Im Unterricht gilt Maskenpflicht. Das bewahrt Lehrer und Schüler aber nicht automatisch davor, dass sie bei einem Fall in der Klasse in Quarantäne müssen.
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Im Unterricht gilt Maskenpflicht. Das bewahrt Lehrer und Schüler aber nicht automatisch davor, dass sie bei einem Fall in der Klasse in Quarantäne müssen.

Coronavirus: Kritik an Gesundheitsamt Ebersberg

Unterricht fällt wegen Quarantäne ständig aus - Grüne fordern: Lehrer als systemrelevant einstufen

  • Josef Ametsbichler
    vonJosef Ametsbichler
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Mit den aktuellen Quaratäne-Entscheidungen bei Corona-Fällen im Klassenzimmer ist ein sinnvoller Schulunterricht unmöglich, finden die Ebersberger Kreis-Grünen. Sie fordern, dass das Gesundheitsamt seine Regeln lockert.

Landkreis – Ein Drittel der Lehrer in Quarantäne, massig Stundenausfälle oder Vertretungsunterricht: In einem Elternbrief von kurz vor den Ferien, der der Redaktion vorliegt, lässt die Schulleitung des Humboldt-Gymnasiums Vaterstetten durchblicken, dass sie mit coronabedingter Personalnot zu kämpfen hat. Kein Einzelfall im Landkreis Ebersberg, das diagnostizieren die Grünen im Kreistag. Ein sinnvoller Schulbetrieb sei unter solchen Umständen nicht möglich. Sie fordern nun ein Umdenken im Gesundheitsamt, und zwar möglichst schnell nach den Herbstferien.

14 Tage Quarantäne ohne Überprüfung? - „Das entspricht nicht den Kriterien des RKI.“

Es sei ein Unding, dass Lehrer und Schüler im Landkreis pauschal und ohne Überprüfung der tatsächlichen Infektionsgefahr im Falle eines möglichen Coronakontakts 14 Tage in Quarantäne geschickt würden, sagt Johannes von der Forst. Der Grünen-Kreisrat aus Vaterstetten ist selbst stellvertretender Schulleiter am Gymnasium Oberhaching (Landkreis München). Er kenne einen Fall im Landkreis Ebersberg, wo ein Lehrer im belüfteten Klassenzimmer mit lauter Maskenträgern 45 Minuten Klausuraufsicht gehalten habe – und nun wegen eines positiv getesteten Schülers in Quarantäne sitze. „Das entspricht nicht den Kriterien des RKI“, sagt von der Forst.

Das Robert-Koch-Institut nennt für einen Coronakontakt erster Kategorie als Kriterium mindestens 15-minütigen Kontakt zu einem Infizierten, wobei ohne Maske der Mindestabstand von 1,5 Metern unterschritten wird.

Systemrelevanz und priorisierte Kontaktnachverfolgung für die Lehrkräfte

In einer Anfrage an Landrat Robert Niedergesäß fordern die Kreis-Grünen daher, dass das Gesundheitsamt vor der Quarantäneentscheidung individuelle Gespräche führt, um die Ansteckungsgefahr besser einzugrenzen. Das sei ohnehin der korrekte Weg – gegenüber Lehrern wie Schülern. Die Kontaktverfolgungsteams des Landkreises seien allerdings überlastet. Dafür bekundet von der Forst Verständnis. Er wirbt jedoch dafür, zumindest die Lehrer priorisiert zu behandeln – um den Präsenzunterricht der übrigen Schüler möglichst sicherzustellen. Außerdem, so die Grünen, sollten Lehrer als systemrelevantes Personal eingestuft werden – auch so können Behörden die Quarantänezeit verkürzen.

Die Einstufung als Kontaktperson ist sehr stark Verhandlungssache der Schule und der einzelnen Lehrer.

Johannes von der Forst, Grünen-Kreisrat

Von der Forst berichtet, an seiner Schule in Oberhaching sei das für Lehrkräfte aus Stadt und Landkreis München möglich gewesen. „Die Einstufung als Kontaktperson ist sehr stark Verhandlungssache der Schule und der einzelnen Lehrer“, habe er beobachtet. „Das kann es doch nicht sein.“

Die Ebersberger Behörden zählten bei der Regelauslegung zu den striktesten. Auch da solle der Landrat nachbessern und im Gesundheitsministerium auf eine gemeinsame landesweite Vorgehensweise pochen, fordern die Grünen in ihrer Anfrage. Für bessere Lüftung in den Schulen solle der Landkreis Raumluftfiltergeräte und CO2-Detektoren anschaffen.

Eine bayernweite Anpassung der 14-Tage-Quarantäne-Regel an den Schulen ist nicht ganz abwegig. Kultusminister Michael Piazolo (FW) zeigte sich vergangene Woche grundsätzlich offen für den Vorschlag – peilt aber keinen bayerischen Alleingang an.

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