Privat
+
Wenn es am Monatsende zu eng wird: Wegen niedriger Einkommen sind viele Menschen auf Zusatzeinkünfte – wie hier aufs Pfand-Sammeln – angewiesen.

Trotz Hochkonjunktur: Immer mehr Bürger von Erwerbsarmut bedroht

Gewerkschaft appelliert an Arbeitgeber im Landkreis

Arm trotz Arbeit: Viele der 18.200 Menschen, die im Kreis nur einen Teilzeit- oder Minijob haben, ist laut Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten von Erwerbsarmut bedroht.

Landkreis – Immer weniger Firmen in der Region zahlen nach Tarif. „Insbesondere Frauen, die halbtags oder nur einzelne Tage in der Woche arbeiten, fehlt am Monatsende das nötige Geld. Für viele Familien im Kreis ist ein Kinobesuch oder ein neuer Schulranzen längst zum Luxus geworden“, sagt Mustafa Öz von der NGG München mit Blick auf aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamts. Danach ist jeder elfte Haushalt (9,1 Prozent) im Regierungsbezirk Oberbayern armutsgefährdet.

Schieflage in der Gesellschaft

Als armutsgefährdet gilt, wer weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Einkommens zur Verfügung hat. Gewerkschafter Öz warnt vor einer „Schieflage in der Gesellschaft und am Arbeitsmarkt“.

Es könne nicht sein, dass sich Tausende nötige Dinge des Alltags nicht mehr leisten könnten, so Öz. „Dafür haben aber auch die Arbeitgeber eine Mitverantwortung. Wer sich um Tarifverträge drückt und auf prekäre Jobs statt Vollzeitstellen setzt, der sorgt für magere Lohnzettel“, kritisiert der NGG-Geschäftsführer.

Durchschnittlich 1000 Euro brutto im Monat

So kommt eine Teilzeitkraft, die 25 Wochenstunden in einer Bäckerei oder Metzgerei arbeite, die nicht nach Tarif zahle, auf einen Verdienst von durchschnittlich rund 1000 Euro brutto im Monat. Die Armutsgrenze für eine Familie mit zwei Kindern liegt nach amtlicher Definition hingegen bei aktuell 2174 Euro pro Monat – netto.

Auch Doppelverdiener in Schwierigkeiten

„Längst nicht nur Alleinerziehende, sondern zunehmend auch Doppelverdiener haben Schwierigkeiten, über diese Grenze zu kommen. Die Leidtragenden sind oft die Kinder“, so Öz. Nach einer Studie des Paritätischen Wohlfahrtsverbands stehen den ärmsten zehn Prozent der Paarhaushalte lediglich 44 Euro monatlich pro Kind für Freizeit, Sport und Kultur zur Verfügung. Bei einer durchschnittlichen Familie sind es 123 Euro, bei den reichsten zehn Prozent 257 Euro.

Die NGG München ruft Betriebe in der Region dazu auf, sich zu tariflichen Standards und vollwertigen Arbeitsplätzen zu bekennen. Nur so könne Armut „an der Wurzel gepackt“ werden.

Aber auch die Politik sei viel stärker gefordert. „Das neue Bildungs- und Teilhabegesetz ist ein Schritt in die richtige Richtung, reicht aber nicht“, betont Öz. Nach dem Gesetz gibt es für Kinder in Hartz-IV-Familien und Geringverdiener-Haushalten seit August einen Zuschuss von 150 Euro pro Schuljahr – etwa für Bücher oder Lernsoftware.

Lesen Sie dazu auch: Geschenke nur für die Älteren

Bisher waren es 100 Euro. Wer Wohngeld oder Kinderzuschlag bezieht, ist von Kita-Gebühren befreit.  ez

Ebenfalls interessant: VdK-Ehrenamtliche machen sich fit für die Rente

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare