (43) sagt, dass sich vor allem Ängste, Zwangs- und Essstörungen deutlich vermehrt hätten. Es gebe mehr Bedarf als es therapeutische Einrichtungen gebe. „Die Kinder sind froh, dass sie Termine bei mir haben, das gibt ihnen ein Stück Normalität“, sagt die Therapeutin.

Schule ohne Orientierung

Für die Corona-Maßnahmen seien die Kinder offen und akzeptieren diese gut. Ein großes Problem sei die mangelnde Orientierung bei der schulischen Organisation: „Ich habe das Gefühl, dass die Kinder schulisch nicht wissen, wie es weitergeht“, sagt Hentschel am Telefon. Das trage erheblich zur psychischen Belastung bei.

Unterschied zwischen Kopf- und Bauchgefühl

Claudia Michael von der Kinder- und Jugend-Psychiatrie in Vaterstetten beobachtet eine Zunahme von Angststörungen und depressiven Entwicklungen der Kinder. Ängste vor sozialer Nähe seien wegen der Pandemie besonders ausgeprägt: „Die Kinder haben Angst sich oder jemand anderen anzustecken“, sagt Michael. Im Vergleich zum ersten Lockdown seien die Störungsbilder, gerade auf emotionaler Ebene, mehr und intensiver geworden. Der Jugend fehle soziales Umfeld, weswegen laut Michael die Öffnung der Schulen ganz oben auf die Prioritätenliste müsse. Für den Präsenzunterricht sprachen sich bei ihr rund 80 Prozent der Befragten aus. Auch wenn die Kinder und Jugendlichen die Corona-Maßnahmen nachvollziehen können, sei trotzdem emotionales Leiden vorhanden. Der Unterschied zwischen Kopf- und Bauchgefühl sei das Problem.

Immer wieder wird Corona genannt

Ähnlich erlebt es der Kinder- und Jugendpsychotherapeut Tobias Steck (39) in Ebersberg. Er nehme bei den Kindern unter zwölf Jahren vermehrt Autoaggressionen und Trennungsängste wahr. Bei den Älteren seien es eher depressive Symptome wie Niedergeschlagenheit oder Hoffnungslosigkeit. „Seit der zweiten Welle wird immer wieder ,Corona‘ als Grund für Anfragen angegeben“, sagt Steck.

Isolation von Freunden und gezwungenermaßen durchgehender Kontakt mit der Familie seien für die Kinder sehr belastend. Vor allem weil der Freundeskreis normalerweise einen wichtigen Gegenpol zu den Eltern bilde. Der Spagat zwischen den Regeln, die es zu beachten gilt, und der Trennung von Freunden, die wichtig sind, setze vielen zu“, sagt er. Steck freut es jedoch, dass die meisten Kinder und Jugendlichen großes Verständnis für die pandemiebedingten Maßnahmen hätten. Die Jugend wolle ihren Beitrag zur Pandemiebekämpfung leisten: „So kann man das alles als Gesellschaft auch schaffen“, sagt er.

Psychologin Ulrike Janowetz aus Glonn kann sich ebenfalls vor Anfragen nicht mehr retten: „Jede Woche habe ich etwa fünf neue Anfragen, dabei bin ich bereits bis Ende des Jahres ausgebucht“, sagt sie. Ängste und Depressionen hätten bei jungen Leuten deutlich zugenommen. Wachsende Sucht nach Videospielen und Fernsehen bemerke sie ebenfalls. Woran man Depressionen bei Jugendlichen erkennt, berichtet 24Vita.de*.

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