Stets am Puls der Musik: Christof Überall hat auf seinem Rechner rund 50 000 Musiktitel abgespeichert. foto: dziemballa

Dieser Discjockey ist Überall

Poing - Warum ein Poinger seit mehr als 30 Jahren Musik auflegt - und davon immer noch nicht genug hat:

Davon träumt jeder Hobby-Discjockey: Dass das Publikum tanzt und den Plattenaufleger frenetisch feiert. Damit das klappt, hat der Poinger Christof Überall einen guten Tipp - den gibt’s später. So viel sei aber schon verraten: DJ Überall weiß, wovon er spricht - er legt seit über 30 Jahren in seiner Freizeit auf, von der Geburtstagsfeier über die Hochzeit bis hin zu großen Partys wie der Deutschlandpremiere des Quentin Tarantino-Shockers "From Dusk Till Dawn".

Geboren in Freiburg, aufgewachsen in Vaterstetten, seit sechs Jahren in Poing lebend, ist Christof Überall seit seiner Kindheit ein Schallplatten-Junkie. "Egal, wo ich bin, einer meiner ersten Wege führt in den Plattenladen", erzählt er von seinen zahlreichen Reisen in aller Herren Länder. Von dort bringt er die unterschiedlichsten Musikstile mit, die er beispielsweise bei internationalen Hochzeiten benötigt. "Heuer lege ich bei einer Feier auf, bei der der Bräutigam aus Kolumbien stammt. Da braucht’s viel Salsa und Merengue." Oder mal gute alte Partymusik, wie damals beim 70. Geburtstag einer Dame in München, "die noch total fit ist und mit ihren Freunden so richtig feiern wollte". DJ Überall hat alles im Repertoire und er erfüllt, ganz klassisch, die Wünsche des Publikums.

"Venus" von Shockin’ Blue war die erste Single, die sich Christof Überall als 13-Jähriger gekauft hat. Vor 42 Jahren war das, als Musik noch ausschließlich auf schwarzen Langspielplatten gepresst wurde. Viele von ihnen, teilweise Raritäten, stehen heute im Keller seiner Wohnung in Poing, sorgfältig in Plastikhüllen eingepackt. Darüber stapeln sich mehr als 1000 CDs, zwischendrin pocht das Herzstück: eine Musikanlage mit Computer, auf dessen Festplatte sich rund 50.000 Lieder befinden. In tagelanger Arbeit hat Christof Überall seine CDs auf den Rechner kopiert. Die Wände sind beklebt mit alten Plattenhüllen und Eintrittskarten von Konzerten: von Bob Marley über Billy Idol bis zu Tom Petty.

Seit mehr als 30 Jahren teilt der 55-Jährige, der hauptberuflich als Familientherapeut arbeitet, sein Hobby mit anderen - als Discjockey. Er hat in den 80er- und 90er-Jahren in den legendären Münchner Clubs Sugar Shack und Zic-Zac aufgelegt, war einziger DJ auf dem Oktoberfest (in Bodo’s Cafézelt), brachte einen Sommer lang eine Disco auf Kreta zum Kochen und legte bei After-Show-Parties auf, beispielsweise nach einem Carlos Santana-Konzert. Weil sein Nachname "so lustig und gut klingt", hat er ihn gleich zum Künstlernamen gemacht: DJ Überall.

Richtiger Profi wollte er, trotz aller Musikleidenschaft, aber nie werden. "Das wäre mir zu anstrengend, fast jede Nacht durchzumachen." Damit er selbst durchhält, verzichtet Christof Überall auf Alkohol und treibt zum Ausgleich viel Sport. Selbst nach über 30 Jahren an den Plattentellern hat er "heute noch vor jedem Auftritt Lampenfieber", gesteht er. Schließlich will er stets das, was jeder Discjockey will: Dass die Leute Spaß haben und die Tanzfläche voll ist. Hierfür der Tipp an alle Hobby-DJs: "Nicht gleich zu Beginn alle Klassiker raushauen. Das Wichtigste ist, dass zunächst die Frauen anfangen zu tanzen. Wenn die Tanzfläche voll ist, heißt es: Dranbleiben, und aus dem Bauch heraus entscheiden, welcher Titel als nächstes passt!" So ist Stimmung garantiert - überall.

von Armin Rösl

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