Er kann strahlen: Der junge Abdulaj musste mehrfach operiert werden und wurde wieder gesund. Das Arztehepaar Dr. Birgitta und Dr. Artur Klaiber hat spontan die Patenschaft für seine künftige Ausbildung übernommen. Foto: kn

Ärzte reich beschenkt und bescheidener aus Afrika zurückgekommen

Ebersberg - Reich beschenkt sind sie aus einem der ärmsten Länder der Welt zurückgekommen, darin sind sich Dr. Wolfgang Haller, Chefarzt Artur Klaiber, Edith Niederstebruch und Doris Sixt mit den anderen Teammitgliedern einig. Sie waren zwei Wochen in Sierra Leone, um zu helfen.

Das Team aus Ebersberg hat in Afrika unter schweren Bedingungen operiert und ein medizinisch-biologisches Labor weiter aufgebaut. Und die Helfer würden am liebsten gleich morgen weiterhelfen.

„Sierra Leone leidet noch immer unter den Folgen des Bürgerkriegs von 1992 bis 2003“, sagt Wolfgang Haller. Der in Ebersberg niedergelassene Orthopäde war schon mehrmals in dem westafrikanischen Staat, um seine Hilfe vor Ort einzubringen. Auch Edith Niederstebruch, OP-Schwester an der Kreisklinik Ebersberg, und ihr Mann Nils sind immer wieder in Sierra Leone, um am dortigen Krankenhaus ein die medizinische Versorgung verbesserndes Labor aufzubauen.

Eine wertvolle Unterstützung war diesmal die Kliniklabor-Leiterin Doris Sixt. Auch das Arztehepaar Artur und Birgitta Klaiber war zum ersten Mal bei diesem Hilfseinsatz dabei. Sie alle haben zwei Wochen ihres Jahresurlaubs genutzt, um den ärmsten der Armen in Sierra Leone zu helfen.

Dessen Einwohner leiden teils massiv unter den Folgen nicht behandelter Brüche sowie unter Knochenentzündungen. Die Lebenserwartung in Sierra Leone liegt durchschnittlich knapp über 40 Jahren, dreißig Prozent der Kinder erreichen nicht das fünfte Lebensjahr. Aufgrund der Mangelernährung ist die Zahl der Infektionserkrankten sehr hoch.

„Um hier medizinisch gezielt behandeln zu können, ist der Aufbau der Mikrobiologie so wichtig“, sagen Sixt und Niederstebruch. Die OP-Schwester sorgte mit den beiden Ärzten im Operationsraum des kleinen Krankenhauses „St. John of God“ trotz ungewohnter Arbeitsbedingungen für die optimale Behandlung der Patienten.

„Es gibt hier keine Unfallchirurgie und keine Orthopädie, auf sechs Millionen Einwohner kommen nur rund 150 bis 200 Ärzte“, so die Mediziner aus dem Landkreis Ebersberg. Ohne die Möglichkeit bildgebender Verfahren vor und auch während der Operationen nahmen sie in den 14 Tagen gut 60 teils komplizierte Eingriffe vor.

Zurückgeworfen auf ihre Ausbildung und lange Berufserfahrung wussten sich Ärzte und OP-Schwester auch ohne hohe europäische Standards zu helfen, verbogen etwa OP-Material für Knochenbrüche mit purer Muskelkraft an den Türrahmen. Ihr Dank: Die strahlenden Augen und das große Vertrauen ihrer zumeist kleinen Patienten, Herzlichkeit und Mitmenschlichkeit trotz des so schweren Lebens.

Umso schmerzhafter war es für die Ärzte, in der überfüllten Ambulanz manch einen Kranken wieder nach Hause schicken zu müssen, weil die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Behandlung in der Klinik fehlen. Daher ist es den Deutschen ein großes Anliegen, das Personal vor Ort immer wieder zu schulen und in Bayern Spenden für Material, Medikamente oder Geräte zu sammeln.

„Wir sind oft, auch in emotionaler Hinsicht, an unsere Grenzen gekommen“, sagt Artur Klaiber, Chefarzt der Ebersberger Unfallchirurgie und Orthopädie. „Aber unsere Zeit dort war etwas ganz besonderes, das uns tief berührt und auch etwas bescheidener gemacht hat.“ ez

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