Ein Blick in die Zukunft des Ebersberger Forstes: Revierleiter Wolfgang Richter experimentieren mit Baumarten.
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Ein Blick in die Zukunft des Ebersberger Forstes: Revierleiter Wolfgang Richter experimentieren mit Baumarten.

Kosten für den Waldumbau: 500 000 Euro

Waldumbau im Ebersberger Forst: Mit der Libanon-Zeder gegen den Klimawandel

  • Max Wochinger
    vonMax Wochinger
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Im Ebersberger Forst steigen die Temperaturen. Mit exotischen und heimischen Baumarten wappnen sich Förster gegen extremeres Wetter. Es ist ein Mammutprojekt.

Landkreis – Der Wald ist wie ein Aktiendepot. Verschiedene Wertpapiere bieten mehr Gewinnchancen. „Und es schützt vor Krisen“, sagt Wolfgang Richter, 36. Er steht vor einer Reihe neu gepflanzter Lärchen im Eglhartinger Forst, Revier Ingelsberg. Richter ist hier Förster, und Herr über knapp 2000 Hektar Natur. Richters Börsen-Credo gelte auch für den Wald: Der sollte nicht nur aus einer Baumart bestehen, viele verschiedene Sorten sollen den Wald künftig stabilisieren und sichern. Der Ebersberger Forst hat einen Fichtenanteil von 60 Prozent. Ihn zu einem Mischwald umzubauen, das ist Richters Lebensaufgabe. „Wir geben keinen Quadratmeter Wald auf“, sagt er. Seine Kollegen und er sind fest entschlossen.

Das Klima verändert sich im Forst: Extreme Hitze, dürre Jahre, heftige Stürme

Das Klima verändert sich hierzulande, das hat Auswirkungen auf den Wald. Extreme Hitze, dürre Jahre, heftige Stürme. Unser Wald kann damit nicht umgehen: Bäume brechen oder werden geschwächt. In dieser instabilen Umgebung fühlen sich Schädlinge besonders wohl, der Borkenkäfer etwa.

Weil ein Reinbestand besonders angreifbar ist, wollen die Bayerischen Staatsforsten den Wald umbauen. Mit dem Prinzip Diversität. Die Nadelholzwälder sollen Stück für Stück in einen klimastabilen Mischwald umgewandelt werden. Es ist eine gewaltige Generationenaufgabe.

„Bis zum Ebersberger Riesling ist es nicht mehr weit“

„Bis zum Ebersberger Riesling ist es nicht mehr weit“, sagt der stellvertretende Wasserburger Forstbetriebsleiter Sebastian Klinghardt, 34. Er meint die steigenden Jahresmitteltemperaturen im Ebersberger Forst. Klinghardt steht neben seinem Kollegen Richter inmitten des Waldes, er sagt: „Die langjährige Durchschnittstemperatur im Forst liegt eigentlich bei siebeneinhalb Grad“. Von 2006 bis 2015 stieg die Temperatur auf neun Grad, 2014 und 2015 gab es Werte um die zehn.

Und in Zukunft? Im Jahr 2100 könnte die mittlere Tagestemperatur zwölf Grad sein, pessimistisch prognostiziert. Welche Bäume müssen Förster jetzt pflanzen, damit ihnen die hohen Temperaturen in 80 Jahren keine Probleme bereiten?

Die Antwort kommt etwa aus Anatolien, dem Balkan und Nordamerika. Baumhasel, Libanon-Zeder, Douglasie heißen die Baumsorten. Sie werden im Ebersberger Forst ausprobiert. Auch mit alten, heimischen Hölzern soll der Wald umgebaut werden: Feldahorn, Rotbuche und Esskastanie. Vor fünf Jahren haben die Staatsforsten begonnen, diese Sorten hier anzupflanzen. „Die Forschung wird 20, 30 Jahre dauern“, so Revierleiter Richter.

500 000 Euro für den Forstumbau jährlich

Der Freistaat zahlt Millionen für den Umbau des Waldes. Klinghardt schätzt die Kosten auf 500 000 Euro jährlich, nur für den Ebersberger Forst. „Wir geben schon Gas“, sagt sein Kollege. Er schaut sich im Wald um: Sieben verschiedene Baumarten sieht er auf die Schnelle. Blickt Richter in den Wald der Zukunft, sieht er deutlich mehr Sorten, unterschiedliche Baumhöhen und -durchmesser sowie eine geringe Anzahl an Bäumen. Langfristig streben die Staatsforsten einen Wald an, der nur noch zu rund 40 Prozent aus Fichten besteht. Buche soll auf über 20 Prozent aufgeforstet werden.

Bäume aus Anatolien, dem Balkan und Nordamerika – sie könnten dem Waldumbau angesichts des Klimawandels helfen. Revierleiter Wolfgang Richter (li.) und Vize-Forstbetriebsleiter Sebastian Klinghardt im Forst.

Doulgasie: „Ein Baum der Zukunft“

Waldumbau bedeutet Bäume fällen. Um Platz und Licht für klimastabile Arten zu schaffen. Die Douglasie etwa braucht viel Sonnenlicht. Sie ist zudem eine echte Alternative zur Fichte, dem Brotbaum der Forstwirtschaft. Douglasien eignen sich nämlich gut für Bauholz. Sie ist tolerant gegenüber Sommertrockenheit. „Ein Baum der Zukunft“, sagt Revierleiter Richter.

„Mit dem aktuellen Klima kommt die Douglasie sehr gut zurecht“, sagt er. Aktuell besteht der Ebersberger Forst zu zwei Prozent aus der nordamerikanischen Baumart. Das langfristige Ziel: doppelt so viel.

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