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Feldarbeit bei extremer Trockenheit in Poing.

Boden sei bereits versiegelt

Bauern und Waldbesitzer im Landkreis Ebersberg leiden unter Trockenheit: „Der Boden hat schon Risse“

  • Robert Langer
    vonRobert Langer
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In der Corona-Krise vergessen: Bauern und Waldbesitzer leiden unter der extremen Trockenheit im Frühjahr. Vorsicht vor Waldbränden.

Landkreis – Es staubt, wenn derzeit auf den Feldern gearbeitet wird. Der Boden ist trocken, sehr trocken. Der Regen fehlt. „Wir hatten das schon zunehmend in den vergangenen Jahren, aber diesmal ist es eine weitere Steigerung“, sagt Landwirt Franz Lenz aus Zorneding, Kreisobmann des Bauernverbandes. Inzwischen könne keiner mehr bestreiten, dass es den Klimawandel gebe. 

„So früh, so trocken.“ Viele Pflanzenkulturen seien betroffen. Das Wintergetreide, das Sommergetreide oder der Raps, der jetzt gerade blühe und viel Wasser brauche. Die Kühe auf der Weide bräuchten Futter. Das Gras benötige auch Wasser, um zu wachsen. Die Folgen der Trockenheit könne man nicht nur am Staub sehen. Der Boden habe inzwischen Risse.

Bauer Franz Lenz: „Ich will nicht jammern“

„Ich will nicht jammern“, so Lenz. „Wir müssen aber mit den Gegebenheiten umgehen.“ Es gebe unter anderem Überlegungen, Hirse anzubauen. Die Pflanze komme in speziellen Züchtungen mit Trockenheit besser zurecht und könne eine Alternative zum Mais sein. „Das ist aber alles nur am Anfang, alles im Entstehen.“ Im nördlichen Landkreis könne man auf landwirtschaftlichen Flächen zusätzlich bewässern. Der Vorteil: Das Grundwasser ist kurz unter der Oberfläche und könne leichter genutzt werden. „Im Süden geht das so nicht.“

Einfluss könnte die Trockenheit auch auf die Blühstreifen haben, die für das Überleben der Bienen eingerichtet werden. Gesät werde erst nach den letzten Nachtfrösten, sagt Lenz. Aber wenn es nicht regne, dann wachse auch dort nichts.

Sorge um den Wald und um Schädlinge wie den Borkenkäfer

Sorgen macht sich Lenz, der auch Jäger ist, um den Wald und um Schädlinge wie den Borkenkäfer. Die Bäume würden sich gegen die Angriffe, die zum Absterben der Bäume führen können, üblicherweise mit zusätzlichem Harz wehren. Aber dazu bräuchten sie Wasser. Und das gebe es ohne Regen nicht.

Sorgen um den Wald macht sich auch Försterin Kirsten Joas (Niederseeon), zuständig für den westlichen Teil des Landkreises Ebersberg von Markt Schwaben bis Antholing mit 6000 Hektar Waldfläche und rund 2000 einzelnen Wald-Eigentümern. Der Boden sei so trocken und versiegelt, dass bei einem intensiven, aber nur kurzem Regen das Wasser nicht tief eindringe, sondern einfach abfließe. Die Trockenheit sei vor allem für junge Baumpflanzen ein Problem. 

Bewässert werde sogar mit Gießkannen

Manche Waldbesitzer würden mit alten Jauchefässern voll Wasser rausfahren oder 20 Liter-Kanister ins Auto packen. Bewässert werde sogar mit Gießkannen. „Ein Tropfen auf den heißen Stein, aber es kann helfen“, so Joas. Es gebe auch Ansätze, junge Baumpflanzen beim Einbringen in die Erde mit einem feuchten Vlies zu umhüllen. „Aber das hilft auch nur für kurze Zeit.“

Ein weiteres Problem ist die Waldbrandgefahr. Wie Georg Kasberger vom Landwirtschaftsamt Ebersberg erklärt, freue man sich zwar, dass viele Besucher derzeit die Wälder als Naherholungsgebiete nutzten und Naturerfahrungen sammeln könnten. Doch es gelte dabei Regeln zu beachten. Wichtig sei ein striktes Rauchverbot, das bis Ende Oktober gelte. Trockene Nadelstreu und am Boden liegende Zweige seien leicht entzündlich. „Und es gibt viel trockenes Gras aus dem vergangenen Jahr.“ 

Eine achtlos weggeworfene Zigarette könne ausreichen, um einen Brand auszulösen

Ein Funke oder eine achtlos weggeworfene Zigarette können ausreichen, um einen folgenschweren Brand auszulösen. In Waldnähe soll auf Grillen und offenes Feuer verzichtet werden. Ein nicht zu unterschätzendes Risiko sind laut Experten Fahrzeuge mit heißem Katalysator: Schon im Eigeninteresse sollte man keinesfalls auf leicht entzündbarem Untergrund parken.

Die Entwicklungen zum Coronavirus im Landkreis Ebersberg hier in unserem Live-Ticker!

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