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Jeliza Terpoorten (li.), Einrichtungsleiterin, und Monika Frey, Qualitätsmanagerin, am Eingang zur Isolierstation im Anzinger Seniorenzentrum.

Covid-19 im Landkreis

Seniorenheime im Landkreis Ebersberg wappnen sich mit Quarantäne-Stationen

  • Max Wochinger
    vonMax Wochinger
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Was passiert in Seniorenzentren, wenn es dort einen Corona-Infizierten gibt? Er kommt auf eine Quarantäne-Station. Viele Heime haben nun solche Bereiche.

Landkreis – Anfang des Monats hatte sich ein Bewohner des Seniorenzentrums in Poing mit dem Coronavirus angesteckt. Alle Kontaktpersonen im Heim wurden negativ getestet. Damit sich auch künftig ältere Menschen nicht bei infizierten Mitbewohnern anstecken, sollen Covid-Patienten sofort auf Quarantäne-Stationen verlegt werden. Mittlerweile sind ein Großteil der Senioreneinrichtungen im Landkreis mit solchen Stationen ausgestattet.

„Es ist eine Situation, die wir noch nie hatten“, sagt Pflegestern-Chef Peter Haile. Er erzählt von Kollegen in anderen Seniorenheimen, in denen Bewohner sterben „wie Fliegen“. Positiv getestete Senioren könnten in wenigen Stunden zu Intensivfällen werden. Der Schutz der Bewohner und Angestellten hat oberste Priorität. In zwei der fünf vollstationären Senioreneinrichtungen des Pflegesterns gibt es deshalb nun Quarantäne-Stationen, in Poing und Anzing.

Landratsamt hat die Kapazitäten aller 14 Einrichtungen im Blick

Das Landratsamt hat zudem die Kapazitäten aller 14 Alten- und Senioreneinrichtungen im Blick. Die Heime würden tagesaktuell berichten, teilt eine Sprecherin des Landratsamts mit. Die Einrichtungen hätten inzwischen ausreichend Schutzmaterial, die Landkreisbehörde empfiehlt in den Heimen Mund-Nasenschutz zu tragen. Demnächst soll es Schulungen zu Hygienemaßnahmen geben.

Mehrmaliges Fiebermessen und Geisteszustand überprüfen

Wenn ein Heimbewohner positiv auf das Coronavirus getestet wird, soll das passieren: Der Infizierte kommt auf die Quarantäne-Station. Der Personenkreis des Personals wird stark eingeschränkt. Sie tragen Schutzkittel und FFP2-Masken. Der Covid-Patient wird engmaschig überwacht. 

Heißt: mehrmaliges Fiebermessen und Geisteszustand überprüfen. Der Betroffene darf die Quarantäne-Station erst nach zwei negativen Tests verlassen. Infizierte Bewohner aus Grafing, Finsing und Oberding (die Einrichtungen haben keine eigene Quarantäne-Stationen) werden nach Anzing und Poing gebracht. So erklärt es zumindest Peter Haile.

Anzing: Schleusentüren wurden eingebaut

Gemeinsam mit dem Technischen Hilfswerk wurden Schleusentüren in Wohnbereiche eingebaut. Die Gebäudelüftung wurde teils ausgeschaltet, damit sich das Virus nicht über die Luft verteilen könnte. Im Heim in Poing wurde ein Stockwerk zur Quarantäne-Station, erklärt Gebäudemanager Florian Holzmann. Dort gibt es Personalaufgänge nur für Angestellte der Station. In Anzing hat das Quarantäne-Personal einen eigenen Aufenthaltsraum und Duschen. Die Pflegekräfte der verschiedenen Stationen kämen so nicht in Kontakt. Kosten für die baulichen Maßnahmen hat der Katastrophenschutz übernommen, sagt Holzmann.

Pflegestern-Chef Haile: Wenn nötig, ist auch Ausgehverbot möglich

„Wir tun alles, was in unserer Macht steht“, sagt Heim-Chef Haile. Dazu gehört auch, dass Bewohner nicht mehr die Seniorenzentren verlassen sollen. Bisher reichen Appelle und intensive Gespräche mit Bewohnern, meint Haile. Würden sie sich nicht daran halten, würde er ein Ausgehverbot aussprechen. Die Lage ist ernst.

Innerhalb der Einrichtungen können sich die Senioren frei bewegen – solange es keinen Corona-Fall gibt. Sämtliche Gruppenveranstaltungen wurden zudem abgesagt, in gemeinschaftlichen Essensbereichen wurden Abstandsflächen errichtet. Die Seniorenzentren nehmen vorerst keine neuen Bewohner auf.

Seit mehreren Wochen gilt auch ein Betretungsverbot für Angehörige. Viele hätten kein Verständnis dafür, sagt Haile. Sie würden auf Ausnahmeregelungen pochen. Angehörige und Freunde konnten aber über Fenster mit den Bewohnern sprechen. Skype-Gespräche solle es künftig auch geben.

Covid-Patient aus Poing: Wo er sich angesteckt hat, ist unklar

Übrigens: Der Covid-Patient aus Poing wurde erst in einem Krankenhaus positiv auf das Virus getestet, sagt Haile. Der Mann sei noch immer in einer Klinik. Er sei auf dem Weg der Besserung, sagt eine Sprecherin des Landratsamts. Wo er sich angesteckt hat, ist unklar.

Bleiben Sie auf dem Laufenden: Unser Corona-Ticker für den Landkreis Ebersberg

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