„Ich bin hier nur Gast“, sagt Pfarrer Peter Neuner über den Pfarrverband Vaterstetten, wo er vor allem die Vorabendmessen hält.
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„Ich bin hier nur Gast“, sagt Pfarrer Peter Neuner über den Pfarrverband Vaterstetten, wo er vor allem die Vorabendmessen hält.

Hausbesuch: Seelsorger in Baldham kommt nicht zur Ruhe

Peter Neuner (80): Der unermüdliche Professor

  • Susanne Edelmann
    vonSusanne Edelmann
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Peter Neuner hat seinen 80. Geburtstag gefeiert. Baldhamer kennen ihn vor allem als Seelsorger der Pfarrei „Maria Königin.“ Ein Hausbesuch bei einem unermüdlichen Professor.

Baldham - Geboren und aufgewachsen ist Neuner in München-Sendling, in der Pfarrei Sankt Margaret am Harras war er Ministrant und Oberministrant, es folgte das Studium der Philosophie und Theologie in München und Freising. „Mein Studium war geprägt vom Zweiten Vatikanischen Konzil“, erzählt er. „Mehrere unserer Professoren waren Konzilstheologen, die haben uns Studenten viel berichtet und große Erwartungen in uns geweckt. Die Zeit war geprägt von Umwälzungen, Hoffnung und Aufbruch.“ 1960 wurde Neuner zum Priester geweiht und war bis 1968 Kaplan in Traunstein. Später wurde er Assistent am Institut für Ökumenische Theologie der Uni München, es folgten Promotion und Habilitation. Ab 1980 war er Professor für Fundamentaltheologie an der Universität Passau, 1985 wurde er an die Ludwig-Maximilians-Universität berufen, wo er als Professor für Dogmatik bis zu seiner Pensionierung 2006 blieb.

„Von München geht man nicht mehr weg“, schmunzelt er. Dennoch führte sein Beruf ihn immer wieder ins Ausland, er hielt Vorträge in der ganzen Welt, unter anderem in den USA, in Südamerika, im Iran, in Südafrika und vielen europäischen Städten. Allein in China war er 15 mal. „Die deutsche Theologie ist weltweit anerkannt, an der LMU gibt es Studierende und Doktoranden aus aller Welt. So hat zum Beispiel der Dekan des nationalen chinesischen Priesterseminars bei mir promoviert“, erklärt Neuner. Dadurch sei der Kontakt entstanden, Neuner hielt viele Fortbildungsseminare für chinesische Pfarrer. „Nach Mao gab es zwar wieder Priesterseminare, aber ganz rudimentär, ohne Lehrbücher.“ Die Unterdrückung sei noch immer massiv gewesen und auch Neuner musste davon ausgehen, dass ihn immer jemand beobachte: „Ich habe mir da keine spitzen Sätze erlaubt, sondern eher von den deutschen Erfahrungen erzählt und ich habe versucht, die Neuansätze des II. Vatikanums zu vermitteln.“ Oft seien auch Leute aus dem Untergrund bei seinen Vorträgen gewesen.

Neuners Schwerpunktthema ist die Ökumene. So war er unter anderem Direktor des Ökumenischen Forschungsinstituts der katholisch-theologischen Fakultät und Sprecher des Zentrums für Ökumenische Forschung an der LMU. Andere Ämter: Dekan der katholisch-theologischen Fakultät, Vorsitzender der katholisch-theologischen Fakultäten in Deutschland und Leiter der Arbeitsgemeinschaft der Dogmatiker und Fundamentaltheologen des deutschen Sprachraums. Daneben hat er weit über 1000 Schriften veröffentlicht, zuletzt das Buch „Streiten für die Einheit. Erfahrungen mit der Ökumene in fünf Jahrzehnten“, das er als Autobiografie aus ökumenischer Sicht beschreibt. Das Buch hat er im vergangenen Jahr geschrieben. „Noch nie hatte ich so viel Freizeit wie 2020 wegen Corona. Eigentlich ist meine Arbeit im Ruhestand ununterbrochen weitergegangen, aber letztes Jahr fanden Konferenzen, wenn überhaupt, nur online statt.“

Kein Problem für den rüstigen Professor: So hat er 2020 auch eine Doktorarbeit in Moskau online betreut. Nach Baldham kam er übrigens 1992, nachdem sein Vater gestorben war und er seine Mutter zu sich holen wollte. Gemeinsam bezogen Mutter und Sohn hier ein Haus und Neuner nahm Kontakt zum damaligen Baldhamer Pfarrer Wolfgang Lanzinger auf und bot seine Dienste an, „so wie die Pfarrei es wünscht und braucht“, sagt er bescheiden und betont, dass er im Pfarrverband Vaterstetten keine amtliche Position habe: „Ich bin hier Gast.“

Ein äußerst gern gesehener Gast seit knapp 30 Jahren. Mit der Zeit hat es sich eingebürgert, dass Neuner vor allem die Vorabendmessen hält, viele Gottesdienstbesucher schätzen speziell seine Predigten. Für Hobbys blieb da meist nur wenig Zeit. Früher war Neuner viel im Gebirge, noch bis vor wenigen Jahren unternahm er Skitouren im Wilden Kaiser, heute kümmert er sich gerne um seinen Garten. Seinen runden Geburtstag verbrachte er bei seiner Schwester in Tübingen. Seine Baldhamer Pfarrgemeinde gratulierte ihm im Gottesdienst.

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