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„Ich fühle mich wie in den Tropen“, sagt Heidi Hegele über ihren Arbeitsplatz in Ebersberg. Dass die 69-Jährige überhaupt noch arbeitet, sei ihrer Leidenschaft an der Arbeit, an Reisen und fremden Kulturen geschuldet.

Über Affen, Schweine und das Internet

Sie hat das abgefahrenste Reisebüro der Republik - doch jetzt droht das Aus

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Es ist das Bora Bora-Atoll von Ebersberg. Heidi Hegeles Reisebüro ist einzigartig in Deutschland - doch es droht das Aus. Über Affen, Schweine und das Internet. 

Ebersberg – Vor Heidi Hegele hängt ein Affe an einem Bambusstock. Braunes Gesicht, graues Fell. Über Heidi Hegele wedeln grüne Palmenwedel. Es ist wollig warm und riecht nach Pflanzen. Es ist ein Südseeparadies, in dem die 69-Jährige sitzt. Mitten in Ebersberg. Schwarze Brille, schwarze Haare, großer Schal um beide Schultern. „Ich fühle mich wie in den Tropen“, sagt sie.

Ein Paradies, das sie sich Ende der 1990er Jahre in der Heinrich-Vogl-Straße in einem Gewächshaus einrichtet – einzigartig in ganz Deutschland, wie sie selber sagt. Es dürfte das tropischste Reisebüro der Republik sein. Wenn man die paar Holz und Metallstreben weglässt, besteht das Büro nur aus Glas. Kunden, die zu Hegele kommen, fühlen sich schon vor dem Urlaub hier wie im Urlaub. Auch wenn die bekannteste Südseeinsel Bora Bora über 16 000 Kilometer weit weg ist von der Reiseecke.

Sie war die erste Frau in Deutschland, die...

Doch dem Südseeort in Ebersberg auf gerade einmal 40 Quadratmeter droht das Aus. Heidi Hegele will aufhören. Einen Nachfolger hat sie noch nicht. Dass die 69-Jährige überhaupt noch arbeitet, sei ihrer Leidenschaft an der Arbeit, an Reisen und fremden Kulturen geschuldet. Alles in ihrem Leben habe sich schon immer ums Reisen gedreht. Sie sitzt in der offenen Bambushütte in ihrem Büro und schaut mit ernster Miene aus den großen Fenstern auf die Straße. Ein Hund bellt. Hinter Hegele leuchten die aufgereihten hellblau-leuchtenden Reisekataloge.

Hegele stammt aus Wiesbaden. Lehre im Reisebüro, Arbeit am Frankfurter Flughafen, Weiterbildung in New York zum „Operation Agent“. Hegele war in den 1970ern die erste Frau, die als „Operation Agent“ Gewicht und Balance der Flugzeuge berechnete. München, Flughafen Riem. Dort lernte sie ihren Mann aus dem Landkreis Ebersberg kennen. 1996 Hegeles Entscheidung: „Ich will ein eigens Reisebüro.“ Mit fast 50 macht sich Hegele selbstständig. Erst mit einem kleinen Büro an der Ecke der Heinrich-Vogel-Straße/Eichthalstraße, zwei Jahre später der Umzug ins Gewächshaus einer örtlichen Gärtnerei. Seit 22 Jahren ist sie die Reisefee in Ebersberg. Und hat einiges erlebt.

Zeiten, in denen man zu einer Beerdigung eingeladen wurde

„In den 90er Jahren waren die Fernreisen noch seltener“, erzählt sie. Eine Reise nach Vietnam, was heute völlig normal sei, sei damals vollkommen exotisch gewesen. Fernreisen waren richtig teuer. Das weiß sie aus eigener Erfahrung. Als sie gemeinsam mit ihrem Mann mit einem Motorrad in den 1970er Jahren die indonesische Insel Bali abgefahren ist, „waren wir so gut wie die einzigen Touristen“. Es waren Zeiten, in den denen die Indonesier noch nie Menschen aus dem Westen gesehen hätten. Zeiten, „in denen wir am Straßenrand zu einer Beerdigung eingeladen wurden, weil die Menschen das als freundliche Geste verstanden“, erzählt Hegele.

Heute gebe es keine außergewöhnlichen Reisen mehr, sagt sie. Heute buche sie fast „alles“. Außer Antarktis. Das wäre wohl das Außergewöhnlichste. Und sonst? Wie abgefahren reisen die Ebersberger? „Das Abgefahrenste, das ich jemals gebucht habe, war eine Reise auf die Bahamas und Schwimmen mit Schweinen im Meer.“

Nimmt sie den Affen mit?

Gerade bei solchen Reisen rät die Reiseexpertin zu einer Buchung im Reisebüro. Und nicht, wie mittlerweile weit verbreitet, im Internet. Weil? „Weil man einfach einen direkten Ansprechpartner hat.“ Das fehle oft bei den Reiseseiten im Netz. Dass Kunden auch in ihr Reisebüro kommen, sich beraten lassen und dann im Netz buchen? „Dafür ist mir die Zeit zu schade“, sagt Hegele. Aber es passiere, Es sei ein Stück weit unfair. Kunden machen dadurch Arbeit, doch ein Reisebüro verdient für die Stunden nichts. Geld nehme ein Reisebüro nur ein, wenn eine Reise auch gebucht wird. Auf Provisionsbasis, zwischen fünf und zehn Prozent des Reisepreises.

Aber um Geld geht es Hegele nicht. Ihr gehe es darum, täglich aufs neue in ihr Ebersberger Tropenparadies zu kommen. Ein Leben unter Palmen und für die Reise gebe man eben schwer auf. Auch wenn sie es müsse. Jeder Urlaub gehe nun mal zu Ende.Den graufelligen Affen wird Hegele vielleicht mit nach Hause nehmen.

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