„Die Widerstände sind normal – auch in ihrer Heftigkeit. Im Landkreis Ebersberg werden die Menschen zu einem frühen Zeitpunkt gefragt. Das ist gut“: Jens Mühlhaus (49), Vorstandssprecher der Green City AG.
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„Die Widerstände sind normal – auch in ihrer Heftigkeit. Im Landkreis Ebersberg werden die Menschen zu einem frühen Zeitpunkt gefragt. Das ist gut“: Jens Mühlhaus (49), Vorstandssprecher der Green City AG.

Interview mit Jens Mühlhaus, Chef von Green City

Windräder-Bürgerentscheid: Ebersberg hat Strahlkraft für ganz Bayern

  • Michael Acker
    vonMichael Acker
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Am 18. März starten die Bürgerdialoge im Vorfeld des Bürgerentscheids am Sonntag, 16. Mai. Dann entscheiden die Menschen über die Frage, ob im Forst fünf Windkraftanlagen gebaut werden können. Jens Mühlhaus (49) will die Anlagen unbedingt. Der Münchner ist Vorstandssprecher der Green City AG, die das Energiewende-Projekt verwirklichen möchte.

Herr Mühlhaus, waren Sie schon einmal im Ebersberger Forst?

Natürlich. Schon viele Male, mit dem Fahrrad und zu Fuß. Ich kenne den Münchner Osten sehr gut, weil ich in Waldperlach aufgewachsen bin.

Dann kennen Sie die Einzigartigkeit des Forstes und haben Verständnis für den Widerstand, der sich in Teilen der Bevölkerung gegen die fünf Windräder manifestiert?

Grundsätzlich habe ich Verständnis dafür. Es geht um einen Eingriff in die Natur, wir wollen Technik in die Natur bauen, die man von weitem wird sehen können. Den Menschen liegt ihre Heimat am Herzen, solch ein Eingriff kann niemandem egal sein. Aber: Man muss abwägen, was man will, wie es in Zeiten des Klimawandels weiter gehen soll.

Am Donnerstag, 18. März, starten die Bürgerdialoge der Energieagentur. Nehmen Sie teil?

Selbstverständlich nimmt Green City teil. Ich stehe Rede und Antwort.

Sind Sie angesichts des Widerstands froh, dass diese Bürgerdialoge Pandemie-bedingt nur online stattfinden können?

Nein. Präsenzveranstaltungen wären mir deutlich lieber. Widerstand bin ich gewohnt, hitzige Diskussionsveranstaltungen sind mir nicht fremd. Man spürt die Stimmung besser, die Leute können auch mal auf den Tisch hauen, Emotionen müssen raus.

Ist der Widerstand im Landkreis Ebersberg heftiger als bei anderen Projekten, die Sie über die Bühne gebracht haben?

Nein, das glaube ich nicht. Die Widerstände sind normal – auch in der gezeigten Heftigkeit. Sie kommen oft sehr spät in der Planungsphase, was es für die Projektierenden nicht einfacher macht. Im Landkreis Ebersberg werden die Menschen zu einem frühen Zeitpunkt gefragt. Das ist gut.

Green City will, dass die Energiewende aus der Bürgerschaft kommt. Insofern müssten Sie ja ein großer Freund des Bürgerentscheids sein.

Bürgerentscheide liegen uns in der Tat sehr nahe. Wir haben kein Problem, mit unseren Projekten vor Menschen zu treten. Der Ebersberger Entscheid wird bayernweite Strahlkraft haben, weil im Freistaat nur sehr wenige Windkraft-Projekte auf der Tagesordnung stehen. Sowohl ein Ja als auch ein Nein zu den Anlagen im Forst wird erhebliche Auswirkungen auf andere Projekte in Bayern haben. Insofern entscheiden die Ebersberger über die Energie- und Klimaschutzpolitik des Freistaats mit.

Was heißt das konkret?

Na ja, ein Ja in Ebersberg wird andere Projekte sicherlich beflügeln, ein Nein könnte sie beerdigen, weil Politiker und andere Initiatoren den gesellschaftlichen Widerstand fürchten.

Wie wird der Bürgerentscheid ausgehen?

Ich bin mir sicher, dass eine breite Mehrheit der Bevölkerung für die Windräder im Forst ist. Die Frage ist, ob sie auch wählen geht. Ein Ja würde Stabilität bringen, weil dann ein Stück Investitionssicherheit da wäre.

Was passiert bei einem Nein?

Ein Nein wäre ein verheerendes Zeichen für den Klimaschutz über den Landkreis hinaus. Wenn die Menschen vor Ort die Windkraft im Forst nicht wollen, werden sie die Folgen spüren. Diese können sehr unterschiedlich sein, z.B. deutlich mehr Solarflächen, teurere Energie, mehr Stromimporte.

Das Landratsamt hat bestätigt, dass der Kreistag in nicht-öffentlicher Sitzung den Weg für eine Bürgerbeteiligung an dem Windkraft-Projekt im Forst frei gemacht hat. Wie könnte diese aussehen?

Da gibt es verschiedene denkbare Formen. Bereits seit 2011 verfolgen wir den Weg der Bürgerbeteiligung und freuen uns, dass der Kreistag diesen nun mitgeht. Die Energie-Genossenschaften im Landkreis Ebersberg werden sich finanziell beteiligen können. Daneben besteht die Möglichkeit, Bürgerbeteiligung-Fonds aufzulegen, in die interessierte Menschen direkt investieren können.

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