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Ein Bus des Glonner Bus- und Reiseunternehmers Ettenhber mit einer Reisegruppe an den Metoraklöstern in Nord-Griechenland.

Covid-19 im Landkreis

Busunternehmer im Landkreis Ebersberg in der Corona-Klemme: Der Reiseverkehr ist tot

  • Max Wochinger
    vonMax Wochinger
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Unternehmer in der Corona-Klemme: Busreisen sind komplett zum Erliegen gekommen. Omnibus-Unternehmer: „Wirtschaftlich ist es eine Katastrophe“.

Landkreis – Ausgangsbeschränkung, geschlossene Grenzen, Katastrophenfall. An Urlaubsreisen mit dem Bus ist im Moment nicht zu denken. Der Reiseverkehr ist tot, sagen Omnibus- und Reiseunternehmer aus dem Landkreis. Wer keine Schul- oder MVV-Linien fährt, steckt nun mächtig in der Klemme. Auch, weil der Freistaat reine Reiseverkehrsunternehmen nicht unterstützt.

Seit 18. März sind Omnibusreisen in Bayern verboten. Wann das Verbot wieder aufgelockert wird, könne man nicht sagen, teilt ein Sprecher des bayrischen Verkehrsministeriums auf Anfrage der Ebersberger Zeitung mit.

Reisebusse stehen ohne Nummernschilder in der Halle

Die zwölf Reisebusse der Firma Ettenhuber aus Glonn sind abgemeldet, sie stehen ohne Nummernschilder in der Halle, sagt Firmenchef Josef Ettenhuber. „Meine Firma steht auf zwei Beinen“, sagt er am Telefon. Ettenhuber meint den öffentlichen Nahverkehr und Busreisen. Letztere sind nun weggebrochen.

Die Firma habe viel Geld in Werbung für ihre Busreisen gesteckt. Das Geld sei jetzt weg. Gibt es bis zum Herbst keinen Reiseverkehr, mache er eineinhalb Millionen Euro Verlust, sagt Ettenhuber.

Busse müssen finanziert, Gebäude gezahlt und Gehälter überwiesen werden. Der Druck auf Unternehmer ist groß. „Wir überstehen die Krise“, sagt Ettenhuber. Die Firma habe ältere Busse verkauft, die zwölf Reisebusfahrer arbeiten im Linienverkehr mit. „Busunternehmer mit nur einem Standbein“, sagt der Geschäftsführer, „das kann nicht funktionieren“.

„Der Reiseverkehr ist tot“, sagt Christian Reisberger

„Der Reiseverkehr ist tot“, sagt Christian Reisberger knapp. Er ist Chef vom gleichnamigen Busunternehmer aus Frauenneuharting. Der Unternehmer storniert derzeit Buchungen, telefoniert mit Hotels und zahlt Kunden Geld für gebuchte Reisen zurück. Alle Reisen bis Mitte Mai hat er abgesagt.

Das Unternehmen habe acht Angestellte, sie bauen jetzt Urlaub ab. Sollte sich an der Lage nichts ändern, müsse Reisberger sie in Kurzarbeit schicken. Die Firma habe zwar eine Zusage für staatliche Soforthilfen bekommen, sie seien aber nur ein „Tropfen auf den heißen Stein“.

Neben staatlicher Unterstützung wie Corona-Soforthilfe bekommen Unternehmen im Linien- und Schülerverkehr auch Hilfen aus anderen Bereichen. Es gibt Abschlagszahlungen nach dem Personenbeförderungsgesetz etwa. Für den reinen Reiseverkehr gibt es aber keine Hilfe.

Nur für die MVV fährt das Unternehmen noch

Zurück zur Firma Reisberger. Busanmietungen und Reiseverkehr sind komplett zum Erliegen gekommen, sagt Reisberger. Nur für die MVV fährt das Unternehmen noch. „Gott sei Dank.“

Omnibus Höher aus Kirchseeon hat nicht mal das Liniengeschäft. Das Unternehmen lebt von Reisen, die Busse fahren bis nach Norwegen und Süditalien. Omnibus Höher befährt eine Schulbuslinie in München, die ist aber bis mindestens 3. Mai ausgesetzt. Der Firma bleibt momentan: nichts.

„Wirtschaftlich ist es eine Katastrophe“

„Wirtschaftlich ist es eine Katastrophe“, sagt Juniorchef Andreas Höher. Vier Angestellte sind in Kurzarbeit. Höher zahlt das Kurzarbeitergeld, weil seine Mitarbeiter es vom Staat bisher nicht bekommen hätten. Alle geplanten Reisen bis 10. Mai hat Höher abgesagt, das Geld habe er seinen Kunden erstattet. Gutscheine will der Geschäftsführer ihnen für stornierte Reisen nicht geben. Zu den Ausgaben kommen Mieten, Finanzierung und Kosten für den Steuerberater etwa.

„Seit 35 Jahren sind wir im Reisegeschäft. So eine Situation gab es aber noch nie“, sagt Höher.

Mit Rücklagen, die für Investitionen in neue Busse gespart wurden, versucht er den Betrieb „am Laufen zu halten“.

Spannende News zur Corona-Krise im Landkreis Ebersberg gibt es hier

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