So hat sie sich in die Herzen gesungen: Johanna Wolff von Schutter (Mitte) als dralle „Primatonne“ mit ihren Kolleginnen Bettina von Haken (re.) und Edeltraud Rey. Foto: jwg

Diva ohne Allüren verlässt die Bühne des Lebens

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Landkreis Ebersberg - Eine bodenständige Diva, eine ohne Allüren. Vollweib, Sängerin und Schauspielerin: Johanna Wolff von Schutter ist am Dienstag einer schweren Krankheit erlegen. Sie durfte nur 62 Jahre alt werden, die Primatonne, die Opernbayerin, die langjährige Mitarbeiterin der Ebersberger Zeitung.

Bekannt wie ein bunter Hund war Johanna Wolff von Schutter, nicht nur im Landkreis Ebersberg. Sie schrieb die lustigen bayerischen Texte für die „Opernbayern“, mit denen sie bis nach Ostfriesland auf Tournee war. Mit ihren Partnerinnen Bettina von Haken und Edeltraud Rey nahm sie als „Primatonne“ sich selbst und die holde Weiblichkeit aufs Korn - wobei die Männer der Gerechtigkeit halber auch jede Menge Seitenhiebe abbekamen. Es gab kaum eine Vorstellung, die nicht ausverkauft war. Die Bühne war ihr ein und alles.

In der Redaktion lachten wir uns scheckig, wenn die Primatonnen mal wieder neue Pressefotos geschickt hatten, solche mit viel Lack und Leder drauf zum Beispiel. So drall, so unglaublich offenherzig und vor allem mit so viel Selbstironie präsentierte sich „unsere“ Johanna da - und wir beneideten sie für ihren Mut.

Neben dem komödiantischen führte das Kind aus einer Haidhausener Musikalienhandlung ein fast normales Leben. Zum Beispiel als Autorin in dieser Zeitung. Johanna von Schutter schrieb meist über ihr liebstes, ihr Spezialgebiet, die klassische Musik. Aber sie konnte auch esoterische Tanzveranstaltungen mit einem wohlwollenden Lächeln über sich ergehen lassen, sie war halt ein herzensguter Mensch, immer neugierig und vorurteilsfrei offen für alles.

Eine leidenschaftliche Hausfrau und Köchin war sie auch, von deren Faschingskrapfen nicht nur ihr geliebter Ehemann Wolfram nicht genug bekommen konnte. Wenn etwas vom Braten übrigblieb, dann durfte sich eine ihrer Doggen über einen Leckerbissen freuen.

Als der Krebs kam, tat Johanna von Schutter, was sie immer tat: Sie kämpfte. „Das wird schon“, sagte sie und setzte alle ihre Hoffnungen auf die nächste Chemotherapie. Erst kürzlich hat Johanna von Schutter in der Redaktion vorbeigeschaut. „Du bist dünn geworden“, bemerkte ein Kollege. Sie winkte ab: „Was soll’s?“ Und als sie wieder ging, da lachte und strahlte sie. Leb wohl, Johanna! Von Sabine Heine

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