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EZ-Redakteur Josef Ametsbichler

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Bürger sollen Brennerzulauf zeichnen: Durchsichtige Maltherapie - Kommentar

  • Josef Ametsbichler
    VonJosef Ametsbichler
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Bürger sollen ihre eigenen Trassenvorschläge für den Brenner-Nordzulauf im Landkreis Ebersberg einreichen. Das ist nicht mehr als therapeutisches Zeichnen, findet unser Autor. Ein Meinungsbeitrag.

Der EZ-Bericht zum Thema: Brenner-Nordzulauf im Landkreis Ebersberg: Bürger sollen zwei neue Gleise einzeichnen

Ebersberg - Wenn meine Eltern vor gut 30 Jahren mit mir als kleinem Pimpf ins Restaurant gegangen sind, waren sie jenen Wirten dankbar, die ein paar Buntstifte und eine Ausmalvorlage bereitliegen hatten: Diese Beschäftigungstherapie hielt mich Zwerg bei Laune und davon ab, dass ich quer durchs Lokal oder gar in der Küche umherteufelte – bei weniger gut vorbereiteten Gastwirten passierte das gerne mal.

Was bei Kleinkindern funktioniert, zieht auch bei Erwachsenen, denkt sich die Bahn. Der Konzern bietet dem Bürger therapeutisches Zeichnen an, um Sorgen zum Brennernordzulauf in leicht entsorgbare Datenhäppchen zu kanalisieren. Dafür, dass dabei nichts Ernstzunehmendes herauskommt, sorgt das Programm gleich selbst: Ohne konkrete Zahlen zu den Höhenzügen, die er überplant, trassiert der Einheimische nach Gefühl.

Ohne die Werkzeuge der Profis sollen die Menschen eine Zugtrasse planen

Die Profis haben detaillierte Höhenkarten, laborgeprüfte Bohrkerne und modernste Simulationstechnik im Einsatz. Der Bürger bekommt zum roten Buntstift eine Schablone an die Hand, damit ihm die Kurve nicht zu gach gerät.

Es ist anerkennenswert, dass sich die Bahn bei so einem komplexen Bauprojekt müht, Dialogbereitschaft zu verströmen. Aber der Grat zwischen Ernstnehmen und Veralbern ist manchmal erstaunlich schmal.

Zum Online-Planungstool der Bahn gelangen Sie über diesen Link.

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