Mahnender Appell: Rathauschef Robert Niedergesäß fordert Sachlichkeit ein. foto: jro

Ein Dorf kämpft gegen Windpark

Purfing - Zuhören, sich mit Anstand begegnen, diskutieren. Bürgermeister Robert Niedergesäß gibt die Richtung vor. Doch in Purfing offenbaren sich Widerstände: Ein ganzes Dorf stemmt sich vehement gegen die Errichtung eines Windparks.

Zwei richtige Entscheidungen habe der Gemeinderat getroffen, betont Vaterstettens Rathauschef Robert Niedergesäß: Eine Entscheidung über die Errichtung eines Windparks durch die Münchner Firma Green City Energy im Nord-Osten des Ebersberger Forstes zu vertagen - und eine Teilbürgerversammlung zu diesem Thema in Purfing abzuhalten. Denn das Dorf kämpft: Gegen sechs Windräder in unmittelbarer Nähe der beschaulichen Ortschaft.

Über 450 Zuhörer haben sich in der Brennereihalle eingefunden. Eine angespannte Stille herrscht zu Beginn im Saal. Denn Niedergesäß sieht sich in der Pflicht, in der ihm eigenen sachlichen Art eine respektvolle Diskussionskultur anzumahnen. Dabei vergisst er nicht, die Flut an Briefen zu erwähnen, die ihn und die Gemeinderäte in den vergangene Tagen erreicht haben: Einladungen - viele in stillosem Ton gehalten - die Vaterstettens Räte zur Teilnahme an der Bürgerversammlung auffordern. „Bei allem Verständnis, denn es geht um ihre Heimat, war dies zu viel“, betont Niedergesäß. CSU-Fraktionschef Michael Niebler, der sich im Namen beinahe aller Gemeinderäte äußert, erklärt das „Maß des Zumutbaren“ für überschritten: „Der Gemeinderat lässt sich nicht unter Druck setzen.“ Aber: „Es werden keine keine Entscheidung durchpeitscht. Wir werden diskutieren und mit Sachlichkeit mehr erreichen.“

Im Namen der Bürgerinitiative „Gegenwind - Ebersberger Forst“ geht Sprecherin Catrin Dietl auf die Vorwürfe ein: „Niemand will ihnen etwas Böses. Wir sind keine Krawallos.“ Vielmehr gehe es den Purfingern um die Bewahrung des Status quo: „Es gibt Bürger, die können viel verlieren. Wir werden um unser Dorf kämpfen.“ Viel Applaus geben die Purfinger der Vorsitzenden und jedem Redner, der sich der ablehnenden Argumentationslinie anschließt, mit auf den Weg: Allzu oft verhallt der Aufruf des Bürgermeisters zu angebrachter Zurückhaltung.

So werden auch die geladenen Experten von Green City Energy, die das Projekt vorstellen, mehrmals unterbrochen. Unter den Gemeinderäten hingegen regt sich kaum einer - die Volksvertreter halten sich an die selbst auferlegte Beherrschung. Einzig Grünen-Fraktionschef Robert Winkler hält es nicht auf der Bank. Wider der Stimmung im Saal erklärt sich der Grüne eindeutig: „Ich werde im Gemeinderat ein positives Votum abgeben. Es gibt kaum einen besseren Standort im Landkreis.“

Dagegen stemmen sich die Purfinger. Mit einer Präsentation versucht der Markus Gellert auf gesundheitsgefährdenden Aspekte der Windkraft hinzuweisen. Zahlreiche Anwohner werfen die Frage auf, warum die Windräder nicht weiter in den Wald verrückt werden könnten. Immer wieder kommen Existenzängste der Purfinger zur Sprache - derer sich Bürgermeister Niedergesäß gemeinsam mit Green City annehmen will. „Wir werden uns mit allen an einen Tisch setzen. Mit den Bewohner und der Bürgerinitiative“, verspricht Green City-Sprecher Jürgen Hofmann. Denn der Prozess sei längst nicht vorbei, betont Niedergesäß: „Es werden viele Veranstaltungen folgen. Wir hören zu.“ Bedenken vermag der Rathauschef freilich nicht zu zerstreuen. Verweist aber immer wieder auf die einjährige Testphase: „Erst danach können wir etwas Genaueres sagen.“

Von Martin Mühlfenzl

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