Die ehemalige Anwältin Sylvia Stolz vor dem Landgericht in München mit ihrem Anwalt. Foto: Kruse

Drei Jahre Haft für Stolz gefordert

Ebersberg - Plädoyers im Volksverhetzungs-Prozess gegen die ehemalige Anwältin Sylvia Stolz aus Ebersberg. Am 25. Februar fällt das Urteil.

Auf ihr letztes Wort im Prozess wegen Volksverhetzung hat sich die frühere Anwältin Sylvia Stolz (51) aus Ebersberg vorbereitet. Sie steht auf, nimmt ein Blatt zur Hand und trägt vor: „Mein Vortrag in der Schweiz war keine Holocaust-Leugnung. Es ging um die herrschende Gerichtspraxis in solchen Verfahren.“ Die Staatsanwaltschaft geht allerdings sehr wohl von Holocaust-Leugnung aus und hat Stolz wegen Volksverhetzung, Verleumdung und Titelmissbrauchs angeklagt. Seit Mittwoch muss sie sich vor dem Landgericht München II verantworten. Heute wird das Urteil fallen.

Bei den Vorwürfen geht es um eine rund 90-minütige Rede, die Stolz 2012 auf einer „Antizensurkoalition“ im Schweizerischen Chur gehalten hat und die auch ins Internet gestellt wurde. Laut Anklage soll sie den an den europäischen Juden begangenen Völkermord geleugnet und ihn als bloße Erfindung dargestellt haben. Außerdem habe sie per Internet einen Rechtsanwalt verleumdet, der den Vortrag angezeigt hatte. Die Anklage lautet außerdem auf Missbrauch von Berufsbezeichnungen, weil sie sich als Rechtsanwältin ausgegeben habe, obwohl ihr die Ausübung des Rechtsanwaltsberufs untersagt wurde.

Stolz selbst weist die Vorwürfe zurück. Sie habe die Anklage nicht erwartet, sagt sie. Ihr letztes Wort beendet sie mit dem Zitat „Hier kann uns nur noch Gott helfen.“ Um dann ans Gericht gewandt zu ergänzen: „Ich habe meine Entscheidung getroffen. Gott sei mit Ihnen, wenn Sie Ihre treffen.“

Das Gericht wird seine Entscheidung heute ab 11 Uhr verkünden. Der Staatsanwalt plädierte auf drei Jahre und drei Monate Haft für die einschlägig vorbestrafte Ebersbergerin, die eine vorhergehende Strafe bereits voll verbüßt hat. Der Verteidiger forderte Freispruch: „Mit keinem, mit keinem einzigen Wort wurde hier etwas geleugnet.“

Nina Gut

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