Feuerwehreinsatz wegen einer Katze: Keine Ausnahme für die Ebersberger Retter. Foto: Stefan Rossmann

Alarm, wenn der Igel hinkt

Ebersberg - „Ich verlange vom Ebersberger Bürger mehr Eigenständigkeit, wenn er ein Problem hat.“ Das sagt einer, der wirklich immer hilft, wenn Not am Mann ist: Feuerwehrkommandant Uli Proske. Was ihn ärgert: Er und fünf andere Feuerwehrmänner haben am Freitag den Arbeitsplatz verlassen müssen, um eine Katze aus einem Baum zu holen.

An diesem Tag war das bereits der zweite Katzeneinsatz. Denn schon in der Nacht war die Feuerwehr zu einer Tierrettung in der Nähe der Eichthalstraße gerufen worden.

„Es geht um die Wohlstandshaltung, die eigenen Probleme auf die anderen abzuwälzen“, sagt Proske. Vieles ließe sich seiner Erfahrung nach mit eigenen Mitteln erledigen. „Da klingle ich halt beim Nachbarn, und frage, ob der eine Leiter hat.“ Die Leute würden aber lieber die „112“ wählen, als dass sie selbst aktiv werden würden. „Mit einem Leckerli bekommst Du die Katze nicht vom Baum runter.“

Die Leitstelle selbst, so sagt der Ebersberger Kommandant, könne nicht beurteilen, ob für einen Einsatz zur Rettung einer Katze wirklich die Feuerwehr benötigt wird. „Außerdem dramatisieren die Leute und sagen, dass das Tier schon tagelang im Baum hockt, wenn es vielleicht drei Stunden oben ist.“ Sogar aus einer Höhe von nur 2,50 Metern habe er schon Katzen holen müssen. „Ich hab’ noch kein Katzenfell in einem Baum gesehen“, meint der Kommandant und drückt damit aus, dass in vielen Fällen die Tiere schon von alleine wieder runterkommen.

Die Ebersbergerin Karin Fritsch vom Tierschutzverein berichtet auch von einschlägigen Erfahrungen mit der Haltung der Bürger. Vor kurzem sei ein Greifvogel aufgefunden worden, der vorübergehend von einem Privatmann aufgenommen wurde. „Als das Tier in die Vogelklinik nach Oberschleißheim gebracht werden musste, hieß es plötzlich: ,Dafür habe ich keine Zeit’.“ „Die Leute kommen mit allem zu uns“, sagt Evelyn Bauer, die Vorsitzende des Tierschutzvereins. „Selbst wenn ein Igel hinkt, oder ein Rabe im Garten sitzt.“ Die Erwartungshaltung der Bürger sei überzogen.

Michael Seeholzer

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