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Die Wurst ist ins Gerede gekommen, jedenfalls diejenige, die Schützen um den Hals gehängt wird. Eine alte Tradition, die der Sportschützenbund abschaffen will. In den Vereinen regt sich Widerstand.

Tradition in Gefahr

Schützenvereine: Hier geht’s um die Wurst

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Es geht um nicht weniger als um die Wurst. Um die kämpfen die Schützenvereine im Landkreis Ebersberg. Sie wollen sie sich nicht wegnehmen lassen.

Landkreis – Jedes Jahr wird in den Schützenvereinen der beste Schütze ermittelt. Der Sieger bekommt eine Silberkette, der Zweitplatzierte eine Wurstkette, der Dritte einen Breznkranz. Dem Bayerischen Sportschützenbund (BSSB) schmeckt das gar nicht. Er rät den Vereinen, den Brauch abzuschaffen. Bei den Schützenvereinen im Landkreis aber regt sich Widerstand.

Typisch bayerische Kultur

Königsschießen. Einmal im Jahr wird in den Vereinen nach dem treffsichersten Schützen gesucht. Es ist der wichtigste Termin im Vereinsjahr der Schützen. Der „König“ darf für ein Jahr eine silberne Münzkette tragen. Er muss den Verein nach außen vertreten, auf Schützenbällen etwa. Damit Zweit- und Drittplatzierte nicht leer ausgehen, bekommen sie Würste respektive Brezn um den Hals gehängt. Das macht sie zu Knacker- beziehungsweise Breznkönigen. Typisch „kracherte“, bayerische Kultur.

Landesschützenmeister Wolfgang Kink vom Bayerischen Sportschützenbund würde den Brauch am liebsten abschaffen. In einem Beitrag im BR tat er seinen Unmut kund: „Wurstkönige haben mit Bräuchen im Herkömmlichen überhaupt nichts zu tun“. Außerdem verschmiere das Fett der Würste nur die Schützenanzüge. Deshalb solle davon Abstand genommen werden.

Die Wurst war schon vor 20 Jahren Thema

Gegenüber der Ebersberger Zeitung erklärt Kink, dass die Wurst schon vor 20 Jahren im Landesausschuss des BSSB Thema war. „Die Knacker- und Breznkönige sind ein Relikt aus der Nachkriegszeit“, sagt er. Damals haben Schützen geholfen, Vereinsmitglieder „durchzufüttern“. Das sei nicht mehr zeitgemäß. In München und Franken etwa würden sich die Schützen schließlich auch keine Lebensmittel um den Hals hängen.

Hierzulande wollen die Schützen auf ihre Extrawurscht nicht verzichten. Maximilian Ziegler, Vorstand des Schützenvereins Hubertus in Alxing, sagt, dass es beim Königsschießen schon immer Würste und Brezn für die Letzteren auf dem Treppchen gab. So lange er denken kann. Sorte Regensburger.

Nach der Siegerehrung der Sportschützen teilen die Zweit- und Drittplatzierten die Lebensmittel um ihren Hals mit allen Anwesenden, sagt Ziegler. Der Schützenkönig spendiere gewöhnlich Bier dazu.

Warum der BSSB die Tradition abschaffen will, versteht er nicht. Höchstens Vegetarismus könne ein Grund sein. Vegetarier aber gebe es in den Reihen der Schützen wenige.

Grafinger wollen nichts ändern

Ähnlicher Meinung ist Josef Fertich vom Grafinger Schützenverein. Seit 70 Jahren gebe es beim Königsschießen schon Wurstketten für den Zweiten. „Was Wolfgang Kink sagt, ist mir ehrlich gesagt Wurst“, so Fertich. An der Tradition werde sich bei den Grafinger gar nichts ändern.

Auch interessant: Es geht um die Wurst

„Es gibt wichtigere Themen als Wurstkränze.“ So sieht Ulrich Seibold die Sache. Er ist Gauschützenmeister, und zuständig für die 33 Schützenvereine im Landkreis. Der alten Diskussion ist er leid. Was die Schützen mit den Würsten und Brezn machen, ist Sache der Vereine, sagt Seibold. Sie hätten aber auch andere Möglichkeiten. Die Würste gleich zum Wurstsalat verarbeiten etwa.

Lesen Sie auch den Kommentar: Was für arme Würstchen sind da am Werk?

Landesschützenmeister Wolfgang Kink jedenfalls ist der Meinung, Würste und Brezn „gehören nicht zum Schützenwesen“. Verbieten könne er und der BSSB den Wurstschmuck aber nicht. Die Entscheidungshoheit über Knacker und Co. liege bei den Vereinen. So hat die Wurst vermutlich doch kein Ende.

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