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Brenner-Nordzulauf: Warum die neue Gleistrasse bei Aßling kommen wird

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Von: Josef Ametsbichler

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EZ-Redakteur Josef Ametsbichler (Kommentarfoto)
EZ-Redakteur Josef Ametsbichler © Stefan Roßmann

Gegen die Gleisplanungen der Bahn für den Brenner-Nordzulauf durch den Landkreis Ebersberg regt sich politischer Protest. In dieser Form aber wenig hilfreich, kommentiert unser Autor.

Gewiefte Kinder wissen: Wer sich vom Christkind einen Familienhund wünscht, bekommt in der Regel ein Stofftier. Wer aber schon im Herbst nach einem Pferd quengelt, bringt beim folgenden Tauziehen der Wünsche eine ganz andere Schwungmasse mit – und kommt so bei der Bescherung vielleicht doch noch zum eigentlich erhofften Labrador.

Diese Verhandlungsstrategie der realitätsfernen Eingangsforderung erklärt den Protestbrief der Kommunalpolitiker und Abgeordneten gegen die Trassenplanung der Bahn zum Brenner-Nordzulauf. Auf den Kosten-Wahnsinn einer Komplettuntertunnelung der zwei geplanten zusätzlichen Gleise im Landkreis-Süden wird sich der Konzern nicht einlassen. Genauso wenig auf den bestandsnahen viergleisigen Ausbau. Wer ernsthaft dafür argumentiert, möge eine Lösung für das Nadelöhr schlechthin, die Ortsdurchfahrt Aßling, präsentieren.

Unbequeme Wahrheit für die Anlieger: Die zwei Gleise werden gebaut werden

Ehrlicher als unrealistische Forderungen aufzustellen, um Geschäftigkeit zu verströmen, wäre seitens der örtlichen Politik das Aussprechen einer unangenehmen Wahrheit: Wer die zwei neuen Gleise auf der grünen Wiese westlich von Aßling stoppen will, muss den gesamten Ausbau des Brennernordzulaufs in der Region verhindern. Das aber will die Politik gar nicht, schließlich besteht ja der grundsätzliche Wunsch nach Schiene statt Straße – nur halt bitte nicht im eigenen Wahlkreis.

Der Brenner-Nordzulauf ist als Teil des europäischen Nord-Süd-Schienennetzkorridors in Stein gemeißelter Wille aus Brüssel. Das ist wörtlich zu verstehen, denn der Brennertunnel und viele andere Teilstücke sind weit fortgeschritten. Berlin und damit infolge auch die Bahn werden im Kreis Ebersberg mitziehen. Die zwei Gleise werden kommen. Wenn auch wohl, wie hierzulande üblich, viel später als geplant.

Den Anliegern der geplanten Teilstücke ist zu wünschen, dass der jetzige Protestbrief keine politische Luftnummer ist, sondern Teil einer Strategie, um der Bahn noch den einen oder anderen Tunnelkilometer mehr auf der Neubautrasse abzuringen. Das wäre der Labrador aus dem eingangs erwähnten Weihnachtsgleichnis. Das Ding ist nur: Bahn und Bund, am längeren Hebel, kennen diese Taktik auch.

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