Die Tafel, die im April 2009 im Vaterstettener Humboldt-Gymnasium aus der Wand riss. fotos: Mell

Das Dübel-Drama von Vaterstetten

Vaterstetten - Wer ist schuld daran, dass dem Gymnasiasten Maximilian die Tafel auf den Kopf knallte? Der Monteur, sagt die Staatsanwaltschaft. Die Dübel, sagt der Experte. Und was ist mit dem Architekten? Und was mit der Schulleitung? Das Tafel-Drama von Vaterstetten kam nun vor Gericht.

April 2009, kurz nach 8 Uhr, Englischstunde am Humboldt-Gymnasium. Gleich passiert das Unglück.

Die Lehrerin holt zwei Neuntklässlerinnen an die Tafel. Hausaufgaben abfragen. Dann reißt die Schultafel aus der Wand, die Mädchen können ausweichen, nicht aber der 16-jährige Maximilian. Er sitzt in der ersten Reihe. Die Tafel knallt ihm auf den Hinterkopf. Dem Schüler wird schwarz vor Augen. Notarzteinsatz.

Maximilian muss drei Tage im Krankenhaus bleiben. Diagnose: Schädelhirntrauma. Aber wie konnte das passieren, dass sich die Tafel in dem neu sanierten Klassenzimmer von der Wand löste? Wer hat Schuld an dem Unglück in der Vaterstettener Schule?

Die Staatsanwaltschaft sagt: Der Tafelmonteur Albert Z., 65, aus München ist verantwortlich. Vor dem Ebersberger Amtsgericht musste sich der Mann wegen fahrlässiger Körperverletzung verantworten. Die Staatsanwaltschaft beschuldigt ihn, die falschen Dübel und Schrauben benutzt zu haben. Der Vorwurf: „unsachgemäße Montage“.

Albert Z. verwies darauf, dass die von ihm montierte Tafel 16 Monate gehalten habe. Er vermutete, dass die Tafel dann „mit Gewalt herausgerissen und wieder aufgestellt wurde“. Alles andere sei ein Ding der Unmöglichkeit. Zudem erklärte er, dass er extra Spezialdübel bei einem Fachhändler gekauft habe - „und nicht die billigen aus dem Baumarkt“.

Allerdings räumte der selbstständige Handwerker ein, dass es bei der Montage der Tafel zu Missverständnissen gekommen ist. Nach der Erstbegutachtung des Klassenzimmers hat er eigener Aussage zufolge mit dem Architekten besprochen, dass zuerst eine Holzkonstruktion hinter der Tafel errichtet werden muss. Eine derartige Zusage soll ihm dann gemacht worden sein.

Als er dann Wochen später wieder an die Schule kam, diesmal zur Endmontage, war von der Holzkonstruktion jedoch nichts zu sehen. Albert Z. montierte dennoch.

Das war sein Fehler. Ein Gutachter rechnete dem Gericht vor, dass die vier von Albert Z. eingesetzten Spezialdübel die erforderliche Traglast nicht erreichten. Außerdem seien die falschen Schrauben verwendet worden, sagte der Gutachter. „So wie es vorgefunden war, war es ungeeignet.“

In ihrem Plädoyer sagte die Staatsanwältin, dass die Tafel „unsachgemäß angebracht wurde. Ein gewissenhafter Handwerker hätte das vermieden.“ Die Rechtsanwältin erwiderte, ihr Mandant habe den „Angaben des studierten Architekten vertraut“.

Amtsrichter Otto Kick sprach Albert Z. schließlich der fahrlässigen Körperverletzung schuldig. „Die Schrauben waren zu kurz und die Dübel zu gering dimensioniert“, sagte er. Da Kick das Verschulden des Monteurs als gering einstufte, sprach er eine Verwarnung aus. Das heißt: Die Geldstrafe von 1500 Euro (30 Tagessätze zu je 50 Euro) wurden zur Bewährung ausgesetzt. Wenn er sich nichts mehr zu schulden kommen lässt, muss Albert Z. auch nicht zahlen.

Der Richter sprach allerdings auch von einem „Mitverschulden der Schule“. Man müsse die Tafeln regelmäßig kontrollieren - „und dann schon vorher aus der Wand nehmen.“

Von Stefan Sessler

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