Getrennte Eltern und ihr Kind
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Wenn die Eltern getrennt sind, kann das im Quarantäne-Fall ungeplante Auswirkungen auf das Betreuungsrecht haben. (Symbolfoto)

Härtefall beim Infektionsschutz

Quarantäne unter Tränen: Wenn Kinder nicht zurück zur Mama dürfen - zum Schutz vor Corona

  • Josef Ametsbichler
    vonJosef Ametsbichler
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Seit fast drei Wochen darf Nadja Fleckinger ihre beiden Töchter nicht mehr in die Arme nehmen und mit nach Hause nehmen. Das alles geschieht zum Schutz der Mutter - denn die zwei Mädchen sind bei ihrem Ex-Mann in Corona-Quarantäne.

Landkreis – Wenn Nadja Fleckinger ihre beiden Töchter sehen will, dann ist momentan immer ein Zaun zwischen ihr und ihnen. Fast drei Wochen lang darf sie die beiden Kinder, die gerade erst im Grundschulalter sind, nicht in den Arm und auch nicht mit nach Hause nehmen. Die zwei Mädchen sind in Corona-Quarantäne und müssen bleiben, wo sie sind. Für die Mutter aus einem Ort mitten im Landkreis Ebersberg eine Katastrophe: „Das ist unmenschlich“, sagt sie.

Corona-Quarantäne: Härtefall beim Infektionsschutz - Wenn Kinder nicht zur Mama dürfen

Eigentlich heißt Nadja Fleckinger anders. Ihren richtigen Namen will die Frau Anfang 30 lieber nicht in der Zeitung lesen. Denn hinter der wochenlangen Trennung von ihren Kindern steckt eine familiäre Problematik: Als die Mädchen bei ihrem Ex-Ehemann waren, der sich mit ihr das Sorgerecht teilt, grätschte Corona dazwischen.

Weil jemand in dem Haushalt positiv auf das Virus getestet wurde, stehen alle Bewohner unter zweiwöchiger Quarantäne. Auch die beiden Kinder. Eigentlich wäre längst wieder die Mama mit ihrer Betreuung an der Reihe, doch bis weit in die erste Märzwoche müssen die Kinder beim Vater bleiben – zum Schutz ihrer Mutter, an die sie das Virus im Ansteckungsfall nicht weitergeben sollen. Zwar sind die Mädchen laut der Mutter bereits negativ getestet, das hilft jedoch gegen die Quarantäne nichts.

Corona-Quarantäne in der Familie: Besuche nur am Zaun und auf Abstand - „Sie fragen immer wieder, wann ich sie abholen kann“

Für die Familie bedeutet das: Besuche am Zaun und auf Abstand. Während die eine Tochter dann der Mama Turnkunststücke vorführt, fließen bei der anderen schon mal die Tränen. So richtig verstehen können es laut der Mutter die beiden Kleinen nicht, warum sie nicht zu ihr können. „Sie fragen immer wieder, wann ich sie abholen kann“, sagt die Mutter. Die einzige Antwort, die sie geben könne: „Bald.“ Dann werden fast drei Wochen vergangen sein.

Florian Robida vom Kreisjugendamt bestätigt, dass solche Fälle in dieser Pandemie immer wieder vorkommen. „Die Quarantäne, die das Gesundheitsamt schriftlich anordnet, bricht das Umgangsrecht“, erklärt der Teamleiter in der Jugendhilfe. „Wir führen das aus, was das Gesundheitsamt sagt.“ Infektionsschutz geht vor. Für die Eltern sei das verständlicherweise oft ein Drama. Dennoch wirbt Robida auch um Verständnis, was die Regelung angeht. Sie diene schließlich dazu, das zweite Elternteil zu schützen, damit es im Ernstfall für die Kinder dasein könne.

Corona in Bayern: Jugendamt erklärt - Quarantäne-Anordnung bricht Umgangsrecht

Als Fallbeispiel nennt Robida eine Familie, bei der der Vater als Handwerker mehrere Tage auf Montage ist. Werde in dieser Zeit die Mutter positiv getestet und damit die Kinder zu Kontakt- und Quarantänepersonen, rate das Gesundheitsamt dem Vater: „Gehen Sie lieber nicht heim.“

Verbieten könne man das in diesem Fall nicht, da es ja derselbe Haushalt sei, doch wenn ein Elternteil dem möglichen Ansteckungsherd fernbleibe, könne das im Notfall einen Unterschied machen. Den Fall von Nadja Fleckinger kennt das Jugendamt nicht: Die Ebersberger Zeitung behandelt ihre Identität vertraulich.

Der Jugendamts-Mitarbeiter gibt den allgemeinen Rat, in solchen Fällen im Anschluss an die Quarantäne einen Ausgleich zu suchen, miteinander zu reden, die versäumte Zeit mit den Kindern nachzuholen. „So versuchen wir, Härtefälle abzufedern“, sagt Robida. Ob das auch bei Nadja Fleckinger und ihren Töchtern klappt, kann die junge Mutter noch nicht sagen. Sie kann momentan nur immer wieder ihre Kinder vertrösten, mit dem einen Wort: „Bald.“

Ein illegales Fußballspiel bei Vaterstetten hat mehreren Eltern Anzeigen wegen Corona-Verstößen eingebracht. Die Polizei beendete das Treffen auf dem Fußballplatz. Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s jetzt auch in unserem neuen, regelmäßigen Ebersberg-Newsletter.

(Von Josef Ametsbichler)

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