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Wenn die Kettensäge abrutscht: Rettungsübung im Ebersberger Forst

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Von: Raffael Scherer

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ein verletzter Holzfäller wird bei einer Rettungsübung im Wald versorgt
Druckverband und Notruf wählen: Die Forstarbeiter übten den Ernstfall eines Kettensägenunfalls im Ebersberger Forst. BRK-Auszubildender Max Bulling mimte dafür eine Stunde lang den Schwerverletzten. © PETER KEES

Gerade beim Holzfällen kann schnell mal ein Unfall passieren. Waldarbeiter spielten deshalb zusammen mit dem Forstamt und dem BRK den Ernstfall durch.

Ebersberg – In den Tiefen des Ebersberger Forsts liegt Max Bulling. Eine Schnittwunde klafft am Bein des 21-Jährigen. Neben ihm eine Kettensäge und Baumstämme, allesamt blutbefleckt. Der Grafinger stöhnt vor Schmerz. Eine Passantin spaziert vorbei, wirft einen Blick auf den Verletzten – und geht weiter.

Bulling ist Teil einer Erste-Hilfe-Übung bei Waldarbeitsunfällen. Blut und Verletzung sind Schminke. Da eilen auch schon die teilnehmenden Holzfäller zu Hilfe: Der eine untersucht, ob der Verletzte ansprechbar ist, die anderen beiden versuchen, mit einem Druckverband die Blutung zu stillen, und der Vierte wählt den Notruf. Alles richtig gemacht. Das Bittere: Die Teilnahmslosigkeit der zufällig vorbeikommenden Fußgängerin war echt.

16 Todesfälle durch Waldarbeit in Bayern

Eine Kettensäge mit Blut auf dem Boden im Wald
Ganz schön blutig: Mit Säge und Kunstblut sollte die Situation für alle möglichst realistisch wirken.  © PETER KEES

Der Kurs ist ein Angebot des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Ebersberg-Erding (AELF) für Waldbesitzer und Forstunternehmer aus der Umgebung. Zusammen mit Martha Stark, Leiterin des Rettungsdienstes vom BRK Ebersberg, und Forstwirtschaftsmeister Thomas Hobmeier trifft sich AELF-Revierleiterin Astrid Fischer mit den 13 interessierten Forstarbeitern auf dem Parkplatz beim Ebersberger Museum Wald und Umwelt.

„Waldarbeit ist eine der gefährlichsten, die man verrichten kann“, erklärt Fischer in ihrer Ansprache zum Kursbeginn. 2021 gab es in den bayerischen Wäldern 16 Todesfälle, berichtet sie, in den ersten drei Monaten dieses Jahres schon fünf. Je weniger geübt dabei die Arbeiter seien, umso sicherer und umsichtiger würden sie noch arbeiten, bestätigt Motorsägenvollprofi Hobmeier. Entsteht durch langjährige Routine eine vermeintliche, trügerische Sicherheit, werden viele unvorsichtig: „Meistens dann nach 15 Uhr heißt es ,das machen wir auch noch schnell’ und dann passiert’s“, so seine Erfahrung. „95 Prozent der Unfälle wären vermeidbar gewesen“, lautet seine Bilanz.

Erste-Hilfe-Rätsel: Stabile Seitenlage

Sanitäter und Helfer tragen Verletzten auf Trage durch den Wald
Durch die hügelige Landschaft trugen Sanitäter und Holzfäller den Verletzten zum Rettungswagen.  © PETER KEES

Nun geht es aber los: ab in den Forst. Fischer führt die Arbeiter einen Hügel hinauf zur markierten Stelle, wo der „verletzte“ Mime Bulling, eigentlich Azubi beim BRK, um sein Leben brüllt. Begeistert beobachtet Rettungsdienst-Leiterin Stark, wie die Männer sofort Hand anlegen. „Da sieht man gleich, das sind Macher, die zögern und hadern nicht“, so ihr zufriedenes Resümee. Bereits nach sechs Minuten ist der Notruf erfolgreich verständigt – die 112 ist über die Übung natürlich eingeweiht – und die Gruppe teilt sich auf: Die einen halten vor dem Wald Ausschau nach den Sanitätern zum Wegweisen, die anderen kümmern sich um den Verletzten.

Der hört auf einmal auf zu klagen – und wird ohnmächtig. Dadurch stellt sich für die Ersthelfer sofort die nächste Frage: Wie ging noch einmal die stabile Seitenlage? Welches Bein drunter, welches drüber? Die Holzfäller probieren es nochmals gegenseitig aneinander aus, bevor sie es an Bulling versuchen. „Unkonventionell, aber sehr gut“, so Starks Beobachtung, bringen sie den Verletzten doch noch in eine gesicherte Position.

Rettungseinsatz von knapp einer Stunde

Kaum eine Viertelstunde nach dem Notruf treffen die Sanitäter ein. Acht Mann sind notwendig, um den Verletzten samt Trage über die Hügellandschaft zu tragen. Nach insgesamt einer Stunde ist Bulling schließlich im Rettungswagen und die Übung damit beendet. Applaus für den Mimen, der sich aus dem Sanka heraus lachend verbeugt.

Nach einem Austausch samt Rückfragerunde sind am Ende alle Mann froh, mit ihrem Erste-Hilfe-Wissen wieder auf dem neuesten Stand zu sein. Und trotzdem hoffen sie, dass sie es niemals wirklich gebrauchen müssen.

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