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Reichlich Corona-Impfstoff vorhanden - Nun fehlt es an Anmeldungen: „...werden ihn nicht los“

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Von: Josef Ametsbichler, Robert Langer

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Ein Arzt bereitet eine Dosis des Impfstoffs von Pfizer-BioNTech im Impfzentrum vor
Ein Arzt bereitet eine Dosis des Impfstoffs von Pfizer-BioNTech im Impfzentrum vor © Socrates Baltagiannis / dpa

Lange war der Impfstoff knappes Gut. Nun verkehrt sich die Lage ins Gegenteil: Dem Impfzentrum Ebersberg gehen die Impflinge aus. Dabei ist erst knapp die Hälfte der Bevölkerung erstgeimpft.

Landkreis - Drei Nächte hat Liam Klages, Chef des Ebersberger Impfzentrums, nicht mehr daheim, sondern im Impfzentrum geschlafen – ein Schreiben der Impfkommission jagt das nächste, gefolgt von verunsicherten Mails und Anrufen aus der Bevölkerung, beispielsweise zur Kreuzimpfung mit Astrazeneca als Erstdosis. Ein Sturm an Organisatorischem bricht über den Ebersberger Sparkassenplatz herein.

Corona-Impfungen in Bayern - „Es scheint, als wäre kein großer Bedarf mehr da“

Flaute herrscht seit dieser Woche bei den Impfwilligen. Hunderte Termine, die das Impfzentrum vergeben könnte, bleiben unbeansprucht. Alle Landkreis-Bürger, die sich auf www.impfzentren.bayern angemeldet haben, hätten mittlerweile eine Einladung bekommen. „Es scheint, als wäre kein großer Bedarf mehr da“, sagt der Chef des Impfzentrums. Stundenlang sei sein Team abends beschäftigt, Nachrücker aufzutreiben. Astrazeneca biete man gar nicht mehr an. „Jetzt haben wir den Impfstoff und werden ihn nicht los“, sagt der Chef des Impfzentrums. „Das ärgert mich.“ Schließlich pressiere es, spätestens im Herbst werde die Delta-Variante wohl dringliches Thema.

Liam Klages, Chef des Ebersberger Impfzentrums
„Jetzt haben wir den Impfstoff und werden ihn nicht los.“ Liam Klages, Chef des Ebersberger Impfzentrums © Stefan Roßmann

Klages glaubt aber nicht, dass Impfmüdigkeit die einzige Ursache ist. Viele zögen den Urlaub der Impfung vor – oder warteten beim Hausarzt auf einen Termin, obwohl sie beim Impfzentrum schon dran wären. Und dann gebe es noch jene aus der Prioritätsstufe vier, die noch gar nicht auf dem Schirm hätten, dass es nun Impfstoff-Überschuss gebe. Und das bei einer Erstimpfungs-Quote von gerade mal 52 Prozent. „Registrieren Sie sich!“, appelliert der Impfzentrumschef. „Lassen Sie sich impfen!“.

Corona in Bayern - Arzt: „Wir sollten uns im Freien zum Feiern treffen“

Derweil rät der Ärztlicher Koordinator der Hausärzte im Landkreis, Dr. Marc Block aus Zorneding, trotz sinkender Zahlen zur Vorsicht, auch mit Blick auf neue Varianten.

Die Coronazahlen gehen deutlich nach unten. Im Münchner Umland meldet der Landkreis Landsberg eine 7-Tage-Inzidenz 0. Da war der Landkreis Ebersberg vor einem Jahr kurzzeitig mal. Dazwischen gingen die Werte erneut nach oben, jetzt sinken sie wieder deutlich. „Wir sind auf einem guten Weg“, heißt es. Was ist aber der Unterschied? „Damals wurde weniger getestet“, erklärt Dr. Block. „Wir dürfen aber nicht nachlassen, uns der nach wie vor vorhandenen Ansteckungsgefahr bewusst zu sein“, erklärt er auf EZ-Nachfrage. Risikokonstellationen wie Feiern in engen, schlecht durchlüfteten Räumen sollten gemieden werden. „Wir sollten uns stattdessen im Freien zum Feiern treffen.“ Wichtig sei eine hohe Impfquote. Sinnvoll sei weiter das Tragen von Schutzmasken in engen Räumen wie zum Beispiel in U- und S-Bahn.

Ärzte-Sprecher: Bilder von der Fußball-EM sind eine Ohrfeige

Eins ärgert Block besonders: „Die Bilder der EM-Übertragung empfinde ich als verstörend. Sie sind eine Ohrfeige für alle, die sich seit fast eineinhalb Jahren vernünftig und risikobewusst verhalten, sich und andere zu schützen und dabei auf viel Schönes verzichten.“ Die Organisatoren der Fußball-Europameisterschaft müssten sich rechtfertigen, so Block, warum sie ihrer Verantwortung mit Durchsetzung eines konsequenten Hygienekonzeptes nicht gerecht würden. „Falls die UEFA es nicht schafft, in den kommenden Spiele den Infektionsschutz effektiv umzusetzen, wird sie die Verantwortung für die explosionsartige Ausbreitung der vierten Welle, tragen müssen.“

Dr. Marc Block, Ärztlicher Koordinator der Hausärzte im Landkreis
„Die Bilder der EM-Übertragung empfinde ich als verstörend.“ Dr. Marc Block, Ärztlicher Koordinator der Hausärzte im Landkreis © Stefan Roßmann

Richtiger Schritt: Umfassende Aufklärung zu Nutzen und Risiken der Corona-Impfung

Zum Jahresvergleich meint Block: „Vor einem Jahr wurde erheblich weniger getestet, so dass weniger symptomlose Träger des Virus identifiziert werden konnten.“ Die Maßnahmen hätten gewirkt. Die Kombination der Vorgaben wie die Vermeidung sozialer Kontakte, das Tragen von FFP2 Masken, Home-Office, der Distanz-Unterricht in den Schulen sowie Impfungen „haben zu einer erfreulichen Entwicklung mit einem erheblichen Rückgang der Infektionen geführt“.

Auch mit Blick auf das neue Schuljahr im Herbst erklärt Block: „Wir haben es in der Hand und entscheiden jetzt durch unser Verhalten, wie der Herbst und der Winter werden. Uns sollten die Entbehrungen der letzten Monate reichen, um mit allen Mitteln ein neues Aufflammen der Pandemie zu verhindern.“ Um Menschen, die einer Impfung skeptisch oder ablehnend gegenüber stehen zu überzeugen setzt Block auf umfassende Aufklärung zu Nutzen wie Risiken.

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