Corona-Krise: Die Regeln für Beerdigungen und Gedenkfeiern
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Bei der Beisetzung sind bis zu 15 Trauergäste am Friedhof erlaubt. (Symbolbild)

Covid-19 im Landkreis

Trauer in Corona-Zeiten: So bereiten sich Bestatter aus dem Landkreis Ebersberg auf Beisetzungen vor

  • Max Wochinger
    vonMax Wochinger
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Bestatter erleben die Corona-Krise auf ihre Weise: enttäuschte Angehörige, Schwierigkeiten beim Kauf von Schutzkleidung, Probleme mit Totenbescheinigungen.

Landkreis – Bestatterin Angela Imhoff hatte selbst einen Corona-Toten beigesetzt. Der Verstorbene wurde vorher nicht wie üblich umgezogen, er musste seine Kleidung anbehalten. Angela Imhoff, vom gleichnamigen Bestattungsunternehmen mit mehreren Standorten im Landkreis hatte ein in Desinfektionsmittel getränktes Tuch auf das Gesicht des Mannes gelegt. Aus Mund und Nase könnten mit Coronaviren besetzte Gase entweichen. Sie selbst trägt bei ihrer Arbeit Schutzkleidung. „Der persönliche Schutz hat Vorrang“, sagt die Unternehmerin.

Seit Covid-19 in Bayern angekommen ist, schützen sich Imhoff und ihre Mitarbeiter mit Schutzkleidung- und masken. Das Problem: „Bisher standen Infektionen von Verstorbenen nicht immer auf den Totenscheinen“, sagt Imhoff. Sie konnte sich also nicht sicher sein, dass der Tote nicht infiziert war. Mittlerweile gibt es eine Meldepflicht auf Totenscheine, wenn der Verstorbene mit dem Virus infiziert war, sagt Imhoff.

Schutzmaterial: Vom Landratsamt werden Bestatter nicht versorgt

Die Bestatter schützen sich bei allen Leichen mit Schutzmasken. Es ist aber auch für die Branche schwierig, Material zu kaufen. Vom Landratsamt werden Bestatter nicht versorgt.

Auch der Umgang mit Angehörigen hat sich verändert. Das fängt bei der Beratung nach einem Tod an. Tische in ihren Räumlichkeiten sind mit Plexiglasscheiben abgetrennt, sagt die Bestattungsunternehmerin. Schließlich werde dort viel geweint, gehustet und geschnieft. Ein emotionales Gespräch so zu führen sei eine Herausforderung.

Beisetzung: Bis zu 15 Trauergäste erlaubt

Bei der Beisetzung sind bis zu 15 Trauergäste am Friedhof erlaubt, egal ob Verstorbene Covid-19 hatten oder nicht. Sie dürfen nicht in geschlossenen Räumen stattfinden, Särge müssen zu bleiben. Trauergäste mit Corona-Symptomen dürfen nicht dabei sein. Erdschaufel und Weihwasserpinsel dürfen nur Pfarrer benutzen, sagt Imhoff. Sie müssen desinfiziert werden. Alternativ bietet das Unternehmen Blütenblätter an, die Angehörige ins Grab werfen können.

Es komme vor, dass mehr als 15 Menschen zu Beisetzungen kommen. Die unerlaubten Trauergäste sagen, sie seien Friedhofsbesucher. Das will der Gesetzgeber nicht: Bestatter müssen Teilnehmerlisten erstellen, um später mögliche Infektionswege nachvollziehen zu können. Erlaubt ist zudem nur der engste Familienkreis, Freunde dürfen nach Informationen des Landratsamts nicht anwesend sein.

Keinen Gottesdienst, keine Trauerfeier und Angehörige müssen den Mindestabstand einhalten

„Es gibt keinen Gottesdienst, keine Trauerfeier und Angehörige müssen den Mindestabstand einhalten“, sagt Ottilie Mayer von der Bestattungshilfe Riedl. Das Unternehmen betreibt mehrere Standorte im Landkreis und Umland.

Angehörige verstehen, dass die strengen Maßnahmen nötig sind, sagt Mayer. Sie seien auch enttäuscht, weil die gewünschte Beisetzung und Trauerfeier nicht möglich sind.

Beisetzungen können auch mit Kamera aufgezeichnet werden, wenn Angehörige den Wunsch haben, sagen Mayer und Imhoff. Die Digitalisierung hilft auch Bestattern in Corona-Zeiten. Manche Behörden übermitteln Sterbeurkunden digital, sagt Angela Imhoff. Das spare viel Zeit und verringert menschlichen Kontakt.

Landratsamt: Es gibt genügend Kühlkapazitäten für Tote

Für den Fall, dass es wegen Covid-19 in den kommenden Wochen mehr Tote gäbe, haben beide Bestattungsunternehmen vorgesorgt: Sie haben mehr Särge, Totendecken, Urnen und Schutzmaterial gekauft. Zudem gebe es genügend Kühlkapazitäten für Tote, sagt eine Sprecherin des Landratsamts. „Wir haben derzeit nicht den geringsten Anlass, von einem Engpass auszugehen.“

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