Schöffengericht urteilt

Drei Jahre Gefängnis für Vergewaltigung auf der Couch

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Es ist die schwierige Suche nach der Wahrheit. Ist die Zeugin, eine 62 Jahre alte Frau, glaubwürdig? Oder hat sie die Vergewaltigung erfunden. Das  Gericht hat eine klare Meinung.

Ebersberg – Ist die 62 Jahre alte Frau aus dem westlichen Landkreis glaubwürdig? Oder hat sie alles erfunden? Aus Rache, aus Eifersucht? Was sie erlebt habe, und die Staatsanwaltschaft zur Anklage gebracht hat, wiegt schwer.

Ein 32 Jahre alter Afghane soll die Frau im September 2016 in ihrer eigenen Wohnung auf einer Couch vergewaltigt, geschlagen und gewürgt haben. Nach seiner Tat soll der heute anerkannte Asylbewerber neben ihr auf dem Boden geschlafen haben. Das Schöffengerichtsverfahren in Ebersberg, bei dem der 32-Jährige, der im Kreis Fürstenfeldbruck lebt und als Kfz-Mechaniker arbeitet, entpuppte sich als Belastungsprobe für alle Prozessbeteiligten. Details wollte die Frau nur nichtöffentlich erläutern. Einen Tag nach der Tat ging die 62-Jährige zum Arzt, der Hämatome, Kratzer und Würgemale im Gesicht und Hals feststellte.

Aussage gegen Aussage

Es stand Aussage gegen Aussage. Denn was die 62-Jährige behauptete, stritt der Angeklagte partout ab. „Ich habe sie nicht angefasst“, sagt er. Grauer Pullover, kurzrasierte, schwarze Haare, ruhig und in sich gekehrt sitzt er neben seinem Dolmetscher. Sie unterstelle ihm die Tat, weil sie eifersüchtig sei. Und weil er ihr nicht mehr helfen und sie besuchen wollte. Der 32-Jährige verstrickte sich bei dem Wenigen, was er sagte, immer wieder in Widersprüche. In einem ersten Verfahren im April 2017 stand das Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Markus Nikol bereits vor einem großen Rätsel. Die Frage: Was hat sich am 14. September 2016 wirklich zugetragen?

Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt, dass der 32-Jährige die Frau in ihrer Wohnung aufgesucht, sich sofort ausgezogen und Geschlechtsverkehr gefordert habe. Das Opfer wollte hingegen lediglich einen „Fußballabend“ mit dem Afghanen verbringen. Es ist eine wirre und emotionale Geschichte, die sich während des mehrstündigen Prozesses auftut. Die 62 Jahre alte Frau und der jüngere Asylbewerber sollen seit 2014 Kontakt und auch ein sexuelles Verhältnis gehabt haben. In der Unterkunft von Flüchtlingen hätten sich beide kennengelernt, dort wohnte auch die 62-Jährige in einer Sozialwohnung.

Es sein ein „Oma-Enkel-Verhältnis“ gewesen

Eine Affäre streitet der Angeklagte ab: Es sei ein „Oma-Enkel-Verhältnis“ gewesen, sagte dieser. Er habe ihr lediglich beim Tragen schwerer Sachen geholfen oder ihr Fahrrad repariert. Sie hingegen habe ihm Nachhilfe in Deutsch gegeben. Das Verhalten der 62-Jährigen brachte das Gericht nur kurz ins Grübeln. Auch, weil sie nach der ersten Verhandlung erneut Kontakt zum Angeklagten aufgenommen hat.

Eine Psychologin hat die 62-Jährige untersucht und stellte im Prozess ihr Gutachten vor. Sie sollte, so hat es das Gericht in Auftrag gegeben, bewerten, ob die 62-Jährige glaubwürdig ist oder die Vergewaltigung erfunden hat. „Eine Falschaussage zu erfinden ist eine hochkomplexe kognitive Leistung“, erklärte die Gutachterin. Da das mutmaßliche Opfer sich nicht in Widersprüche verwickelte und bereits seit knapp zwei Jahren die Tat in Befragungen erklären konnte, stufte die Psychologin ihre Aussagen als glaubwürdig ein.

Das Urteil: Drei Jahre Freiheitsstrafe. Das Gericht sieht den gewaltsamen Geschlechtsverkehr über Stunden als erwiesen an. „Das Opfer schilderte die Tat detailreich und konstant“, so Richter Nikol.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa / Julian Stratenschulte

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