Er hat Leichen im Keller: Randy Mikels stellt für Theater, Film, Fernsehen und Geisterbahnen schaurige Puppen her. foto: dz

Bilder vom Horror-Shop in Landsham

Dieser Mann hat Leichen im Keller

Landsham - Warnung: Das hier ist nichts für zartbesaitete Menschen. Hier gibt’s literweise Blut, grausige Masken und Gespenster, die zu HipHop-Musik tanzen - und im Keller liegen Leichen. Das alles im beschaulichen Landsham, östlich von München.

Randy Mikels ist aufgrund seiner Statur einer von jenen Menschen, denen man nachts alleine auf der Straße nicht begegnen möchte. Den kompakten Körper zieren Tätowierungen, durch das obere Ende des Nasenbeins, direkt unter den Augen, ist ein Metall-Piercing gestochen. Wie so oft, täuscht der erste Eindruck: Der 47-Jährige ist ein lustiger Typ Mann, spricht bairisch mit US-Akzent und freut sich darüber, dass viele Kinder in seinem Laden sind.

Kinder? "Die haben am wenigsten Berührungsängste." Der Beweis: In diesen Tagen besuchen viele Väter und Mütter mit ihren Kindern den Horror-Shop in Landsham, der vor Kurzem in das ehemalige "Waldi"-Gebäude eingezogen ist. Die Kinder stülpen sich Horror-Masken über den Kopf, probieren Plastik-Sensen des Sensenmanns aus und schieben sich ohne Berührungsängste Kaugummis in den Mund, die aussehen wie Augäpfel. Halloween steht vor der Tür, die Zeit des Gruselns und Verkleidens. Man mag über den aus Amerika über den Atlantik nach Deutschland gespülten Halloween-Klamauk denken, was man will - hier im Horror-Shop staunen sie alle, Groß und Klein glucksen vor Freude über die riesige Auswahl an Verkleidung und Utensilien für die Horror-Party - Narben-Tattoos, Vampir-Make-Up, literweise Kunstblut und zu HipHop-Musik tanzende Gespenster inklusive. 70 Prozent der Ware kommt aus den USA, der Rest aus Europa, vor allem aus Italien.

Geschäftsführer Randy Mikels kennt die historischen Hintergründe des Halloween-Brauchs genau, der in Irland seine Wurzeln hat. "Die Iren haben ihn nach Amerika gebracht, die Amerikaner nach Deutschland." Der heute 47-Jährige wuchs in der ehemaligen US-Kaserne in Bad Tölz auf, der Vater amerikanischer Soldat, die Mutter Deutsche. "Ich habe die amerikanischen und bayerischen Bräuche gleichzeitig kennengelernt." Im Kasernenviertel war das Betteln um Süßigkeiten an Halloween und das Verkleiden als Gespenst ein Muss, mittlerweile haben viele in Bayern diese Sitte adoptiert.

Bilder aus dem Horror-Shop

Der Horror-Shop in Landsham: Bilder

Angefangen hat Randy Mikels mit einem Piercingladen in München, den er "mit ein paar kleinen Horror-Sachen" dekoriert hatte. "Immer mehr Leute, die sich bei uns haben piercen lassen, wollten auch die Dekorstücke haben", erzählt er. Irgendwann habe er begonnen, diese zu verkaufen. Die Nachfrage wurde größer, der Horror-Shop war geboren. Den Laden gibt’s immer noch, seit 1986 an der Müllerstraße in der Landeshauptstadt. Dazu hat Randy Mikel im Laufe der Jahre ein Lager und einen weltweiten Internet-Versandhandel aufgebaut (www.horror-shop.com), beides war im Kunstpark Ost untergebracht. Weil der aber renoviert wird, musste der Horror-Fan raus - und fand im ehemaligen "Waldi" im Gewerbegebiet Landsham sein neues Zuhause samt rund 4000 Quadratmeter großem Lager.

Mitgebracht hat der 47-Jährige auch all die Leichen, Särge und Körperteile, mitsamt Werkstatt. Für Geisterbahnen, Theater, Film und Fernsehen bastelt er Puppen bzw. Teile, die beispielsweise in Gruselfilmen zum Einsatz kommen oder in Krimis, wenn eine übel zugerichtete Leiche gebraucht wird oder Leichenteile am Tatort herumliegen sollen.

Er selbst sei schon als Kind ein Fan von Horrorfilmen gewesen, erzählt er. Angst habe er nie gehabt, vielmehr habe ihn das Technische interessiert: "Ich wollte immer wissen, wie die Figuren gemacht worden sind, was hinter ihnen steckt." Jetzt weiß er es - und produziert sie selbst, zusammen mit seinen Mitarbeitern.

Bei aller Liebe zum Gruseln und Grauen: der Horror-Shop ist nicht nur ein Horror-Shop. Im 300 Quadratmeter großen Verkaufs- und Showraum in Landsham wird je nach Saison dekoriert. "Nach Halloween kommen die Weihnachts- und Nikolaussachen", kündigt der Geschäftsführer an. Danach geht’s auf den irischen St. Patrick’s Day zu, Fasching und so weiter. "Wir haben für jede Party was." Egal ob Junggesellen-Abschied, Hochzeit, venezianischer Maskenball - oder Kindergeburtstag.

Armin Rösl

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