Von geschichtlicher Bedeutung: Das Wohnhaus Koloniestraße 24. Fotos: s. Rossmann

Denkmalschutz: Licht, Luft und Gartenanteil

Kirchseeon - In der Siedlerstraße hat Kirchseeon seine liebe Not, über einen Bebauungsplan die Charakteristika des Straßenzugs aus den 30er-Jahren zu erhalten. Bei sieben Häuser der ehemaligen Eisenbahnersiedlung an der Koloniestraße ist das anders: Der Denkmalschutz wurde aktiv.

Im Gemeinderat gab es keinen Widerspruch gegen entsprechende Pläne der Denkmalschutzbehörde. Laut Landesamt sind die Häuser ein wichtiges Zeugnis des Wohnbaus im frühen 20. Jahrhundert. Die Gebäude wurden in den Jahren 1905 und 1906 für Beschäftigte der Eisenbahn beziehungsweise des Bahnschwellenwerks errichtet. „Die machen schon was her“, sagte Bürgermeister Udo Ockel (CSU) im Gremium.

Die Mehrfamilienhäuser stehen von der Bedeutung in einer Reihe mit dem Wasserturm beziehungsweise dem früheren Betriebsgebäude des Bahnschwellenwerks und dokumentieren, dass Kirchseeon zuallererst eine Eisenbahnersiedlung war. Auch die ehemalige Badstube des örtlichen Perchten-Vereins, der Taubenkobel auf dem Bauernhof in Eglharting an der Bundesstraße oder auch das Sühnekreuz an der Straße nach Deinhofen sowie die Pestsäule am Fuß des Spannleitenbergs stehen in der Denkmalliste.

Bei Ortseinsichten der Gemeindeverwaltung, des Landratsamts und der Denkmalschutzbehörde war bereits im Sommer 2011 das Potential für die Erhaltungswürdigkeit der Eisenbahnersiedlung erörtert worden. 2012 folgten weitere Begehungen. Konkret geht es um die Gebäude mit den Hausnummern Koloniestraße 1, 5, 8, 10, 11, 14 und 24. Die Siedlung „weist eine geschichtliche Bedeutung auf und hat eine künstlerische Bedeutung“, attestierte laut Ockel das Landesamt. „Diese Siedlung ist in der Ausprägung selten und stellt damit ein wichtiges bauliches Zeugnis des frühen 20. Jahrhunderts dar“, ließ der Rathauschef seine Gemeinderäte wissen. Die Gebäude seien „bis heute ohne wesentliche Veränderungen erhalten“.

Durch Hinweise und Anfragen von interessierten Dritten sei das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege auf die besagten Wohnhäuser aufmerksam geworden, erinnert Konservator Burkhard Körner in seinem Schreiben an die Gemeinde.

Demnach stehen die Häuser „auf vergleichsweise großen Grundstücken beiderseits der Koloniestraße“. Entsprechend dem „aufgelockerten Charakter der Siedlung seien die Häuser trauf- oder giebelständig zur Straße ausgerichtet und innerhalb eines an traditionellen Formen orientierten Gesamtkonzepts hinsichtlich Größe, Erschließung, Innenstruktur und Detailgestaltung variiert“.

Die die Außenerscheinung prägende Wandputze, Holzverkleidungen und hölzernen Zierelemente sowie Balkone, Türen und Fenster sind laut Konservator Körner ebenso weitgehend original erhalten wie die Wohnungsgrundrisse und die wandfeste Ausstattung im Inneren mit Treppen, Zimmertüren oder Bodenbelägen. Und nicht zuletzt seien auch noch die „flach gedeckten Kellerräume und die gezimmerten Dachstühle“ hervorzuheben. Dies alles mache die künstlerische Bedeutung der Baudenkmäler aus. Von geschichtlicher Bedeutung sei, dass die Konzeption der Siedlung, die den Familien preiswerte Wohnungen viel Licht und Luft und einem Gartenanteil zur Verfügung stellte, „die wohnpolitische Reformbestrebungen dieser Zeit, die sich als Gegenentwurf zum beengten Wohnen in den städtischen Mietskasernen verstanden“ widerspiegele.

„Mit dem Rückgriff auf ländlich-traditionelle Formen, der Verwendung einheimischer Materialien und den handwerklich gestalteten Details sollten die Häuser Geborgenheit vermitteln“, so Körner. Die Siedlung sei in dieser Ausprägung schlicht selten und schon deshalb ein wichtiges bauliches Zeugnis, bilanzierte der Konservator.

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