Stahlstützen sollen verhindern, dass die Decke runterkommt: Werner Niedermaier (51) in seinem "Wohnzimmer". Foto: sro

In dieser Brandruine lebt ein Mensch

Kirchseeon - Es stinkt bestialisch nach kaltem Rauch in der Wohnung. Den Qualm der Zigarette, die sich Werner Niedermaier gerade angesteckt hat, nimmt der Besucher gar nicht wahr. Erst vor knapp zwei Wochen stand der Dachstuhl seines kleinen, einstöckigen Hauses am Spannleitenberg in Kirchseeon in Flammen.

In diesem Haus am Kirchseeoner Spannleitenberg, das bei einem Brand schwer beschädigt wurde, lebt Werner Niedermaier (51). Foto: sro

Die Folgen des Brandes sind überall zu sehen und zu riechen. Und trotzdem ist Werner Niedermaier jetzt wieder in die Ruine eingezogen, hat schon eine Nacht dort geschlafen. „Ich weiß nicht, wo ich sonst hin soll“, meint der 51-Jährige.

Das Dach ist teilweise notdürftig mit Plastikplanen über den verkohlten Balken geflickt. Die Decke der Wohnung hat Niedermaier mit Stahlstützen abgefangen, wie sie auch auf Baustellen verwendet werden. „Nur zur Sicherheit“, meint der selbständige Layouter. Ein Teil der Deckenverkleidung ist herunter gerissen. „Das war die Feuerwehr beim Löschen.“

Niedermaier bewohnte das Haus zusammen mit seinem Bruder Michael. Der lebte im vorderen, zur Bundesstraße 304 hin gelegenen Teil, Werner Niedermaier im rückseitigen Bereich, direkt am Forst. Rund 40 Quadrameter groß ist seine Wohnung. „Das reicht aus für mich alleine.“ Mehrere Monate Arbeit hatte er in den Umbau gesteckt, neue Fenster gesetzt, einen neuen Boden verlegt, ein neues Bad eingebaut. Jetzt ist alles dreckig, das Wohnzimmer, die abgetrennte Schlafecke, die keine Küche. „Das kommt vom Löschwasser. Alles hat geschwommen. Erst jetzt bekomme ich die Räume einigermaßen trocken.“ Mehrmals schon habe er den Boden gewischt. Zu sehen sei das aber fast nicht. Zumindest den großen Ofen könne er heizen. „Ich habe die Feuerwehr gefragt, ob das geht. Jetzt wird es wenigsten warm.“ Die Lampe mit den beiden Strahlern hängt noch an der Zimmerdecke über dem Sofa, in dem sich der Brandgeruch festgesetzt hat. Die Stromleitungen in der Wohnung sind zerstört oder abgeschaltet. Niedermaier hat eine kleines Aggregat, das mit Benzin betrieben wird. Kaffee kann er auf einem kleinen Gaskocher heiß machen, richtig kochen kann er nicht. „Aber ich verhungere schon nicht.“

Wie es jetzt weiter geht? „Keine Ahnung. Ich habe jetzt erst mal ausgeschlafen.“ Die letzten Tage nach dem Feuer kam er kaum zur Ruhe, war bei Freunden untergekommen. Trotz aller Hilfe ist ihm seine eigene Wohnung lieber, auch wenn es „furchtbar stinkt. Aber bei meinem Bruder drüben sieht es noch schlimmer aus. Der kann direkt von der Wohnung in den Himmel schauen, da ist nach oben alles offen.“ Sein Bruder ist bei den Eltern in Eglharting eingezogen. Das will Werner Niedermaier jedoch nicht. „Für uns alle ist es zu eng, das geht nicht.“ Er will nun zunächst einmal aufräumen und seine Sachen in Sicherheit bringen. „Der Videorecorder ist kaputt, der Fernseher und der Computer gehen noch.“ Und was wird mit dem Haus? „Die Brandgutachter waren gleich mehrere Tage da und haben fünf Möglichkeiten gefunden, warum das Feuer ausgebrochen ist.“ Nun müsse zunächst alles mit der Versicherung geklärt werden. Werner Niedermaier denkt sogar darüber nach, das Haus wieder aufzubauen. „Die Mauern sind doch noch in Ordnung. Wir bräuchten nur eine neue Decke und ein neues Dach.“ Bis das aber entschieden sei, will er sich eine „neue Bude“ suchen. Freunden oder Bekannten will er dabei nicht zur Last fallen. Und wenn er nichts findet? Dann bleibt ihm seine Wohnungsruine, „auch wenn es furchtbar stinkt“.

Von Robert Langer

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