Der Filzenexpress fährt in den Sonnenuntergang. Foto: Sro

Lang lebe der „Wasserburger“!

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Ebersberg - Am 17. Mai 2015 soll für einen Tag die Zeit zurückgedreht werden - um 110 Jahre. Denn so alt wird an diesem Tag der „Filzenexpress“.

Dann werden auf der Strecke Ebersberg-Wasserburg wieder Dampfzüge verkehren - so wie früher, als es die roten Dieseltriebwagen noch nicht gab, die erst in jüngerer Zeit der Namensgeber für die Bahnlinie waren. Denn die alten Ebersberger würden zu dem Zug niemals so sagen. Für sie ist er immer noch der „Wasserburger“ - und das war er eben schon, als noch Dampfloks die Steigung im Laufinger Moos bewältigen mussten.

Inzwischen ist viel Wasser die Ebrach hinuntergelaufen und in jüngster Zeit wurde erheblich in die Ertüchtigung der Bahnlinie investiert, unter anderem, um einen Begegnungsverkehr in Steinhöring zu ermöglichen, was eine Erhöhung des Taktes zur Folge hatte. Auch wurden die Bahnüberhänge mit Schrankenanlagen versehen. Das diente der Sicherheit, denn große Unglücksfälle blieben dem Filzenexpress zwar erspart, trotzdem kam es an den Übergängen schon zu schweren Unfällen. In Grafing zum Beispiel krachte der Zug auf Höhe des Volksfestplatzes im Mai 2000 in einen Lastwagen, dessen Fahrer auf den Bahngleisen zu wenden versuchte.

Nach Auskunft eines Bahnsprechers ist beim Ausbau noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht. „Es kommt freilich darauf an, was der Freistaat bestellt.“

Immerhin hält es die Bahn nicht für ausgeschlossen, dass der Ast nach Wasserburg einmal elektrifiziert werden könnte, was gleichbedeutend wäre mit der Option, die S-Bahn bis in die Innstadt fahren zu lassen. Dazu müsste freilich die Stadt Wasserburg selbst einen Beitrag leisten. Denn kurz vor der Altstadt hat ein Hochwasser vor Jahrzehnten den Bahndamm mitgerissen. Und das abgebrochene Bahndammstück befindet sich nach Auskunft des Bahnsprechers im Besitz der Kommune. Der Rest der Bahnlinie ist zwar von Sträuchern überwuchert, aber immerhin noch vorhanden.

Heute denkt niemand mehr an die Schließung der Bahnlinie, die in den 70er und 80er Jahren ständig wie ein Damokles-Schwert über der Zugverbindung lag. Besonders nach der oben beschriebenen Bahndammhavarie schien das Schicksal der Zugverbindung besiegelt. Es wurden Ersatzbusse eingesetzt, von denen die Bürger argwöhnten, dass sie im Gefolge den Schienenverkehr ganz ersetzen sollten. So weit kam es aber dann nicht und daran hatten die Bürger ihren Anteil. Es formierte sich nämlich eine zähe und langlebige Bürgerbewegung um den Kristallisationspunkt „Pro Bahn“, die nicht müde wurde, das Geschehen um die geschätzte Bahnlinie aufmerksam zu verfolgen und diese Aufmerksamkeit auch mit publikumswirksamen Aktionen zu garnieren wusste.

Nutznießer dieses Einsatzes sind jetzt unter anderem die vielen Pendler, die den „Filzenexpress“ als schnelles und bequemes Beförderungsmittel angenommen haben und nicht mehr missen möchten. Besonders die Siedlungstätigkeit entlang der B 304 und auch die Gewerbegebiete, die hier entstanden, haben dem „Filzenexpress“ zusammen mit dem schulischen Angebot der Innstadt einen dauerhaften Schub gegeben.

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