Sprachen über Ebersberg: Merkel und Seehofer. Foto: ddp

CSU-Zittersieg bewegt Bundeskanzlerin

Landkreis - Der Zittersieg bewegt sogar das Kanzleramt. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich am Sonntagabend über den Ausgang der Ebersberger Landratswahl informieren lassen.

Der hauchdünne Sieg von CSU-Kandidat Robert Niedergesäß war ein Thema eines Telefonats zwischen Merkel und CSU-Chef Horst Seehofer. Hintergrund ist der Ärger in der CSU um die Abgeordneten-Affäre.

Niedergesäß lag im ersten Wahlgang vor zwei Wochen noch deutlich vorne, verfehlte bei drei Gegenkandidaten knapp die absolute Mehrheit. Hätte er die Stichwahl verloren, hätte der kleine Landkreis Ebersberg bundesweit wohl als Musterbeispiel hergehalten, wie die CSU selbst im eher konservativen Oberbayern nach einer Affäre Wahlen in den Sand setzen kann. Tenor: Bei der Landtagswahl wird’s mindestens genauso bitter.

Auch so frohlockt die bayerische SPD-Spitze, ihr Landratskandidat Ernst Böhm habe die CSU „an den Rand einer Niederlage getrieben“. Am Wochenende hatte die CSU noch versucht, mit einer selbst in Auftrag gegebenen landesweiten Umfrage den Eindruck zu erwecken, die Vorwürfe rund um die Landtagsfraktion hätten keinerlei Auswirkungen auf Wahlen. Für Christa Stewens, die neue Chefin der Landtagsfraktion, wäre ein verpatzter CSU-Wahlabend in ihrer Heimat zudem ein sehr unglücklicher Start in ihre erste Woche im Amt gewesen. Ihre wichtigste Aufgabe ist ja, nach eben jener Abgeordneten-Affäre in der CSU auszumisten und den Schaden für die Partei zu minimieren.

Merkel ist der Landkreis nicht völlig fremd. Ihre Vize-Regierungssprecherin Sabine Heimbach kommt aus Anzing. Seehofer schilderte der Kanzlerin die Wahl zudem sehr plakativ: SPD-Mann Böhm habe unter anderem mit einem gemeinsamen Foto mit Seehofer geworben. Die Broschüre „Ernst wird’s“ zeigt den Ministerpräsidenten bei der Übergabe eines bayerischen Porzellanlöwen an Böhm. Seehofer hat sein Konterfei im SPD-Wahlkampfmaterial amüsiert. „Das ist der erste Wahlkampf, wo ich Gewinner und Verlierer zugleich bin“, erklärte er der Kanzlerin am Telefon.

Christian Deutschländer

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