Die Schneiderrosl (Carola Reith) mit ihren drei Töchtern Zilli (Nicole Filipowitsch), Loni (Heidi Mittermeier) und Gitti (Andrea Roming, von links). Foto: Edelmann

Dorf gegen Dorf

Vaterstetten - urz vor der Aufführung war noch ein Scheinwerfer ausgefallen, doch bis sich der Vorhang zum ersten Mal hob, war alles wieder gut: Die Brett’lbühne Vaterstetten feierte die Premiere des Stücks „Die Weiberwallfahrt“.

In der turbulenten Komödie befinden sich die beiden Ortschaften Ettendorf und Knappenfeld in einem Dauerstreit. Die reichen Ettendorfer Bauern blicken auf die „Mannsweiber“ von Knappenfeld herab, vor allem auf die Schneiderin Rosalinde Steinbichler, die Schneiderrosl, die ohne Mann lebt, ihre drei Töchter auf eine teure Schule schickt und meint: „Manchmal wär so a männliche Autoritätsperson gar net so schlecht, aber nur manchmal. Was tät man die übrige Zeit damit?“

Doch heimlich lassen all die Ettendorfer Frauen ihre Dirndl bei der Schneiderrosl nähen. Und ebenso heimlich treffen sich die Söhne der Ettendorfer mit den blitzsauberen Töchtern der Knappenfelder, obwohl es ihnen strikt untersagt ist. Auch die drei Töchter der Schneiderrosl, Gitti, Zilli und Loni, haben sich in Ettendorfer Buben verliebt. Der alte Spiritus, der die Jugend beider Dörfer gern hat, will helfen und organisiert eine gemeinsame Wallfahrt, bei der sich die Jugendlichen aus beiden Orten „offiziell“ kennenlernen sollen.

Doch sein Plan geht gründlich schief: Loisl, der Freund von Zilli, verliebt sich nun in deren Schwester Gitti, deren Freund Michi wiederum in Zilli. Und Peter, bisher der Freund von Loni, verschaut sich in die Bäckerstochter Hannerl. Nun ist guter Rat teuer und schließlich muss die Schneiderrosl selbst Schicksal spielen und ihren Töchtern ein paar Geheimnisse über die Männerwelt verraten („Ein Mannsbild hat ein paar Vorteile, doch leider auch viele Nachteile, die ihr zu euren Gunsten nutzen müsst“), damit am Ende alle glücklich werden.

In dem amüsanten Stück treten ganze 17 Schauspieler auf, so viele wie schon lange nicht mehr. Regisseurin Anni Drescher hat deshalb sogar ihren Mann Erich, der sich sonst lieber um die Technik im Hintergrund kümmert, zu einer Rolle als Pfarrer „zwangsverpflichtet“. Auch Michiel Wijchman als Michi und Andrea Roming als Gitti sind zum ersten Mal dabei, außerdem feierte Gründungsmitglied Karin Reitsberger nach längerer Bühnenabstinenz ein gelungenes Comeback als Mater Albertine. Sie alle machten ihre Sache gut, doch herausragend war vor allem Carola Reith als resolute Schneiderrosl - eine Rolle, die ihr im wahrsten Sinne des Wortes auf den Leib geschneidert schien.

Die Brett’lbühne feiert mit diesem Stück ihr 30-jähriges Bühnenjubiläum. Weitere Aufführungen gibt es am 15., 16., 22., 23., 29. und 30. April, jeweils um 20 Uhr. Einlass und Bewirtung ab 18.30 Uhr. Karten zu zehn Euro gibt es bei der Papeterie Löntz im Baldhamer Rossinizentrum und bei Familie Drescher unter Telefon (0 81 06) 68 94.

Susanne Edelmann

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