Die Sieger 2016 beim Jugendkulturpreiswettbewerb. Foto: jro

Kunst aus dem Handy

Ebersberg - „Eigentlich habe ich nur mit dem Handy gespielt“, meint Oskar Promeuschel, zehn Jahre jung und diesjähriger Erstplatzierter für den Jugendkulturpreis des Kreisjugendrings Ebersberg.

Er nahm ein Foto von seinem Balkon auf, zog es auf sein Handy, zoomte dann ein bisschen. Es wurde gepixelt, gespiegelt und eben gespielt. Herausgekommen war so eine avantgardistische Interpretation des Themas „Wachsen“, in Bildern an die weiße Wand gebeamt im Studio an der Rampe des Kunstvereins Ebersberg.

Es sind Bilder, zusammengesetzt aus kleinen Kästchen, mal größer, mal kleiner, mal bunt und mal weiß, aber immer anders. Sie sind entstanden aus der Abbildung von Baum und Blättern durch spielerische Veränderungen, durch Hineinzoomen und wieder Herauszoomen, oder, wie der kleine Künstler Oskar es selbst beschreibt, „durch Wachsen nach innen und nach außen“. In seiner Beschreibung fügt er sinngemäß hinzu, dass alles im Wachsen ist, auch er selbst. Und dass er, in dem Moment, in dem er sein Werk abgegeben habe, auch wieder ein Stück gewachsen sei.

Alle Erwachsenen, die am vergangenen Freitag nach der Preisverleihung um ihn herumstanden und wissen wollten, wie er das rein technisch bewerkstelligt habe, es nach der dritten Erklärung aber immer noch nicht verstanden hatten, haben nun durch Oskar die Gelegenheit, selbst auch noch ein Stückchen zu wachsen.

Die Jury hielt Oskars Bilderspiel und dessen Zerlegung in immer andere Strukturen für eine sehr spannende und reife Auslegung des Themas für einen Zehnjährigen - und hat ihn deshalb mit dem Hauptpreis von 300 Euro prämiert. „Den Jugend-Kulturpreis hat es früher schon gegeben, 2013 wurde er wiederbelebt“, sagte Blandine Ehrl, seit fünf Jahren Geschäftsführerin beim Ebersberger Kreisjugendring. Aber während in der Vergangenheit immer ein anderes Genre der Kunst bestimmt wurde, war diesmal nur das Thema „Wachsen“ vorgegeben.

Was die Jugendlichen zwischen sieben und 21 Jahren daraus machen wollten, war ihrer Fantasie und Kreativität überlassen. Und die zeigte eine breit gefächerte und beeindruckende Bandbreite, obwohl nur 13 Werke eingereicht worden waren. Von Zeichnungen bis zu Gedichten, von Filmen bis zu Installationen, von Skulpturen bis zu Bastelarbeiten.

Der zweite Preis ging an den erst siebenjährigen Emil Teigan, der den Menschen, die Menschheit und eine Kartoffelpflanze in den verschiedenen Wachstumsphasen mit fast wissenschaftlicher Genauigkeit gemalt hat.

Romy (11) und Leander (14) Butz kamen mit ihrer „Biosphäre“ auf den dritten Platz: eine kleine Glühbirne, in der sich eine komplett abgeschottete Mini-Welt aus Sand, Steinen, Moos und Erde befand, die wohl noch die nächsten zwei Millionen Jahre darin wachsen kann.

Von Evi Thiermann

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