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Nächtlicher Krach und Gepfeife

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Güterwaggons so weit das Auge reicht: Nachts um 0.30 Uhr donnern Züge durch Ebersberg, Steinhöring und Tulling. jro
Güterwaggons so weit das Auge reicht: Nachts um 0.30 Uhr donnern Züge durch Ebersberg, Steinhöring und Tulling. jro

Ebersberg - Güterwaggons, die laut rumpelnd durch den Ebersberger Bahnhof rollen? Das hat es schon lange nicht mehr gegeben. Seit etwa drei Wochen müssen die Anlieger nächlichen Lärm aushalten. Der Grund dafür sind Umbauarbeiten - aber ganz woanders.

„Wir sind extra von Trudering nach Ebersberg gezogen“, schildern Hans und Gabriele Triebenbacher ihre Situation. „Man hat uns gesagt, dass da nur die S-Bahn fährt. Und jetzt dieser Krach in der Nacht.“ Seit April wohnt das Paar in der Kreisstadt - direkt an der S-Bahn. Und seit knapp drei Wochen sei ans Durchschlafen nicht mehr zu denken. „Die ganze Rauwagnerstraße wird wach“.

„Das ist ein totaler Krach nachts“, bestätigt auch eine andere Anwohnerin. Sie wohnt am Schwedenweg. Der Ebersberger Rathauschef Walter Brilmayer versteht die Verärgerung der Bürger. „Ich hab das auch gehört“, sagt er, und meint nicht etwa, dass ihm die Anwohner das zugetragen hätten. Er ist selbst seit drei Wochen „Ohrenzeuge“, also persönlich von dem Lärm betroffen.

Eine Nachfrage in der Pressestelle der Bahn bestätigt, dass seit ungefähr drei Wochen wieder Güterzüge in Ebersberg verkehren. Etwa gegen 0.30 Uhr fährt ein Zug in Richtung München, gegen 2.30 Uhr fährt einer Richtung Wasserburg und dann nach Mühldorf weiter.

Wie Brilmayer von seinem Steinhöringer Kollegen Alois Hofstetter informiert wurde, sind auch in dessen Gemeinde die Bürger hellhörig geworden. Dort gab es ebenfalls Beschwerden über den neuerlichen Bahnlärm mitten in der Nacht. Auch die Tullinger sind betroffen. Außerdem würden die Züge bei jedem unbeschrankten Bahnübergang laut und lange pfeifen.

Der Bahnsprecher erklärt, warum derzeit die Ebersberger und Steinhöringer einer zusätzlichen Lärmbelastung ausgesetzt werden müssen. Zwischen Schwindegg und Mühldorf ist das Gleis derart reparaturbedürftig, dass dort noch bis zum 3. September kein Zug fahren kann. „Das ist eine richtig umfangreiche Maßnahme mit Gleissanierung und Schotterbettneubau“, so der Bahnsprecher. Nach dem dritten September wird’s aber noch nicht leichter. Denn dann wird das Gleisstück zwischen Markt Schwaben und Hörlkofen restauriert. „Für diese Zeit dient uns Ebersberg als Ausweichstrecke“, meint der Bahnsprecher.

„Warum hat man uns das nicht gesagt, keiner wurde informiert, nicht einmal die Stadt Ebersberg, bei der ich nachgefragt habe“, beschwert sich eine Anwohnerin vom Schwedenweg. Besonders lästig sei das nächtliche Gepfeife der Loks und das Gequietsche in dem starken Kurvenradius am Anfang von Ebersberg. Nach Auskunft von Brilmayer kommt das lange Warnsignal daher, dass „die Züge meist ziemlich lang und nur vorne und hinten“ beleuchtet sind. Wenn sie also in der Nacht einen unbeschrankten Bahnübergang überqueren, ist die Vorschrift, dass der Lokführer ein langes Warnsignal gibt.

Immerhin hat der Bahnsprecher aber zum Schluss eine gute Nachricht für die Ebersberger und Steinhöringer Bürger, die sich derzeit um den Schlaf gebracht fühlen: Nach dem 9. September ist der Spuk voraussichtlich vorüber. „Dann ist es wieder vorbei“, verspricht er.

Von Michael Seeholzer

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