Hauptsache individuell: Trachtenmesser aller Art fertigt Alexander Hoffmann nach den Wünschen seiner Kunden.
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Hauptsache individuell: Trachtenmesser aller Art fertigt Alexander Hoffmann nach den Wünschen seiner Kunden.

Alexander Hoffmann fertigt nebenberuflich Trachtenmesser

Scharfe Tradition: Zu Besuch beim Messerdeifi von Finsing

Eigentlich wollte sich Alexander Hoffmann nur ein passendes Messer zu seiner alten Lederhose anfertigen. Entstanden ist aus den ersten Versuchen vor fünf Jahren ein erfolgreiches nebenberufliches Standbein. Ein Besuch beim „Messerdeifi“ in seiner Werkstatt in Neufinsing.

Neufinsing – Zu einer traditionellen Lederhose gehört auch ein stilechtes Jagdmesser, auch Nicker genannt, befand Alexander Hoffmann vor fünf Jahren. Doch bei der Suche nach dem Traum-Messer kam bei dem gebürtigen Münchner schnell der Frust auf. „Die angebotenen Trachtenmesser waren mir entweder zu teuer, oder es war ein Glump“, sagt der 39-jährige. „Glump“ heißt für ihn, dass das Messer eine gestanzte Klinge hat, der Griff nur aus Resten vom Hirschgeweih besteht – wenn überhaupt – oder gar aus Plastik aus Fernost.

„Dann mach’ ich mir eben selber ein Messer“, entschloss sich Hoffmann damals kurzerhand. Handwerklich war der gelernte Design- und Prototypenbauer für das Projekt bestens gerüstet, hatte er doch die Bearbeitung von Holz, Metall und Kunststoff in seiner Ausbildung gelernt. Schwieriger war da schon die Recherche nach den geeigneten Materialien, denn Tipps von fortgeschrittenen Messerbauern waren nicht zu haben. „Da rückt keiner mit seinen Bezugsquellen raus“, weiß der Allrounder heute.

„Da Messerdeifi – Handmade in Bavaria“ als Tattoo auf dem Unterarm

So musste er auch kräftig Lehrgeld zahlen, wie er schmunzelnd erzählt. Vom falschen Stahl, der sich bei der Verarbeitung verbiegt, bis zum abgesplitterten Griff hatte der zweifache Vater einige Rückschläge hinzunehmen. „Es gab auch kein YouTube-Video, das die einzelnen Schritte erklärt, das musste ich mir alles selbst erarbeiten“, berichtet der Bastler.

Mittlerweile betreibt er unter dem Namen „Da Messerdeifi“ einen florierenden Einmannbetrieb neben seinem Hauptberuf als stellvertretender Werkstattleiter im Automatenbereich. „Da Messerdeifi – Handmade in Bavaria“ heißt das Logo seiner Firma, das auch als Tattoo den Unterarm des Messerteufels schmückt.

Stammten die ersten Abnehmer seiner individuell gefertigten Trachtenmesser noch aus dem Bekannten- und Freundeskreis, so findet heute schon die Hälfte seiner Kunden übers Internet zu ihm. „Ich hatte auch schon Bestellungen aus Bochum oder sogar aus Las Vegas“, berichtet er stolz.

In seiner Werkstatt schneidet der Bastler aus Geweihen Messergriffe mit der Bandsäge zu.

Hoffmanns Klientel rekrutiert sich überwiegend aus überzeugten Trachtenfans, dazu kommen Jäger, Fischer und Biker, aber auch „ganz normale Leute“ seien dabei, sagt der traditionsbewusste Finsinger. Ein Großteil seiner Messer-Aufträge wird als Geschenk gestaltet, wichtig dabei sei die Personalisierung mit Namen und Geburtsdatum. „Sogar ein großes Hochzeitsmesser mit Namen, Hochzeitsdatum und Eheringen wurde schon gewünscht“, erzählt Hoffmann.

Die Lieferzeit für die individuell gestalteten Messer liegt bei zwei bis drei Wochen. Wer es eiliger hat, kann aus den bereits fertiggestellten Modellen wählen. Zwischen acht Arbeitsstunden für die günstigsten Messer bis zu einer Woche Arbeit für ein Premiumstück investiert Alexander Hoffmann, die Preise liegen zwischen 100 und 600 Euro. „Dafür gibt es bei mir auch eine lebenslange Garantie“, erklärt der Messerprofi und freut sich über die positiven Rückmeldungen seiner Käufer.

Fürs Münchner Oktoberfest gibt‘s Löffel statt Messern

Damit seine Kunden bei der nächsten Trachtenhochzeit die richtige Ausrüstung zu ihrer Ledawix tragen können, bietet Hoffmann neben den Trachtenmessern mittlerweile auch Charivari, Schnupftabakdosen, Schlüsselanhänger und vieles mehr an. Vorsicht sei geboten bei der Verwendung von Teilen von geschützten Arten wie Horn vom Springbock, Greifvogel-Krallen oder Federn seltener Vögel, sagt Hoffmann. „Ich kaufe nur, wenn der erforderliche Herkunftsnachweis vorliegt“, versichert der 39-Jährige.

Obwohl er zu Beginn der Biergartenzeit oder vor Weihnachten häufig Nachtschichten einlegen muss, um die Bestellungen fertigzustellen, ist Alexander Hoffmann begeistert von seinem Handwerk. „Messer haben mich schon immer fasziniert, seit ich als kleiner Bub ein Taschenmesser bekam.“ Auch die handwerkliche Arbeit und der Umgang mit den Kunden machten ihm Spaß.

Für Gattin Susanne hat der Messerdeifi ebenfalls ein kleines Trachtenmesser gefertigt. „Sie ist meine Qualitätssicherung und hat oft gute Ideen“, sagt er. In seiner Freizeit zieht es den Bastler in die Go-Kart-Arena oder in den Biergarten. Sind auch Hoffmanns Messer auf vielen Trachtenfesten vertreten, so fehlen sie auf dem Münchner Oktoberfest. „Dort herrscht Messerverbot“, erklärt er und präsentiert als Ersatzlösung einen zünftigen Löffel mit kunstvoll verziertem Griff.

Alle Infos: www.damesserdeifi.de

Jedes Stück ein Unikat

Alexander Hoffmanns Trachtenmesser sind keine Massenware, jedes Stück wird nach Kundenwunsch personalisiert. Das bedeutet zahlreiche Entscheidungen, zum Beispiel die Frage nach der Klinge. Die Klingenrohlinge, die er geschmiedet und poliert aus Solingen bezieht, schleift Hoffmann selbst in die gewünschte Form bei einer Länge von sechs bis elf Zentimetern. Beliebt sind Motivklingen mit Jagdszenen oder Bayernwappen, aber auch gemusterter Damaszener-Stahl.

Die Griffe werden aus dem Geweih von Hirsch, Rehbock, Ziegenbock, Gämse oder Springbock gefertigt. „Ich nehme nur die schönsten Stücke vom Geweih“, so Hoffmann. Stimmen müssen Perlung und Farbe. Wird ein perlweißer Griff gewünscht, so ist ein Schienbeinknochen vom Pferd oder Kamel erforderlich. Die nächste Entscheidung betrifft die Abschlusskappe. Es stehen Variationen aus Zinnguss oder versilbert zur Wahl, vom Steinbock bis zum Wolperdinger. Passend zum Messer fertigt Hoffmann die Lederscheide von Hand. Aus Rindspaltleder wird das Teil zugeschnitten, nass in Form gepresst, verklebt, vernäht, gefärbt und mit Lederlack versehen.

Gerda und Peter Gebel

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