Nach zwei 19-Jährigen liegt nun eine 56-jährige Frau mit schwerer Meningitis in der Intensivstation einer Klinik.
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Nach zwei 19-Jährigen liegt nun eine 56-jährige Frau mit schwerer Meningitis in der Intensivstation einer Klinik.

Gesundheitsamt rät jetzt zur Impfung

Der dritte Meningitis-Fall im Landkreis Ebersberg

  • Armin Rösl
    VonArmin Rösl
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Im südlichen Landkreis ist eine weitere Frau lebensgefährlich an Gehirnhautentzündung erkrankt. Das bestätigte Gesundheitsamtsleiter Hermann Büchner unserer Zeitung.

Landkreis

Wie bei den beiden im März erkrankten, 19-jährigen Frauen aus Grafing, sei auch bei der 56-Jährigen eine schwere Sepsis (Blutvergiftung) ausgebrochen. Sie wird in der Intensivstation einer Münchner Klinik behandelt.

In allen drei Fällen habe die Meningokokkeninfektion einen dramatischen Verlauf. „In dieser Häufigkeit und in dieser Schwere habe ich das noch nie erlebt“, sagt Büchner, der seit gut 30 Jahren im Gesundheitsamt Ebersberg tätig ist.

Fall stellt Mediziner vor Rätsel

Der dritte Fall stelle ihn und weitere Mediziner vor Rätsel, so der Arzt. Zwar habe die 56-jährige Frau vor zwei Monaten Kontakt zu einer der 19-jährigen Betroffenen gehabt, die Krankheit aber sei erst jetzt, vor einer Woche, ausgebrochen. Das passe nicht zusammen, da die Inkubationszeit etwa eine Woche betrage.

Mittlerweile steht fest: Auch der vierte Meningitis-Fall im Landkreis Ebersberg wurde vom selben Erreger ausgelöst. Dies ist sehr beunruhigend.

Zum anderen habe die Frau prophylaktisch bereits seit längerer Zeit ein Antibiotikum gegen den Meningitiserreger genommen – trotzdem ist sie nun erkrankt. Das Rätselhafte: „Labortests haben ergeben, dass das Antibiotikum wirksam war.“ Warum die 56-Jährige dennoch an der seltenen Hirnhautentzündung erkrankt ist, wisse man nicht. Lediglich so viel: Es handelt sich um denselben Erreger der Serogruppe C wie in den beiden anderen Fällen.

Eine Möglichkeit, so Büchner, wäre, dass es weitere Personen gibt, die Meningokokkenbakterien in sich tragen, davon aber nichts wissen. Weil zum Beispiel die Krankheit aufgrund eines guten Immunsystems bislang nicht ausgebrochen ist. Ansteckend aber seien diese Personen dennoch. Meningokokken besiedeln den Nasen-Rachen-Raum und können beispielsweise beim Anhusten, Niesen oder Küssen übertragen werden (so genannte Tröpfcheninfektion). Bei Menschen, bei denen das Immunsystem geschwächt ist, können die Bakterien Hirnhautentzündungen und Blutvergiftungen auslösen.

Gesundheitsamt: Impfen lassen!

Aufgrund des aktuellen Falls appelliert Gesundheitsamtsleiter Herrmann Büchner an die Bevölkerung, sich gegen Meningokokken impfen zu lassen. Dies sei bei jedem Haus- und Kinderarzt möglich. Er habe bereits erste Gespräche mit übergeordneten Behörden geführt und setze sich dafür ein, dass die entsprechende Meningokokken-C-Impfung von Krankenkassen bezahlt werden könne. Eine Entscheidung gebe es hier aber noch nicht.

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Wie berichtet, musste einer der beiden 19-Jährigen, bei denen die Krankheit im März ausgebrochen war, aufgrund der äußerst seltenen Meningokokken-Sepsis mit Organversagen beide Füße amputiert werden.

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