24-jähriger Ebersberger vor Gericht

Pinkelpause eskaliert: Haftstrafe

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Ebersberg - Der Anlass war offensichtlich klein: Es ging um eine nächtliche Pinkelpause am Jugendzentrum Ebersberg. Die hatte ein gerichtliches Nachspiel. Verurteilt wurden vor dem Amtsgericht zweiMänner – unter anderem wegen Körperverletzung. Aus der Pinkelpause war eine Schlägerei geworden.

Die zwei Angeklagten, zur Tatzeit 19 und 23 Jahre alt, waren geständig. Demnach hatte sich der Vorfall im August vor einem Jahr etwa so abgespielt: Die beiden hatten kräftig dem Alkohol zugesprochen und an die Hauswand des Jugendzentrums uriniert. Ein Passant beobachtete das und soll dann eine provozierende Bemerkung gemacht haben. Es kam zu Handgreiflichkeiten, bei denen der Hauptangeklagte Martin S. (alle Namen geändert) mehrfach auf den Passanten Georg N. (26) eingeschlagen haben soll, als dieser bereits am Boden lag, sagte er vor Gericht aus. Der Unterlegene erlitt eigener Schilderung nach Prellungen am Kopf und Hautabschürfungen.

S. hatte zu diesem Zeitpunkt eine offene Bewährung, weil er in Grafing im Alkoholrausch bereits einen Mann schwer niedergeschlagen hatte, der heute noch unter den Folgen dieses Angriffs leidet. Weil sein „Pinkel-Spezi“ wusste, dass S. noch in der Bewährung war, versuchte er die Tat auf sich zu nehmen. Zufällig fuhr nämlich eine Streife der Polizei Ebersberg am Tatort vorbei, der er diese Geschichte auftischen wollte.

Vor Gericht war der junge Mann weitgehend geständig und räumte ein, dass er falsche Angaben gemacht hatte. Richterin Vera Hörauf brummte ihm deswegen eine Geldauflage von 500 Euro auf. Dass er dem Verletzten angeblich noch gedroht hatte, er werde ihm alle Knochen brechen, wenn der der Polizei sage, wie es wirklich gewesen sei, war vor Gericht nicht zu beweisen.

Die Aussage des Zeugen Georg N. war so schwammig, dass es ohne das Geständnis der jungen Männer kaum zu einer Verurteilung gereicht hätte, worauf die Verteidigung auch konsterniert hinwies.

Traurig ist die bisherige Lebensgeschichte von Martin S. verlaufen, der vor Gericht mit unsicherer Miene einer Gutachterin zuhörte, die minutiös und fast eine halbe Stunde lang klarlegte, was bei dem jungen Menschen, der im Alter von sechs bis 16 Jahren wegen seines Aufmerksamkeits-Defizit-Syndroms medikamentiert wurde, alles schief gelaufen sei.

Mehrfach scheiterten die Versuche des jungen Mannes, eine Lehre zu absolvieren. Auch seine Beziehungen gingen regelmäßig in die Brüche. Er befindet sich derzeit in einem Berufsbildungswerk in Niederbayern, wo er eine Ausbildung zum Landschaftsgärtner macht und gegen seine Suchttendenzen ankämpft. Ihm zur Seite stehen dabei Sozialarbeiter, Psychologen und ein Bewährungshelfer. „Ich weiß, dass das nie wieder vorkommen darf“, sagte der Angeklagte, der von seinem Großvater zur Verhandlung begleitet wurde.

Richterin Vera Hörauf verurteilte den inzwischen 24-jährigen Ebersberger zu einem Jahr Haft und Unterbringung in einer Entziehungseinrichtung, was beides auf fünf Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurde. Die Beratung des Schöffengerichts zu diesem Urteil dauerte fast 45 Minuten.

„Das ist Ihre allerletzte Chance“, sagte die Richterin. „Sonst sitzen Sie das Jahr ab und gehen in die Unterbringung, und es ist dabei nicht klar, wie lange das dauert."

Rubriklistenbild: © Stefan Rossmann

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