Versammlung im Gemeindezentrum: Der Neubau in Kirchseeon war teurer als geplant. Auch das belastet. Foto: S. Rossmann

Bei Evangelischen wird das Geld knapp

Kirchseeon/Ebersberg - Ein Beraterteam der evangelisch-lutherischen Landeskirche soll der ev. Gemeinde Ebersberg, Steinhöring, Kirchseeon und Hohenlinden aus der Patsche helfen.

Es geht zum einen um die Schulden aus dem Bau des Gemeindezentrums in Kirchseeon, aber auch um eine längerfristige Strategie, wie die Kirchengemeinde für die Zukunft auf finanziell sichere Füße gestellt werden kann.

Transparent und öffentlich: So sollten die Probleme behandelt werden, hatte Pfarrer Ezard Everts angekündigt. Und das löste er jetzt auch ein, bei der Gemeindeversammlung in Kirchseeon. Der größte Brocken sind Verbindlichkeiten von rund 240 000 Euro aus noch laufenden Krediten, da das Gemeindehaus in Kirchseeon teurer wurde, als ursprünglich geplant. Everts listete die einzelnen Schritte auf, von der ersten Kostenschätzung des Baureferats von rund 800 000 Euro, über die erste Schätzung des Architekten über 965 000 Euro, der Berechnung unter Berücksichtigung der Fachplaner mit etwas über einer Million Euro bis zu den endgültigen Kosten von rund 1,1 Millionen Euro.

Ein Grund für die gestiegene Kosten waren laut früheren Erklärungen der zunächst nicht eingerechnete barrierefreie Zugang sowie der Umbau des Platzes zwischen Gemeindehaus und Kirche sowie gestiegene Preise in der Baubranche. „Wenn wir das abziehen, sind wir fast bei den ursprünglichen Kosten“, betonte Ursula Bittner vom Kirchenvorstand. „Das Haus an sich ist nicht teuer.“

Das ändert aber nichts an den Schulden. Hierzu hat Everts einen Brief an die Mitglieder der Kirchengemeinde geschrieben. Die Tilgungslast aus dem Gemeindehaus-Projekt führe dazu, so Everts, „dass wir andauernd ,schmal bei Kasse’ sind“. Reparaturen in den anderen Gebäuden der Gemeinde oder gar dringende Ersatzbeschaffungen seien derzeit nicht finanzierbar. Der Pfarrer bittet um Unterstützung und rechnet vor: „Wenn jeder Haushalt unserer Kirchengemeinde circa 150 Euro spenden würde, wäre diese Aufgabe komplett bewältigt.“ Für manche wäre die Summe eindeutig zu viel, gibt Everts zu bedenken, für andere wäre mehr ein Leichtes. „In gemeinsamer Solidarität können wir es schaffen, oder?“, so der Pfarrer in dem Brief. Er räumt aber auch ein: „Die Frage ist mir zugleich ein wenig peinlich, weil ich ja nicht weiß, wie ihre eigenen finanziellen Möglichkeiten sind.“

Das zweite Problem ist jedoch tiefergehend. Der Haushalt der Kirchengemeinde kann für 2016 nur mit einem Griff in die mageren Rücklagen ausgeglichen werden. „Wir haben schon seit zwei Jahren gehörig eingedampft“, so Everts. Gespart wird an vielen Punkten. Briefe werden beispielsweise ausgetragen und nicht mit der Post verschickt.

In den kommenden Jahren seien etwa gleich bleibende Einnahmen (beispielsweise aus Kirchensteuer) zu erwarten. Gleichzeitig würden aber die Ausgaben steigen. Ein Betrieb der freien Wirtschaft hätte in so einem Fall vor allem zwei Möglichkeiten: Unternehmensteile ausgliedern und Personal abbauen. „Betriebsbedingte Kündigungen sind für mich ein absolutes No Go“, so Everts in der Versammlung. Nachdenken will man allerdings über die Gebäude im Besitz der Gemeinde. „Die stammen aus einer Zeit, als man nicht so auf das Geld geachtet hat“, so Everts. Das Radikalste wäre, alles zu verkaufen. Ein Bauträger stellt Wohnungen auf die Flächen. Den Verkaufserlös bringt die Gemeinde in eine Stiftung ein. Mit diesem Geld könnte man dann je nach Bedarf Räume anmieten.

Das wird sicher nicht die Lösung sein. Mit den Beratern soll aber unter anderem ein „Gebäude-Konzept“ für alle Immobilien aufgestellt werden, also für die Kirchen, die Gemeindezentren, den Kindergarten „Arche“ in Ebersberg. Dieses Konzept hätte man schon vorher gebraucht, bevor das neue Gemeindezentrum in Kirchseeon gebaut worden sei, so der Pfarrer. Er betonte jedoch auch, das neue Haus sei ein Segen, wie das aufblühende Gemeindeleben in Kirchseeon zeige. Trotz der finanziellen Probleme bezeichnete Everts die evangelische Gemeinde als reich und verwies auf die vielen Aktivitäten von der Musik über die Seniorenarbeit bis hin zur sehr aktiven Jugend.

Von Robert Langer

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