SPD-Landratskandidat Omid Atai in Falkenberg, hoch über Moosach.
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SPD-Landratskandidat Omid Atai in Falkenberg, hoch über Moosach.

Kommunalwahl

SPD-Landratskandidat Omid Atai: Der Kümmerer

  • Max Wochinger
    VonMax Wochinger
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Am 15. März ist Landratswahl. Es gibt fünf Bewerber um den Chefposten. Die EZ trifft sich mit ihnen. Heute: Omid Atai (SPD) bei einem Spaziergang in Moosach.

Moosach – Omid Atai, 27, geht auf einer schmalen Teerstraße einen Hügel in Moosach hoch. Es ist leicht windig, sonnig, kalt. Im Hintergrund ragen die mächtigen weißen Alpengipfel hoch. Atai blickt nach rechts, bleibt stehen. Auf der Wiese steht ein altes, kleines Windrad. Die Windmühle ist rot-weiß bemalt. Sie dreht sich nicht. „Rot-weiß ist mir lieber als blau-weiß“, sagt Atai. Er spielt auf Parteifarben an. Der Sozialdemokrat zückt sein Smartphone und macht ein Foto von der klapprigen Windmühle. Sieben Stunden später ist das Bild auf Instagram, Facebook und Atais Wahlkampfseite. #energiewende. Kommunalwahlkampf im Jahr 2020.

Auch analog unterwegs

Der junge Landratskandidat wirbt auch analog um Wählerstimmen. Er spricht mit Senioren in Gasthäusern, macht Hausbesuche, diskutiert mit Schülern. Dabei geht’s um soziale Gerechtigkeit, Verkehr und Nachhaltigkeit. Atais Topthemen.

Omid Atai: Vielfalt bringt uns voran

Omid Atai, kurze Haare, Bart, freundliches Lachen, geht in Moosach an einem Bauernhof vorbei. Auf der Weide laufen Pferde, Kühe, ein Strauß und einige Lamas. Oder doch Alpakas? So genau weiß das der Kommunalpolitiker nicht. Die Vielfalt im Gehege gefällt dem Poinger jedenfalls. Er überträgt sie auf Menschen: „Eine vielfältige Gesellschaft bringt uns voran“. Ein Landkreis aus vielen verschiedenen Meinungen und Gesichtern sei sein Ziel.

Rassismus im Nebensatz

Rassistische Äußerungen würden deshalb „gar nicht gehen“. Er deutet auf eine Aussage von Landrat Robert Niedergesäß hin. „Die Kreissparkasse ist kein polnischer Autohändler“, sagte der Landratsamtschef Ende Januar im Kreistag. „Rassismus kommt in einem Nebensatz daher. Ganz schlimm“, sagt Atai. Das zeige, wie wenig Niedergesäß verstanden habe.

Sparkasse: Lückenlose Aufklärung

Apropos Sparkassengebäude: Das sei „uncool“ für die Kreisräte gewesen, denn sie hätten Entscheidungen aufgrund falscher Tatsachen treffen müssen. Millionen seien in den Sand gesetzt worden. Der Politiker fragt sich, welche Rolle die Sparkasse bei dem Deal gespielt hatte. Das müsse lückenlos aufgeklärt werden.

Gebürtiger Münchner

Der gebürtige Münchner mit afghanischen Eltern setzt sich auf eine Bank am Wegrand. Vor ihm Moosach und Berge. Herrlich. „Eigentlich sollte hier Schnee liegen“, sagt der Jurastudent und schaut auf die grüne Wiese vor ihm. Seine Lösung für das Klimaproblem: Windräder („wir brauchen zunächst eine Grundsatzentscheidung, ob wir mehr Windmühlen wollen“), Photovoltaik („jedes Haus sollte Energie für den eigenen Verbrauch erzeugen“) und besseren Nahverkehr (“Zen-Minuten-Takt der S-Bahnen“).

Zweitliebstes Thema: Verkehr

Verkehr, Atais zweitliebstes Thema. Er fordert mehr Radwege, geförderte Fahrradparkplätze an Bahnhöfen, eine Bahnstrecke vom Landkreisnorden in den Süden, billigere Ticketpreise. „3,30 um mit dem Bus von einer Gemeinde zur nächsten zu fahren!“ Das sei zu teuer. Eine Zugstrecke durch den Ebersberger Forst ist ihm lieber als dort Windräder hinzustellen.

Omid Atai: Ich bin Optimist

Andere Frage: Warum hat die Bayern-SPD so schlechte Umfragewerte? „Wir sind in der Vergangenheit viele Kompromisse eingegangen, haben nicht polarisiert“, sagt Atai. Wer am lautesten trommle, werde wahrgenommen. Und seine eigenen Chancen? „Ich bin Optimist.“ Er könne sich gut vorstellen, ein guter Landrat zu sein.

Soziale Gerechtigkeit

Das wichtigste politische Standbein, auf dem der aktive Feuerwehrmann steht: soziale Gerechtigkeit. Es würden bezahlbare Wohnungen im Landkreis fehlen. Diese will Atai bauen, mit „75 Prozent Förderung von Freistaat und Bund“. Jede Gemeinde müsse günstigen Wohnraum für Polizisten und Pflegekräfte bauen. „Wenn der Lokführer hier keine Wohnung findet, zieht er woanders hin“, sagt der junge Mann. Zudem will er kostenlose Kitas und eine bessere Pflegeversorgung.

Omid Atai ist jemand, der lange auf eine Frage antwortet. Der, sobald er im Landkreis ist, bairisch redet. In seiner Freizeit klettert er gern in der Halle. Er wurde muslimisch erzogen, und wird rassistisch angefeindet. Sein Lieblingsessen ist Lasagne. Und er mag Garfield.

Service

Die Bürgermeisterkandidaten aller Gemeinden aus dem Landkreis Ebersberg, haben wir für Sie in unserem Überblicksartikel zu den Kommunalwahlen 2020 aufgelistet. Zudem können Sie sich in unserem Artikel zu den Landratswahlen über die dort antretenden Kandidaten informieren. Alle weiteren Hintergrundberichte finden sie auch auf unserer Themenseite zu den Kommunalwahlen 2020 im Landkreis Ebersberg.

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