Eine Frau impft eine Seniorin gegen Corona
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Eine Seniorin lässt sich gegen das Coronavirus impfen. (Symbolbild).

Impfung zeigt Wirkung – Das Virus ist aber noch da

Wieder Corona-Ausbruch in Pflegeeinrichtung - Wohl Zusammenhang mit Impfstrategie

  • Josef Ametsbichler
    vonJosef Ametsbichler
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Erneut 14 infizierte Senioren: Das Coronavirus ist in einer Tagespflege-Einrichtung in Grafing ausgebrochen. Wegen eines Details in den Vorschriften waren die Betreuten dort noch nicht geimpft.

Grafing/Landkreis – Ein erneuter Corona-Ausbruch in einer Pflegeeinrichtung erschüttert den Landkreis Ebersberg – dabei schien das Drama dank der Impfung zumindest für diesen gefährdeten Bereich überstanden zu sein. Nun haben sich in der Tagespflege des Pflegestern-Heims in Grafing 14 Besucher und drei Mitarbeiter mit dem Coronavirus infiziert. Das teilte das Landratsamt auf Anfrage mit. Eine Reihentestung am Mittwoch ergab diese Fallzahl.

Zwei der betreuten Senioren liegen demnach in der Kreisklinik, wie es ihnen geht, ist unklar. Auch zu den weiteren Erkrankten konnte das Amt zunächst keine näheren Angaben machen. Der Ausbruch sei die Hauptursache für die auf über 50 gestiegene Sieben-Tage-Inzidenz im Landkreis Ebersberg. Hinweise auf das Wirken einer Virus-Mutante gebe es bislang nicht.

Tagespflege-Gäste konnten nicht gleichzeitig mit Altenheim-Bewohnern geimpft werden

Das Problem bei dem Ausbruch: Die Gäste der Grafinger Tagespflege waren noch nicht geimpft. Bei der Impfpriorität unterschied der Gesetzgeber zwischen stationären Pflegebedürftigen und Tagespflege-Besuchern. Letztere kamen deshalb nicht an die Reihe, als die Altenheime durchgeimpft wurden. Das rächt sich nun. Besonders tragisch: Für den Donnerstag war der Besuch eines mobilen Teams des Impfzentrums vorgesehen, um die Immunisierung nachzuholen. Der Termin wurde abgebrochen.

Der Geschäftsführer der Pflegestern GmbH, Peter Haile, sagte der Redaktion am Telefon, das bislang unklar sei, wer das Virus in die Einrichtung getragen hatte. „Wir haben ein sehr rigides Corona-Management und testen wie der Teufel“, sagt Haile. Trotzdem sei wohl eine Infektion unentdeckt geblieben – vielleicht auch, weil ein Schnelltest fälschlicherweise nicht angeschlagen habe. 

Wirksame Impfung: Kaum mehr Fälle in durchgeimpften Altenheimen

Wäre da nicht das Problem mit den Spätgeimpften in den Tagespflegeeinrichtungen, könnte man sagen: Die Altenheime sind coronamäßig offenbar über den Berg. Das zeigen aktuelle Zahlen. Nur noch rund fünf Prozent der Corona-Infektionen im Landkreis Ebersberg treten laut Landratsamt bei Heimbewohnern auf. Mitte Januar lag dieser Wert bei über 50 Prozent. Größere Ausbrüche gibt es seit jenem mit 23 Toten in Markt Schwaben Anfang Januar nicht mehr.

Die Impfung zeigt Wirkung, das lässt auch das Gesundheitsamt mit vorsichtigem Behörden-Optimismus durchblicken: „Insgesamt sind wir zuversichtlich, dass Ausbruchsgeschehen und schwere Krankheitsverläufe minimiert werden können“, so auf Anfrage die Amtschefin Annette Dame.

Unter den Heimbewohnern, die bereits die zweite Corona-Impfung bekommen haben, gab es laut der Behörde mit Datenstand vom Mittwoch bisher nur zwei nachgewiesene Corona-Infektionen – darunter tragischerweise einen Todesfall: Eine 100-jährige Heimbewohnerin ist kurz nach der Zweitimpfung im Zusammenhang mit dem Virus gestorben. Insgesamt sind damit 123 Heimbewohner aus dem Kreis an oder mit Sars-CoV-2 gestorben.

Gesundheitsamt Ebersberg: Keine Komplikationen nach der Impfung in den Heimen

Impfkomplikationen seien bislang keine aufgetreten, so das Gesundheitsamt weiter. 68 Prozent der Heimbewohner im Landkreis hätten die Impfung erhalten. Zusammen mit den relativ vielen überstandenen Covid-Erkrankungen gehe man von einer Immunisierung jenseits der 90 Prozent aus.

Nicht geimpft werden Bewohner, die das Virus in den vergangenen sechs Monaten überstanden haben und deshalb als immun gelten, anderweitig schwer erkrankt sind, im Sterben liegen – oder weil der gesetzliche Vertreter, meist Angehörige, der Impfung nicht zustimmen.

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