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Natürlich konserviert: Auf dem Nasslagerplatz wird das Holz mit Grundwasser beregnet.

24 000 Quadratmeter groß

Rastplatz für tausende Bäume: Erstes Nasslager im Ebersberger Forst geht in Betrieb

  • Armin Rösl
    vonArmin Rösl
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Die Staatsforsten nehmen bei Schwaberwegen das erste Nasslager im Ebersberger Forst in Betrieb. Die Errichtung hat eine halbe Million Euro gekostet.

Landkreis – Weit vor der Corona-Pandemie haben die Bayerischen Staatsforsten mit der Planung und Umsetzung eines Nasslagers im Ebersberger Forst bei Schwaberwegen begonnen. Jetzt ist es in Betrieb – und das ist in Zusammenhang mit Corona ein guter Zufall. Weil aufgrund der aktuellen Krisensituation auch Sägewerke weniger Aufträge und Arbeit haben, würden derzeit weniger Baumstämme verkauft und verarbeitet, berichtet Heinz Utschig. 

Der Leiter des staatlichen Forstbetriebs Wasserburg am Inn, der auch für den Ebersberger Forst zuständig ist, steht auf einer großen Lichtung nahe Schwaberwegen und blickt auf hunderte Baumstämme. Die liegen gestapelt in einer Reihe und werden mit Wasser besprüht.

Das erste Nasslager im Forst ist in diesen Tagen in Betrieb gegangen, Utschig deutet auf den riesigen Stapel und erläutert: „Ein Nasslager ist ein Lagerort für Nutzholz, bei dem die Baumstämme künstlich mit Wasser beregnet und somit konserviert werden.“ Ganz natürlich, ohne Insektizide. Nasslager, so Utschig, werden bei hohem Schadholzanfall (zum Beispiel durch Sturm oder Borkenkäferbefall) und bei ungünstiger Holzmarktlage benötigt. Beides ist momentan eingetreten: Der Sturm „Sabine“ im Februar hat im Ebersberger Forst zahlreiche Bäume umgeknickt, und die Marktlage ist wegen Corona alles andere als gut. 

„24 000 Quadratmeter große Fläche sichert den Ebersberger Forst bei jeder Katastrophe“

„Diese 24 000 Quadratmeter große Fläche sichert den Ebersberger Forst bei jeder Katastrophe“, sagt Heinz Utschig. Ein Lagerplatz, der wichtig sei für den Wald. „Dies ist die unschädlichste Form der Holzkonservierung“, sagt der Forstbetriebsleiter. Durch die Nasslagerung werde die Qualität des Rundholzes, ausschließlich Fichte, nicht gemindert.

Etwa eine halbe Million Euro habe die Errichtung des Nasslagers gekostet, berichtet Utschig. Die Lichtung hierfür wurde im vergangenen Jahr geschlagen, die Fläche ist mit seinen 2,4 Hektar etwas so groß wie dreieinhalb Fußballfelder. Laut Forstbetriebsleiter kann sie noch auf bis zu 3,6 Hektar erweitert werden. Die aktuelle Lagerkapazität umfasse circa 40 000 Festmeter (Ster), was in etwa 140 000 Stämmen entspricht. Die mögliche Lagerzeit des Nadelholzes beträgt Utschig zufolge zwischen zwei und vier Jahren. Ziel in Schwaberwegen aber sei es, die Holzstämme zwischen sechs bis acht Monate zu lagern. Im Winter soll der Platz freigeräumt werden, um im Frühjahr wieder Kapazitäten zu haben.

Transport der Holzstämme mit Trailern

Der Transport der Holzstämme erfolgt zum größten Teil mit Trailern, die von Traktoren gezogen werden, der Rest wird mit Lastwagen angeliefert. Für die An- und Abfahrt hat das Forstamt eigens einen Rundverkehr eingerichtet: Ein- und Ausfahrt ist über den kleinen Wanderparkplatz am Ortsende von Schwaberwegen (in Richtung Ebersberg). 

Durchschnittlich, so Utschig, gebe es momentan 28 Fahrten pro Tag. Diese erfolgen in der Zeit von 5.30 bis 16 Uhr. Bei längerem trockenen Wetter könne es vorkommen, dass es auf den Wegen staubt, sagt der Forstbetriebsleiter und bittet Spaziergänger und Radfahrer um Verständnis. Die Mitarbeiter würden versuchen, die Hauptwege mindestens einmal am Tag zu befeuchten, um den Staub zu mindern.

Wasser für das Nasslager stammt aus dem Waldboden

Das Grundwasser für das Nasslager stammt direkt aus dem Waldboden. Für die Beregnung (täglich 86 Liter pro Festmeter) haben die Staatsforsten am Lagerplatz einen Brunnen errichtet, beides befindet sich ausreichend entfernt von Naturschutz- und Wasserschutzgebieten, erklärt Heinz Utschig.

Mit Blick auf die große freie Fläche erinnert sich der Forstamtsleiter an vergangenes Jahr, als die Rodungsarbeiten begonnen haben. „Da gab’s einige Gerüchte: ob wir einen Flugplatz errichten, oder eine Raststätte“, erzählt er und schmunzelt. Ein Rastplatz ist es geworden, ja, aber nicht für Menschen, sondern für Bäume.

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