Diskutierten rege über regionale Kreisläufe (v.li): Renate Glaser (AEG 2020), Hans Kopp („Bürger vermögen viel“), Ludwig Karg (BAUM.consult), Hans Gröbmayr (Klimaschutzmanager), Augustinus Meusel (Wirtschaftsförderer, Landratsamt). Foto: Ger

Damit die Region stark bleibt

Glonn - Fachleute diskutieren in Glonn darüber, wie lokale Wirtschaftskreisläufe unterstützt werden können.

„Der Mensch muss einen Wert darin sehen.“ Das ist der Kernsatz des Abends zum Thema „Regional.Konkret.Handeln“, zu dem der Aktionskreis Energiewende Glonn 2020 (AEG 2020) in Zusammenarbeit mit dem Landratsamt Ebersberg ins Marienheim eingeladen hatte. Kommunalpolitiker, Vereinsvorstände, lokal Engagierte und Gewerbetreibende diskutierten rege über regionale Wirtschaftsstrukturen und welche Konzepte und konkrete Formen es zu deren Unterstützung gibt.

Ist es in unserer globalisierten Welt überhaupt noch möglich und sinnvoll Wirtschaft, Ökologie und regionales Engagement zu verknüpfen? Von der Sinnhaftigkeit ist Augustin Meusel, Regionalmanager im Landratsamt, überzeugt. In seinem Impulsreferat stellte er die verschiedenen Bemühungen und Projekte des Landkreises vor, die alle das Ziel haben, den Landkreis in seiner Attraktivität zu steigern. Tiefer stieg Ludwig Karg von BAUM.consult, die den Landkreis in diesem Bereich berät, in das Thema ein. „Wertiges selber in die Hand nehmen“, nannte er das Ziel. Regionalentwicklung sei notwendig, um die Lebensgrundlagen zu erhalten, die Wirtschaftskraft zu stärken, Arbeitsplätze zu erhalten und die Zukunft so selber zu gestalten.

Als Beispiel für die Wertschöpfung in der Region nannte er die erneuerbaren Energien: „Der größte Teil liegt in Bürgerhand.“ Und nicht nur für Lebensmittel gelte: Wenn man die regionalen Hersteller kennt, wenn der Kunde weiß, was und wie produziert wird, dann schätzt und identifiziert sich der Kunde damit.

„Wir können als Bürger unheimlich viel bewegen“, ist sich auch Klaus Kopp sicher. Er stellte als Beispielprojekt den Verein „Bürger vermögen viel“ vor, der vor einem Jahr die Bürgerkarte im Landkreis eingeführt hat. Beim Einkauf in teilnehmenden Geschäften zeigt man seine kostenfreie Bürgerkarte vor. Auf der Rückseite der Karte ist der Verein oder die Initiative vermerkt, die gefördert werden soll. Bei einem Einkauf ab zehn Euro erhält der Verein zwei Prozent vom Umsatz des Einkaufs. Bezahlt wird dieser von den teilnehmenden Geschäften. Welcher Verein unterstützt wird, entscheiden die Bürger selber. „Damit bleibt das Geld lange in der Region“, sagte Kopp.

Von den ersten Erfahrungen einer solchen „Partnerschaft“ berichteten Franz Kellner von Obermaier Moden Glonn und Sepp Axenböck vom WSV Glonn. „Wer bei uns einkauft, dem soll auch was zugute kommen“, konstatierte Kellner, und Axenböck ergänzte: „Wenn man nichts tut, dann passiert auch nichts.“ Vor einem Monat hat der WSV Glonn seine Bürgerkarte verteilt und inzwischen sind 100 Euro auf dem Guthabenkonto des Vereins.

In der lebhaften Diskussion zeigte sich, dass Regionalität viele Facetten hat: Wein aus Südtirol gilt noch als regional genau wie Pullover aus Vorarlberg. Eier, Kartoffeln und Gemüse sind leicht aus dem viel näheren Umfeld zu erhalten. Dies gilt auch für Handwerksleistungen und den Einkauf in den örtlichen Geschäften, denn wie sollen die Gemeinden der Zukunft aussehen, wenn alle nur noch online einkaufen?

Angelika Kronthaler, ehemalige Glonner Geschäftsfrau brachte es schließlich auf den Punkt: „Wir müssen erkennen, dass wir damit etwas für den Ort und damit für uns tun.“

Christine Gerneth

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