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Franz Schich von den „Freunden des Klostersees“ zeigt Teichmuscheln, die in das Ebersberger Stadtgewässer eingesetzt werden. Sie stammen aus dem Neusee im Landkreis Starnberg. Foto: Stefan Rossmann

Doppelte Rettungsaktion am Klostersee

Ebersberg - Das Wasser hat 5,6 Grad. Gleich wird Klaus Hanitzsch mit seinen Watstiefeln in den See steigen und dort eine wertvolle Fracht verteilen. Lebendige Filter.

Es sind Teichmuscheln, die helfen sollen, den Klostersee rein zu halten. Sie kommen aus Starnberg. Es handelt sich aber um eine doppelte Rettungsaktion.

Die Muscheln stammen aus dem Neusee bei Bernried im Landkreis Starnberg. Sie waren heimatlos geworden. Ihr angestammtes Gewässer ist durch Biberaktivitäten derart beschädigt worden, dass die Muscheln keine Überlebenschance mehr gehabt hätten, berichtet Anton Baumgarten von den „Freunden des Klostersees“. Etwa 1000 große Exemplare von Teichmuscheln wurden in aller Eile eingesammelt, für die die Muschelkoordinationsstelle der Technischen Universität sich auf die Suche nach einer neuen Heimat begab. Schließlich wurden Marco Denic und Katharina Stöckl vom Lehrstuhl für Aquatische Systembiologie auch in Ebersberg fündig. Jetzt wurden 100 Prachtexemplare dieser Muscheln in den Klostersee ausgebracht, wo sie künftig Schwebstoffe aus dem Wasser filtern werden. „Es waren die letzten“, ist Hanitzsch froh, dass er noch welche erwischt hat.

Die Muschen sind gerettet, der Klostersee hat auch einen Nutzen davon, denn die Tiere entziehen dem Wasser Nährstoffe, was auch gut ist für die Qualität des Sees als Badegewässer. Alle Ebersberger Badegäste haben etwas von der heimlichen Arbeit der Muscheln, die darin besteht, dass sie pro Stunde etwa 40 Liter Wasser filtern - und dabei auch die Blaualgen verspeisen, die im See nicht erwünscht sind. Beeindruckende Zahlen: Die 100 Muscheln reinigen am Tag rein rechnerisch die ungeheure Menge von 100 000 Litern Seewasser.

Klaus Hanitzsch misst die Temperatur im Transportbehälter, der bei Franz Schich in dessen Jeep im Kofferraum steht. „Nur zwei Grad Unterschied“, stellt er mit einem Prüfgerät fest. Die Muscheln werden mit einer kleinen Pumpe im Wasser belüftet und sollen vorsichtig an ihre neue Umgebung und den fremden Wasserchemismus gewöhnt werden. Schich hebt ein Riesenexemplar raus: „Die sind so, wie ich sie aus meiner Kindheit noch kenne“, sagt er und Pamela Tonack von der Wasserwacht erinnert sich auch: Nach denen haben wir früher immer getaucht.“

Als der See vor einigen Jahren abgelassen wurde, „haben wir am Ufer nur noch tote Muscheln gefunden. Woran die gestorben sind, weiß ich nicht“, sagt Tonack. Inzwischen wurde der Klostersee saniert, die Muscheln sollten sich in ihm wohlfühlen. „Der Teichmuschelbestand war nach der Entschlammung wohl gänzlich erloschen“, vermutet Baumgarten. „Ein Versuch der Ansiedlung dieser Muscheln war uns angeraten worden, da Nährstoffe genügend vorhanden sind.“

Muscheln dürfen nicht einfach umgesiedelt werden. Sie könnten Krankheitskeime und Parasiten in den Klostersee einschleppen. Deshalb waren die Tiere zuerst in einer Aufnahmestation der TU München in Quarantäne. Beteiligt waren an der Genehmigung der Aktion darüber hinaus die Regierung von Oberbayern, die Untere Naturschutzbehörde des Landratsamtes Ebersberg, der Anglerbund, die Stadt Ebersberg und die Fischereifachberatung: Von dort bestätigt Bernhard Gum: „Das ist alles ordnungsgemäß abgelaufen, die haben sich mit uns in Verbindung gesetzt.“

Hanitzsch, Schich und Tonack setzten die Tiere an mehreren Stellen des Klostersees aus in Gruppen aus - wie in kleinen Familien. „Die Zeit ist jetzt genau richtig“, berichtet der Fischer. Denn im Winter pflanzen sich die Teichmuscheln fort. Sie entlassen ihre Larven am Gewässergrund in den See, dort wo sich im Winter auch die Fische aufhalten. Die Larven setzen sich an den Kiemen und den Flossen der Fische fest und werden von ihnen im ganzen See verteilt, wo aus den kleinen Jungmuscheln hoffentlich bald stattliche Exemplare werden.

Michael Seeholzer

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