Wirtinnen und Wirte aus dem Landkreis haben sich in Parsdorf zu einem Krisengespräch getroffen. Viele sehen sich in ihrer Existenz bedroht. Sie haben konkrete Forderungen an die Politik. 
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Wirtinnen und Wirte aus dem Landkreis haben sich in Parsdorf zu einem Krisengespräch getroffen. Viele sehen sich in ihrer Existenz bedroht. Sie haben konkrete Forderungen an die Politik. 

Wegen der Corona-Krise

Wirte in ihrer Existenz bedroht

  • Michael Acker
    vonMichael Acker
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Droht wegen der Corona-Krise ein Wirtshaussterben im Landkreis? Viele Gastronomen befürchten genau das. Sie sind jetzt zu einer Krisensitzung zusammengekommen.

Landkreis – Einigkeit herrschte bei allen Beteiligten darüber, dass die Gesundheit jedes Menschen oberste Priorität besitzt. Dennoch beginnt hier laut Korbinian Kugler, Geschäftsführer vom Landgut Kugleralm in Ebersberg, bereits die erste Schwierigkeit, denn schließlich seien die Gastronomen in der Verantwortung, nicht nur die Gesundheit der Gäste, sondern auch die der Mitarbeiter zu schützen. An dieser Stelle helfe keine Einschränkung der Öffnungszeiten, denn der Kontakt zwischen Gästen und Personal bestünde natürlich auch in dem vorgegebenen Zeitfenster.

Flächendeckende Schließung besser

Im Konflikt mit den Vorgaben stehe zudem der Aufruf der Regierung an die Bevölkerung, zu Hause zu bleiben. So wäre in den Augen Kuglers allen Gastwirten sogar mehr geholfen, eine flächendeckende Schließung anzuordnen, um Klarheit über Vorgehen und Verhalten in Zeiten von Covid-19 für Gäste und Betriebe zu schaffen.

Ergänzend fügte Franz Schwaiger vom Hotel Café Schwaiger in Glonn hinzu, dass auch erst bei einer behördlich angeordneten Schließung die Betriebsunterbrechungsversicherung leistungspflichtig werde. Bei freiwilligen Schließungen würden Zahlungen von Versicherungen schlichtweg ausbleiben, was die finanzielle Lage aller Hotel- und Gastrobetriebe zusätzlich weiter zuspitze.

Existenzen stehen auf dem Spiel

Fakt ist, dass zahlreiche Existenzen im Gastro- und Hotelbereich durch die Corona-Krise auf dem Spiel stehen und große Verunsicherung bei Betreibern und Angestellten herrscht. Um diesen großen Wirtschaftszweig zu unterstützen, sehen die Betroffenen daher dringenden Handlungsbedarf. So sei es unabdingbar, den Betrieben Steuerstundungen zu gewähren und ihnen schnelle und unbürokratische Finanzhilfen zukommen zu lassen. Doch laut Anton Schlammerl vom Wirtshaus Schlammerl in Wolfesing, hätten Banken und Steuerberater dank fehlender konkreter schriftlicher Informationen und Anweisungen diesbezüglich keine Handlungsmöglichkeiten. Das Finanzamt buche aber weiterhin ab, was für viele Betriebe nicht lange zu stemmen sei.

Langfristige Maßnahmen gefordert

So kann laut Anna und Christoph Link vom Wirtshaus Landlust in Vaterstetten u.a. eine Rückzahlung der Abbuchungen von den Finanzämtern eine Option sein, den Betrieben in dieser Ausnahmezeit unter die Arme zu greifen. Sandra Bretz und Andreas Keipp vom Wirtshaus Schnitzelgaudi im Sonnblick in Markt Schwaben sehen die Regierung zudem in der Pflicht, nicht nur kurzfristig auf die Krise zu reagieren, sondern langfristige Maßnahmen zu ergreifen, um die derzeit geschwächte Branche finanziell zu entlasten. So wäre es ihrer Meinung nach generell längst an der Zeit, flexible Arbeitszeitmodelle in der Hauptsaison für kurzfristig Beschäftigte einzuführen, den bürokratischen Aufwand zu vereinfachen, sieben Prozent Umsatzsteuer einzuführen und die Bekämpfung der Schwarzgastronomie voranzutreiben.

To-Go-Angebote als Notnagel

Wer seinen Betrieb bis dato noch nicht freiwillig geschlossen hat, versucht derweil mit kleinen To-Go-Angeboten das Geschäft am Leben zu halten und so den Bürgern überhaupt noch die Option auf ein Essen zu bieten. Da es bisher keine flächendeckende Anweisung zu Zwangsschließungen gibt, raten alle Wirtsleute der Region, den Status einzelner Lokalitäten über die jeweiligen Websites abzufragen.

Klar sei, dass sich nicht nur Gastronomen, sondern auch alle Gäste, die Normalität zurück wünschen, so die Wirte. Normalität heiße in diesem Falle Genussmöglichkeiten in all ihrer Vielfalt und damit verbundene Lebensqualität und Tradition. Schon allein daher gele es, dem Wirtshaussterben mit aller Kraft, Ideenreichtum, Unterstützung in jeglicher Form und Solidarität zu begegnen.

So sieht‘s im Moment im Landkreis Ebersberg aus: Mobiles Corona-Zentrum im Norden geplant

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